Projektleitung: Pascal Zambito
Projektlaufzeit: Jänner 2020 – Dezember 2021
Fördergeber:
Alexander von Humboldt-Stiftung
Das Projekt befasst sich mit der Rolle formaler Systeme in den Werken dreier Denker der Peripherie des Wiener Kreises. Das Ziel ist es, Wittgensteins Diktum „Philosophie dürfte man eigentlich nur dichten“ zu verstehen, ohne dabei die literarischen gegen die logischen Aspekte seines Werks auszuspielen. Ausgangspunkt ist die Wittgenstein und dem logischen Positivismus gemeinsame Beschreibung des Denkens in sinnstiftenden Systemen und ein Begriff von Sprache als sinnstiftendes System. Anders als im Wiener Kreis vertreten, scheinen künstlerische und ethische Fragestellungen aber nicht zwingend davon ausgeschlossen zu sein. Ein System legt eine Darstellungsweise fest, eine Form. Das prägnante Einnehmen einer solchen Perspektive ist, ebenso wie das Entwickeln neuer Formen, eine genuin dichterische Aufgabe. Vertraut mit den wissenschaftlichen und philosophischen Erkenntnissen ihrer Zeit, zogen Robert Musil und Hermann Broch in ihren großen Romanen ähnliche Schlüsse. Kulturelle Räume, die Möglichen konstituieren, aber auch einschränken, werden in den essayistischen Passagen ihrer Texte reflektiert und in den Weltbildern ihrer Protagonisten illustriert. Auch wenn biographische Schnittpunkte naheliegen, ist das eigentliche Ziel des Projektes, ein ideen- und zeitgeschichtliches Problem in den Blick zu rücken, das im Wien der späten 1920er Jahre aufkam und aus dem man, so die Arbeitshypothese, etwas für die 20er Jahre dieses Jahrhunderts lernen kann.