Die literarische Konzeption des Klosterinternats in Werken von Barbara Frischmuth, Michael Köhlmeier und Joseph Zoderer : zu grundlegenden gesellschaftlichen, soziokulturellen und christlichen Traditionen und Modellen

/ Eva-Maria Lämmerhirt

Wien : 2011

Diplomarbeit

Betreut von: Pia Janke

Ausgehend von der These, dass Institutionen wie Schulen oder Internate eine Mikroversion der Gesellschaft darstellen und somit Schul- und Internatstexte nicht nur individuelle Einzelschicksale schildern, sondern immer auch den gesellschaftlich-kulturellen Entwicklungen ihrer Zeit folgen, war es Ziel der vorliegenden Arbeit zu untersuchen, welche mglichen Modelle, Traditionen und Prinzipien dem Erziehungskonzept katholischer Internatsschulen vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil zu Grunde liegen und welche Spuren sie in der Literatur hinterlassen. Dabei wurde deutlich, dass sich gerade in sterreich, wo gesellschaftliche Konventionen, Politik und Katholizismus ber Jahrhunderte hinweg eng miteinander verbunden waren, das Genre der Literatur ber Klosterinternate, whrend einer Periode Ende der 1960er bis Ende der 1980er Jahre groer Beliebtheit erfreute. Das Modell der katholischen Klosterinternate, mit ihren streng-religisen Wert-, Disziplin- und Moralvorstellungen stellte dabei fr eine junge Schriftstellergeneration ideale Vorbilder dar, um die Methoden und Wirkungsweisen indoktrinierender, manipulierender und absolut-hierarchischer Systeme eindrcklich darzustellen. In einem umfangreichen analytischen Teil, wurden im Rahmen der vorliegenden Arbeit drei ausgewhlte Werke dieser Zeit auf charakteristische Merkmale und Gemeinsamkeiten untersucht, miteinander verglichen und weiterfhrende Schlsse gezogen. Neben zahlreichen Charakteristika, wie sie von Erving Goffman als typische Kennzeichen totaler Institutionen definiert wurden, dienten dabei vor allem Michel Foucaults Analysen zu Phnomenen der Macht als Grundlage fr das Exzerpieren mglicher gesellschaftlich-kultureller Einflsse auf die Darstellung von Klosterinternaten in der Literatur.