Konstruktion und Performativität von Geschlecht in Grimms Märchen : Eine Analyse der Geschlechterdarstellung und -differenz­ierung

/ Julia Westhoff

Wien : 2025

Masterarbeit

Betreut von: Pia Janke

Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion und Performativität von Geschlecht in ausgewählten Märchen der Gebrüder Grimm aus einer dekonstruktivistischen Perspektive. Ausgehend von Theorien zur sozialen Konstruktion von Geschlecht wird analysiert, wie geschlechtliche Identität in den Märchentexten nicht als biologische Gegebenheit, sondern als kulturell hergestellte und wiederholt inszenierte Kategorie erscheint. Die Analyse bestätigt, dass Geschlecht in den Grimmschen Märchen durch performative Handlungen und stereotype Zuschreibungen konstruiert wird, diese Konstruktionen jedoch nicht durchgängig stabil bleiben. Die Arbeit zeigt auf, dass primär ,weiblich‘ markierte Figuren zwar überwiegend über Häuslichkeit, Fürsorglichkeit sowie Schönheit konstruiert werden und primär ,männlich‘ markierte Figuren durch Aktivität, Handlungsmacht und Intelligenz gekennzeichnet sind. Zugleich werden diese Normen aber immer wieder unterlaufen: Ambivalente Figuren, verschobene Handlungsmacht, Raumüberschreitungen und subversive Szenen offenbaren die Brüchigkeit der binären Geschlechterordnung. Diese Momente der Irritation erlauben es, Geschlecht jenseits der heteronormativen Ordnung zu denken.

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