K. K. und P. A. : eine Typologie

/ Simon Ganahl

Wien : 2012

Simon Ganahl

Dissertation

Betreut von: Roland Innerhofer

Die Dissertation "K. K. und P. A. Eine Typologie" erforscht die modernen Haltungen, die sich in den Texten "Dritte Walpurgisnacht" von Karl Kraus und "Prodromos" von Peter Altenberg ausdrcken. Im Anschluss an Foucaults Verfahren der Diskursanalyse und sein Konzept der Selbstpraxis wird die Frage untersucht, mit welchem Typus von Subjekt und Wahrheit die literarischen Werke jene Strukturen des Sagbaren aufbrechen, in denen sie historisch verankert sind. Das Ergebnis ist kein biografischer oder philologischer Vergleich, sondern der Erfahrungsbericht einer performativen Lektre, die den archologischen Schnitt und die genealogische Linie der Schriften nachvollzieht. Bei der "Dritten Walpurgisnacht" handelt es sich um den Versuch einer Urteilsbildung im Sinn der kantschen Erkenntnislehre: Was konnte man 1933 in Wien ber die nationalsozialistische Machtergreifung wahrnehmen, wenn man Zeitungen las, Radio hrte und ins Kino ging? Die Analysen der leitmotivischen Diskurse zur Schutzhaft, zur Zweiten Revolution und zum deutsch-sterreichischen Konflikt fhren den Hintergrund der Kritik von K. K. vor Augen, wonach die Massenmedien als Erweiterungen der Sinnesorgane die Vorstellungskraft zerstren. Im Fall von "Prodromos" bezieht sich die Archologie auf das Wissen der Lebensreform, der Hygiene, der Reklame und des Stummfilms, whrend die Genealogie an Kierkegaards Wahrheitsbegriff, Nietzsches Theatralisierung und die antike Ditetik anknpft. P. A. spiegelt den Markt der Existenzweisen, wie er im Jahr 1905 erscheint, ohne sich auf eine Identitt festzulegen: Sein Essayismus sucht jene Rollen, die das Leben strken, und findet berall Quellen der Lust. Ein abschlieender Dialog verdichtet die Haltungen der beiden Typen und vertraut den Lesern die ethische Aufgabe der Aktualisierung an.