Der Eroberer von Paul Weidmann : Struktur und parodistische Elemente

/ Lucia Kühschelm

Wien : 2002

Diplomarbeit

Betreut von: Wynfrid Kriegleder

Die Arbeit untersucht den Eroberer von Paul Weidmann, einen 1786 erstmals verffentlichten Text, der die Literaturwissenschaft wegen seiner merkwrdigen Form immer wieder vor Rtsel stellt. Klar ist zumindest, dass der Eroberer im Kontext der Literatur des Josephinismus zu sehen ist und eine scharfe Abrechnung mit dem System des aufgeklrten Absolutismus darstellt und dass er zu diesem Zweck Texte unterschiedlichster Gattungsprovenienz montiert. Die Untersuchung interessiert sich in erster Linie fr die Form des Eroberers. Eine ?Strukturuntersuchung? erlutert unter Rckgriff auf Zedler, Adelung und die Forschungsliteratur Weidmanns eigene Gattungsbestimmungen (?Phantasie? u. ?Kaprizze?), beschreibt den Aufbau, fragt nach dem Zusammenhang von Form und Inhalt und gruppiert die vielen einzelnen Texte unter verschiedenen Gesichtspunkten. (z. B. nach der Form: episch, lyrisch etc.; nach dem Verf.: ungenannt, als Figur erschliebar, als Figur genannt; nach dem krit. Potential.) Es folgen berlegungen zur literarhistorischen Verortung des Eroberers. Das Kapitel, ?Formen parodistischer Literaturverwendung? liefert eine Definition von ?Parodie? und untersucht dann einzelne als Parodien zu verstehende Textpassagen, wobei davon auszugehen ist, dass nicht konkrete Texte, sondern Textsorten/Gattungen parodiert werden. Gem der zeitgenssischen Gattungsdefinitionen (Gewhrsleute sind Gottsched und Sulzer) wird unterschieden zwischen einer deutlich parodistischen Gattungsverwendung (hier wendet sich die Parodie z. T. auch gegen die Vorlage, z. B. den Bardiet, das Zeitungsblatt, aber auch detailliert nachgewiesene und erluterte Shakespeare-Parodien sowie die biblische Schreibart), Texten mit parodistischen Tendenzen (wobei die Parodie nur eines von mehreren Elementen ist, die Parodiesignale schwcher sind) und schlielich Beispiele fr affirmative Imitation (die dogmat. Poesie, d. h. das Lehrgedicht und die Epopoe).