/ Nicola Henikl
Wien : 2025
Masterarbeit
Betreut von: Pia Janke
Trotz berechtigter Kritik gilt Simone de Beauvoirs Werk „Das andere Geschlecht“, das im Jahre 1949 erschienen ist, als bahnbrechende Pionierleistung der Geschlechtertheorie und bietet aufgrund seines interdisziplinären Zugangs bis heute analytisches Potenzial. Indem Simone de Beauvoir nichts als gegeben hinnimmt, beginnt sie mit der Frage, was Frauen denn überhaupt sind und gelangt so zu den Mechanismen ihrer Unterdrückung im Patriarchat. Sie argumentiert, dass soziale Strukturen Frauen als das Nebensächliche des Mannes postulieren und sie in eine Rolle der Immanenz drängen. Ihr sozialkonstruktivistischer Ansatz ermöglicht es, ihre Theorie mit Märchen in Verbindung zu bringen. Nach Simone de Beauvoir lassen sich nämlich auch in Märchen traditionelle Rollenbilder und Geschlechterstereotypen auffinden, welche verstärkend auf das soziale Geflecht, in welchen das weibliche Geschlecht als subordiniert betrachtet wird, wirken. Diese Masterarbeit analysiert, wie sich de Beauvoirs geschlechtertheoretische Kategorien der Immanenz und Transzendenz in den Märchen „Dornröschen“, „Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich“, „Die zwölf Jäger“ und „König Drosselbart“ von den Brüdern Grimm manifestieren. Im Fokus stehen dabei die Körperdarstellung, die Verhandlung von Blickinteraktionen und die Handlungsmacht der Prinz*essinnen-Figuren. Die Untersuchung zeigt dadurch nicht nur die anhaltende Relevanz von de Beauvoirs Theorien für die heutige Forschung, sondern verdeutlicht auch deren Potenzial für die Analyse literarischer und kultureller Narrative.
