/ Lydia Rammerstorfer
Wien : 2024
Dissertation
Betreut von: Norbert Christian Wolf
Schillers literarisches Journal 'Die Horen' (1795 bis 1797) ist nur scheinbar gut erforscht. Das verwundert angesichts der bekannten Mitarbeiter. Gerade deren Teilnahme hat diesen Umstand jedoch bedingt: Die bisher überhaupt einzige Monographie (Günter Schulz 1960) hat sich, ebenso wie einschlägige Aufsätze, auf einige wenige Texte dieser heute kanonischen Autoren konzentriert und sie primär aus autor- und werkzentrierter Perspektive bearbeitet, mit zweierlei Folgen: Zum einen wurden die Jahrgänge 1796 und 1797 bislang nicht systematisch untersucht. Zum anderen wurde der Publikationskontext 'Journal' ausgeklammert. So hat man die Bedeutung der medialen Präsentation für die Funktion und Wirkungsweise der Texte bislang ebenso wenig untersucht wie nicht-literarische Journalelemente in die Bearbeitung mit-einbezogen; ein Desiderat, das vor dem Hintergrund der neueren Erkenntnisse der Journalforschung dringend korrekturbedürftig ist. Das Forschungsvorhaben untersucht die 'Die Horen' nun erstmals als Ganzes. Durch einen multiperspektivischen Ansatz und auf Basis vielfältiger Quellen werden ästhetische und publizistische Phänomene gleichermaßen in den Blick genommen und im zeitgenössischen Feld verortet. So soll eine 'andere' Geschichte der 'Horen' erzählt werden; die Geschichte eines vitalen, vielfältigen und über drei Jahre hinweg erfolgreichen Journals, und zugleich die Geschichte eines Herausgebers, der ebenso Idealist wie zugleich pragmatischer Realist war. Die methodische Innovativität des Projektes besteht zum einen in der literatursoziologischen Betrachtung des Journals. Auf Basis der Feldtheorie von Pierre Bourdieu kann die Bedeutung der 'Horen' für die Etablierung von Normen moderner (autonomer) Autorschaft bzw. für die Konfiguration eines modernen Buchmarktes gezeigt werden. Zum anderen leistet die Arbeit als Fallstudie einen Beitrag zur praktischen Erprobung der Konzepte jüngerer Journalforschung. Zusammenfassend: Die Arbeit soll eine Grundlage zur Auseinandersetzung mit diesem so zentralen Journal des deutschen 18. Jahrhunderts liefern und durch die methodisch innovative Bearbeitung neue Perspektiven auf das nur scheinbar gut erforschte Periodikum - und damit auf die (Ästhetik der) Weimarer Klassik - werfen.