/ Judit Gebetsberger
Wien : 2024
Masterarbeit
Betreut von: Pia Janke
In der vorliegenden Masterarbeit wird dem Problem der Darstellung von transgenerationa-lem Trauma in zwei ausgewählten Romanen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur – Kim de l’Horizons Blutbuch und Hanns-Josef Ortheils Die Erfindung des Lebens – nachge-gangen. Da Trauma in der Forschung häufig als ein Phänomen beschrieben wird, das sprach-lich nicht oder nur schwer fassbar ist, wurde aufbauend auf Anne Whiteheads Werk Trauma Fiction die These aufgestellt, dass in beiden Romanen Mittel wie die Intertextualität (bzw. weiter gefasst auch die Intermedialität), das Verfahren der Wiederholung und eine zerstreute bzw. fragmentierte Erzählstimme zum Einsatz kommen, um der Schwierigkeit der Repräsen-tation literarischen Ausdruck zu verleihen. Zudem wird – da die Protagonist*innen in beiden Werken innerfiktionale Autor*innen des vorliegenden Textes sind – der Frage nachgegangen, inwiefern das Schreiben für diese einen distanzierenden und heilsamen Prozess darstellt, da das Erzählen traumatischer Erfahrungen in der Forschung oft in diesem Sinne beschrieben wird, und welche Rolle die Fiktion in diesem Zusammenhang spielt. Die Analyse führte zu dem Ergebnis, dass tatsächlich jeweils alle drei Untersuchungskategorien dazu genutzt wur-den, Probleme des Ausdruckfindens auf formaler Ebene darzustellen, auch wenn dies zum Teil auf unterschiedliche Weise geschieht. Ebenso wurde beobachtet, dass das Schreiben – im Gegensatz zum Sprechen – für beide Figuren eine Möglichkeit darstellt, sich auf eine paradoxe Art, die Distanz und Nähe vereint, ihrer Vergangenheit sprachlich anzunähern, wo-bei Ortheils Roman stark auf Ordnung und Sinnstiftung setzt, während gerade die Bruch-stückhaftigkeit des Textes das Blutbuch ausmacht. Diese Abweichungen wurden interpretativ nicht nur auf individuelle Gründe, sondern auch auf die unterschiedliche Natur der traumati-schen Erfahrungen der Protagonist*innen zurückgeführt.