Zum Heimatbegriff bei Herta Müller : weibliche Heimat?

/ Viola Neubauer

Wien : 2013

Diplomarbeit

Betreut von: Pia Janke

In vorliegender Arbeit beschftige ich mich mit dem Begriff ?Heimat? bei Herta Mller. Sie gliedert sich in einen theoretischen und einen analytischen Teil. Die zentrale These lautet, dass ?Heimat? fr Herta Mller nicht mehr als einen Mythos darstellt, gegen den es sich zu richten gilt. In diesem Sinne wird deshalb zu Beginn versucht, den Begriff allgemein zwischen Utopie, Ideologie und Mythos zu verorten. Nun ist Herta Mller nicht die erste Autorin, die Kritik an ?Heimat? betreibt. Ihr Werk lsst sich vielmehr als rumniendeutsche Ausprgung der zunchst in sterreich entstandenen Anti-Heimat-Literatur betrachten. Um dies belegen zu knnen, wird dem analytischen Teil eine all-gemeine Einfhrung in die Geschichte und Merkmale der Anti-Heimat-Literatur voran-gestellt. Dem analytischen Teil vorangehend findet sich zudem eine Betrachtung der Affinitten und Parallelen zwischen den Werken sterreichischer Anti-Heimat-Literaten und Herta Mllers. Weiter interessiert die Frage, inwiefern die Darstellung bei Herta Mller eine spezifisch weibliche Form der Anti-Heimat bedeutet. Da die Mythen von ?Heimat?, Weiblichkeit, Natur sowie Weiblichkeit als Natur untrennbar miteinander verknpft sind, zeigt die hufige Ausblendung dieses Aspekts von einem blinden Fleck in der Forschung. Die Zielsetzung vorliegender Arbeit liegt auch darin, einen Beitrag zu dieser in jngerer Zeit vermehrt aufkommenden Diskussion zu liefern. Ein eigenes Kapitel beschftigt sich deshalb mit der Darstellung der Verbindungslinie und ihrer Tradierung in der Heimatli-teratur und ihrer Dekonstruktion in der Anti-Heimatliteratur. Im textanalytischen Teil folgt die Spezifizierung dieser allgemeinen Einfhrung in Hinblick auf die Konzeption und Destruktion weiblicher ?Heimat? bei Herta Mller. Dabei wird insbesondere der Frage nach dem Beitrag, den die Frauenfiguren zum Erhalt dieser ?Heimat? und ihrer gesellschaftlichen Ordnung leisten, nachgegangen und wie Herta Mller diesen Beitrag thematisiert. Die Heimatliteratur, auf die sich Herta Mllers Anti-Heimat-Literatur kon-kret bezieht, ist jene des banat-schwbischen Raums. Exemplarisch werden deshalb Vergleiche zwischen den Werken des bekannten banat-schwbischen Heimatliteraten Adam Mller-Guttenbrunn und Herta Mllers angestellt. Dieser Vergleich fllt umso spannender aus, als hier die Sichtweisen und Schreibweisen nicht nur zweier LiteratIn-nen aufeinanderprallen, sondern auch zweier unterschiedlich sozialisierter Generationen und Geschlechter. Hier wird dem mnnlich sozialisierten und dominanten Blick des Heimatliteraten die kritische Sichtweise einer Autorin gegenbergestellt, welche die Machtverhltnisse innerhalb der Gesellschaft kritisch zu analysieren und subtil zu un-terminieren wei. Von ?Heimat? als mnnlicher Imagination zum Mythos ?Heimat? bei Herta Mller: Die Entwicklungslinie auch als ein Weiterschreiben innerhalb eines dy-namischen Diskurses zu betrachten, dieser Betrachtungsweise verschreibt sich vorlie-gende Arbeit.