Spuren des Absurden in Gert Jonkes Romantrilogie

/ Wolfgang Bruckner

Wien : 2013

Diplomarbeit

Betreut von: Pia Janke

Das Wort absurd findet in der Alltagssprache einen zunehmend inflationren Gebrauch. Es bezeichnet dabei primr widersinnige, unlogische bzw. dem Menschenverstand widersprechende Begebenheiten oder Aussagen. Der Begriff des Absurden ist auerdem eng mit einer philosophischen Diskussion ber die Zwecke und den Sinn der menschlichen Existenz verbunden und bezeichnet dabei nach Albert Camus den Widerspruch zwischen dem fragenden, nach Sinn suchenden Menschen und der schweigenden Welt. Der Tod stellt sich dabei als die grte Absurditt der menschlichen Existenz heraus, da er alle Bemhungen des Menschen sein Leben mit Sinn zu fllen, hinfllig erscheinen lsst. Die Stcke des Theaters des Absurden gehen von dem Begriff des Absurden im Sinne Camus? aus. Im Gegensatz zur existentialistischen Literatur von Camus und Sartre, in er die Erfahrung des Absurden und der Umgang damit im Zentrum stehen, ist die absurde Welt in den Stcken des Theaters des Absurden immer schon Voraussetzung, auf dessen Folie sich die Lcherlichkeit und Sinnlosigkeit der Bestrebungen der Figuren zeigt, sich in der absurden Welt dennoch zurechtzufinden und einzurichten. Absurde Stcke brechen mit jeglicher Erwartungshaltung auf Seiten des Zusehers, wirken grotesk und verwehren sich vehement Deutungsversuchen. Genau wie auch absurde Prosa sollen sie dem Rezipienten die Absurditt seiner eigenen Existenz vermitteln. Die Einsicht in die Absurditt der eigenen Existenz, in das Schweigen der Welt, zieht eine Skepsis gegenber der Wirklichkeit, wie sie sich dem Menschen prsentiert, nach sich. Der primr sprachliche Bezug des Menschen zur Wirklichkeit entpuppt sich als konstruiert. Die Frage lautet, wie ein nicht vorhandener Bezug zur Wirklichkeit sprachlich erfolgen kann. Es ist daher der Versuch etwas auszudrcken, das gar nicht ausgedrckt werden kann. Hier setzt nun die Suche nach den Spuren des Absurden in Gert Jonkes als Romantrilogie zusammengefassten Werken Schule der Gelufigkeit, DER FERNE KLANG und Erwachen zum groen Schlafkrieg an. Die Frage nach der Wirklichkeit der Wirklichkeit kann als das groe Thema von Jonkes Texten verstanden werden. Die Spuren des Absurden in Gert Jonkes Romantrilogie lassen sich folgendermaen zusammenfassen: Die Figuren in der Romantrilogie haben keinen allgemein gltigen Bezug mehr zur Wirklichkeit. Alle Grenzen und Gegenstze wie Traum und Realitt oder Vergangenheit und Gegenwart lsen sich auf in eine undurchschaubare Wiederholung des Immergleichen. Jegliches Weltverstndnis basiert rein auf subjektiven oder gesellschaftlichen Konstruktionen. Der Mensch hat keinen Zugang zu der Welt und keinen Sinn in der Welt, seine Existenz ist absurd. Die in der Texten dargestellte Welt bietet den darin lebenden Personen keine Mglichkeit der Orientierung oder Sicherheit. Sie erinnern durch ihre lcherlichen Versuche, sich in dieser Welt dennoch einzurichten an die Figuren des Theaters des Absurden. Alle ihre Unternehmungen und Aussagen wirken auf den Leser irritierend und sinnlos. Die Romane brechen den Lektreerwartungen und dem Sinnanspruch des Lesers durch Verfahren, wie sie Sebastian Donat und Weertje Willms fr eine absurde Schreibweise beschreiben. Hervorzuheben sind dabei logische Inkohrenzen, wie der Widerspruch von zwei Prdikaten, oder das Brechen mit Ursache und Wirkung. Auch die wesentlichen Merkmale eines absurden Menschenbildes lassen sich in der Trilogie finden. Der fehlende Bezug zur Wirklichkeit fhrt zu stndigem Vergessen und dem Fehlen eines kollektiven Gedchtnisses. Der Erzhler und Protagonist der Trilogie entfremdet sich zusehends von sich selbst und verliert seine Identitt als Individuum.