Autorenschaft in postdramatischer Drameninszenierung : am Beispiel von Christoph Marthalers „Goethes Faust / 1+2“

/ Konstantin Küspert

Wien : 2010

Diplomarbeit

Betreut von: Pia Janke

Die Arbeit versucht am Beispiel einer bestimmten Inszenierung aus dem Jahr 1993, Goethes Faust ?1+2, das offensichtliche Spannungsverhltnis zwischen dem Begriff des postdramati-schen Theaters und dem knstlerischen Schaffensprozess an klassischen Dramentexten durch gemeinhin dieser Strmung zugerechneten Theatermachern zu beleuchten. Im Detail wird darauf eingegangen, welche Autorenkrperschaften an der Genese der fertigen Inszenierung beteiligt sind, von der Vorlage ber die Inszenierung bis zur Rezeption. Zu diesem Zweck wird im Theorieteil der Arbeit der Dramenbegriff ebenso analysiert wie die semiotischen Strukturen, die im literarischen Text des Dramas wie im theatralischen Text der Inszenierung zum Tragen kommen; auerdem wird der Transformationsvorgang ? der der Inszenierung zugrunde liegende ?bersetzungsvorgang? ? anhand wesentlicher Merkmale betrachtet. Wei-terhin werden die spezifisch einzigartigen Eigenschaften des postdramatischen Theaters im Hinblick auf ihren semantisch-semiotischen Gehalt beleuchtet, sowie textuell-sprachliche und sonstige Spezifika dargelegt. Im weiteren Verlauf wird besagte Inszenierung detailliert analysiert und mit der Vorlage Goe-thes verglichen, um Charakteristika im Umgang mit den Figuren und der chronologischen Kontinuitt aufzuzeigen. Ferner wird der in der Inszenierung verwendete Fremdtext betrach-tet, und in Bezug auf Herkunft, Einsatz und Bedeutung im Kontext der Inszenierung beleuch-tet. Auerdem wird auf die spezifische Rolle dieses Dramas im deutschsprachigen Literatur-kanon eingegangen, und die Auswirkungen auf die Inszenierung betrachtet. Schlielich wird auf die Funktion des Rezipienten allgemein eingegangen, dessen ?Mitarbeit? in postdramatischen Theaterarbeiten deutlich mehr gefordert wird als in historisch-tradierten Inszenierungen. Weiterhin wird versucht, anhand von ausgewhlten Stellen der Inszenierung aufzuzeigen, wie eine solche Mitarbeit des Rezipienten aussehen kann und in wieweit dieser so selbst zum Autor wird.