Emanuel Schikaneder

/ Cornelius Mitterer

Wien : 2011

Cornelius Mitterer

Diplomarbeit

Betreut von: Johann Sonnleitner

Die vorliegende Diplomarbeit widmet sich Emanuel Schikaneder und setzt den Fokus auf seine Biographie und die Komdien. Bis heute standen diese stets im Schatten der Opernproduktionen, die meist auf Mozart und die Zauberflte zentrierten. Die Arbeit unterteilt sich in vier groe Kapitel: 1. Im ersten Kapitel wird der aktuelle Forschungsstand der Schikaneder-Biographie dargestellt und stellenweise ergnzt bzw. leicht korrigiert. Schikaneders Vita und sein knstlerisches Schaffen waren geprgt von den Vor- und Nachteilen des Wanderbhnenlebens im sddeutsch-sterreichischen Raum. Zu den Vorteilen lassen sich das immense Stcke-Repertoire zhlen, das sich Schikaneder wandernd aneignen und zunutze machen musste, um bestehen zu knnen, sowie der Kontakt mit den diversen Theatern und ihren Besuchern, die dem Dichter und Direktor einen profitablen Einblick in die Geschmackswelt des Publikums ermglichte. Negative Seiten waren die risikoreichen Produktionen, die ein festes Einkommen nicht garantierten, und die Kritik, die Schikaneder Trivialitt, provinzielle Derbheit und Effekthascherei vorwarf, bzw. ihn ignorierte. Vor allem sein bloes Wirken in Sddeutschland und sterreich reizte manche norddeutsche Literatur-Zeitung zu Spott, oder fhrte zu Desinteresse. 2. Im zweiten Hauptkapitel werden politische, gesellschaftliche, konomische und theatersthetische Einflussfaktoren auf Schikaneders Wirken dargelegt, um anschlieend eine bessere Einordnung seines Produktionshorizontes vollziehen zu knnen. Als Resultat wird festgehalten, dass sich Schikaneder in einer Schnittstelle der Epochen bewegte und Tendenzen von Aufklrung, Sturm und Drang sowie Romantik aufgriff und zu eigenstndigen Produkten weiterverarbeitete. Neben der franzsischen Revolution und den napoleonischen Kriegen, wirkte sich vor allem aber die Zensur in Wien auf seine knstlerische Freiheit aus. 3. Im dritten Kapitel werden drei exemplarische Komdien vorgestellt, in ihren literarischen Kontext eingebettet und analysiert. Auffllige Parallelen ergeben sich in der Musik, die jeweils von Bedeutung ist, und in der Darstellung der Dienerschaft und Handwerksleute, fr die Schikaneder ein groes Faible hatte. Eben jene wiederkehrenden Personen werden auch im anschlieenden Kapitel genauer untersucht. 4. Schikaneder griff Aspekte des Hanswurst und anderer Stegreiftypen auf, vernderte sie jedoch, bzw. splittete die ursprngliche Lustige Figur auf mehrere Personen auf. Gerade das Herr-Diener-Verhltnis und die Frau in Schikaneders Komdien weisen schematische und typenhafte Charakteristika auf. Zuletzt wird auf die Polaritt zwischen Stadt und Land in den Werken hingewiesen, durch deren Verarbeitung sich Schikaneder in die Tradition der Wiener Komdiendichter einreiht. Die Verwendung des Dialekts und einzelner stilisierter Fremdsprachen ist eine weitere Aufflligkeit in seinen Komdien. Anschlieend werden Tendenzen und Gegentendenzen zum Brgerlichen Rhrstck analysiert. Schikaneder lsst sich im Ergebnis keiner dieser Gattungen zuordnen, er vermischt sie mit anderen Einflssen und demonstriert seine Eigenstndigkeit, auf die bereits hingewiesen wurde. In der Schlussbemerkung werden Fragen und Theorien zu Schikaneders geringem Bekanntheitsgrad aufgerollt und offen andiskutiert. Eine konkrete Schlussfolgerung, warum etwa Raimund und Nestroy der Nachwelt sehr viel besser berliefert sind als Schikaneder, lsst sich jedoch nicht erzielen.