Anton Bettelheim und Helene Bettelheim-Gabillon und das literarische Leben ihrer Zeit

/ Herbert Schrittesser

Wien : 2013

Dissertation

Betreut von: Herbert Zeman

Anton Bettelheim und Helene Bettelheim - Gabillon gehrten zu den zentralen Persnlichkeiten des kulturellen und vor allem auch des literarischen Lebens im Wien der Jahrhundertwende. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, sowohl den biographischen Hintergrund, als auch die Verbindung Anton Bettelheims und seiner Frau Helene Bettelheim ? Gabillon zu wichtigen Persnlichkeiten des Geistes- und Kulturlebens des ausgehenden 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts darzustellen. Insbesondere soll dabei auf Anton Bettelheims Rolle als Biograph dieser Persnlichkeiten eingegangen werden. Des weiteren soll aber auch die gesellschaftliche Rolle und die Bedeutung des Bildungs? und Grobrgertums aufgezeigt werden, dem Anton Bettelheim nicht zuletzt durch die Heirat seiner Schwester Karoline mit dem aus einer Brnner Industriellen- und Bankiersfamilie stammenden Julius Ritter von Gomperz angehrte. Geprgt war Anton Bettelheims Leben und Werk durch seine jdische Abstammung, aber auch durch seinen Willen, sich in die deutsch-stmmige Gesellschaft der Habsburgermonarchie zu assimilieren, in dieser aufzugehen, sein Judentum abzustreifen, ohne dabei jedoch den Glauben seiner Vter aufgeben zu mssen. So wie er sich aber dem deutschen Kulturkreis zugehrig fhlte, so sah er sich als sterreicher. Hier lag seine engere Heimat. Aus dieser Verbundenheit resultierte auch sein Eintreten fr die Volksstcke Ludwig Anzengrubers, dessen Frderung sich Anton Bettelheim auf die Fahnen geschrieben hatte. Zeugnis von der tiefen Verehrung geben die Briefe Bettelheims an den Dichter und nicht zuletzt auch seine Biographie Ludwig Anzengrubers. Es war auch Bettelheims Bestrebung die Grndung eines Theaters in Wien voranzutreiben, welches, als eine Art ?Burgtheater fr das Volk?, dem Volksstck eine Heimsttte bieten sollte. Dieses Ziel verfolgte er auch als Feuilletonist der Presse und spterhin der Neuen freien Presse und der Deutschen Zeitung. Die fr seine Arbeit wesentlichen Verbindungen unterhielt er zu den Autoren des sterreichischen Realismus ? zu den Vertreten des Volksstckes und der realistischen Erzhlung. Jenen, die Landschaft und Menschen ihrer unmittelbaren Heimat ins Zentrum ihrer Werke stellen. Zentrale Gestalt war der bereits erwhnte Ludwig Anzengruber, wichtig seine Freundschaft zu Peter Rosegger. Er gehrte zu den Bewunderern Ferdinand von Saars, den er bereits in jungen Jahren im Hause der Schwester seines Schwagers, Josephine von Wertheimstein, kennen gelernt hatte. Seine Verehrung fr Marie von Eber Eschenbach zeigt Zge der Ikonisierung. Ihnen allen ? mit Ausnahme von Peter Roseggers, der selbst mit autobiographischen Schriften an die ffentlichkeit getreten war - widmete er Lebensbeschreibungen, die auch unter Wissenschaftlern seiner Zeit Beachtung fanden. So zhlte er auch den Prager Universittsprofessor August Sauer und den an der Wiener Universitt lehrenden Jakob Minor, fr dessen Saar Gesamtausgabe er die Biographie des Dichters beisteuerte, zu seinem engeren Bekanntenkreis. Mit diesen beiden Wissenschaftlern, wie auch mit dem Direktor der Wiener Stadt- und Landesbibliothek Karl Golssy, wirkte er federfhrend im Wiener literarischen Verein. Nicht radikale Erneuerung war fr ihn die Aufgabe der Literatur, nicht Darstellung des Lebens in seiner hsslichen Form, sondern die berlieferung von Werten, das Aufzeigen positiver Mglichkeiten Konflikte zu lsen. Neues sollte auf tradierten Werten aufbauen und sich daraus entwickeln. Nicht ganz zu unrecht wurde ihm daher immer wieder der Vorwurf gemacht, an bereits berkommenen Formen, wie gerade dem Volksstck, festzuhalten. In jedem Fall ist es erklrtes Ziel seiner Arbeit, das Leben ?fhrender Geister?, vornehmlich jenes von Schriftstellern, die in seinen Augen nachhaltiges fr die Geisteswissenschaft geleistet haben, der Nachwelt zu berliefern, zu konservieren. Dies verfolgt er vor allem mit seinen biographischen Sammelwerken. Er frnt hierbei einem Heroenkult und sieht, wie schon die Titel zeigen, diese Vordenker weniger als Genies, die in der Studierstube sitzen, sondern viel mehr als Feldherren des Geistes, die die Menschheit bessern und belehren sollen. Mit seiner, auch das kleinste Detail nicht auer acht lassenden Quellenforschung, der Einbeziehung des sozialen Umfeldes, der Herkunft, mit seiner Konzentration auf das Individuelle, wirkt Anton Bettelheim auch fr zuknftige biographische Forschung richtungweisend. Allein fr seine biographischen Sammelwerke die er ins Leben ruft, suchte er unermdlich Kontakte zu Persnlichkeiten seiner Zeit. Entsprechend umfangreich auch sein Briefnachlass, der jedoch entgegen seiner Absicht als auch der Intention seiner Frau nach deren Tod, bedingt durch die NS ? Herrschaft, der die Kinder des Ehepaares zum Opfer fielen, verstreut wurde. Dementsprechend wird im Anhang der Arbeit versucht, einen, wenn auch mit grter Sicherheit nicht wirklich vollstndigen, berblick ber die in verschiedenen Archiven vorhandenen Briefe von und an Anton und Helene Bettelheim zu geben.