Vom Ende der Narration im Roman : Untersuchungen zu einem gattungspoetologischen Paradigma der Zwischenkriegszeit

/ Kai-Marcel Sicks

Wien : 2002

Diplomarbeit

Betreut von: Wynfrid Kriegleder

Die Arbeit geht vom Schlagwort ?Krise des Romans? in der Zwischenkriegszeit aus und interessiert sich fr die anti-narrative Position der Romankritik. An drei Autoren (Flake, Musil, Broch) wird innerhalb eines je engen Zeitraums ihre romantheoretische Position und die Konsequenz daraus in ihrem gleichzeitigen Roman untersucht. ?Otto Flake und das Projekt eines ?geistigen Romans?? gilt Flakes Romantheorie 1918 bis 1922, die als Teil eines Projekts gedeutet wird, das ?auf die berwindung der nihilistisch-relativistischen Krise des sptmodernen Menschen abzielt?. In Flakes Roman ?Die Stadt des Hirns? von 1919, der in die Gattungstradition des ?Romans des Diskurses? zu stellen ist, wird das Programm aber nur eingeschrnkt eingelst. Bei Musil entspringen die ?Vorbehalte gegen die Narration? einem generellen Ideologieverdacht gegen jeglichen Narrationsakt ? eine Linie zu Lyotards mtarcits wre hier zu ziehen; fr Musil ist Erzhlen gleichbedeutend mit ?weismachen? und ?schwindeln?. Der Mann ohne Eigenschaften lst die theoretischen Vorgaben ein. Fr Hermann Broch hat Kunst die ethische Funktion, Totalitt abzubilden, was in Zeiten des Wertezerfalls eine Spiegelung eben dieses Zerfalls bedinge. Narration hat damit ausgedient. Die sthetische Konsequenz ist Brochs Theorie des polyhistorischen Romans, die er in der Schlafwandler-Trilogie einlst. Fazit: Die Ablehnung des Erzhlens steht im Zusammenhang mit dem Projekt zur berwindung der ?als Krise gedeuteten relativistischen Konstellation? der Moderne, der Roman gilt ?nicht mehr als Gattung der Moderne, sondern als Gattung zur berwindung derselben?. Dieses utopische Programm war natrlich nicht einlsbar, weshalb die Autoren bald davon abrckten.