Vorlesungs­verzeichnis

Mediengenerationen. Zeitgenossenschaften von Menschen und Maschinen

420004 SE 2022W

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Vortragende der Germanistik:

Beginn: Di.: wtl. 11.10.2022 bis 31.01.2023; Uhrzeit: 18.30-20.00 Uhr; Ort: Insitut für Germanistik, Hauptgebäude, Seminarraum 1

 

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

In ‚transhumanistischer‘ Perspektive bestehen moderne Gesellschaften nicht nur aus Lebewesen, sondern ebenso aus einer Vielzahl von Apparaten. Als Konnektoren des Sozialen haben diese oft elementaren Anteil an Gruppen- und Entwicklungsdynamiken, weshalb sich zuweilen ganze Alterskohorten durch ihren eigentümlichen ‚Mediengebrauch‘ als bestimmte Generationen definieren und distinguieren. Doch zeugen sich nicht nur Menschen, sondern auch Maschinen im Takt von Generationen fort. Der Begriff der ‚Mediengeneration‘ verweist daher in seinem Doppelsinn auf ein komplexes Zusammenspiel von Technik- und Sozialgeschichte, von maschineller und menschlicher Evolution: Während mancher Gerätetyp durch ein generationenspezifisches Bedürfnis geradezu ins Leben gerufen worden scheint, vermag es umgekehrt eine spezifische Technik und Technologie, den Stil, den Habitus und das Selbstverständnis eines ganzen Jahrgangs zu prägen. Steigen wie heute neue Geräte-Generationen (wie etwa die des iPhone) zu Leitmedien sozialer Kommunikation auf und avancieren ihre user dabei zu role models dessen, was eine ganze Altersgruppe von digital natives sein und werden soll, dann sind hier social media im wahrsten Sinn des Worts am Werk. „Mediengeneration“ meint dann auch buchstäblich: die mediale Zeugung und Erzeugung menschlicher Gesellschaft.

Durch Verbindung der Akteur-Netzwerk-Theorie mit dem vielschichtigen Konzept der ‚Generation‘ soll das Seminar an einer historischen Medienanthropologie arbeiten, die sozial- und technikgeschichtliche Perspektiven zusammenführt. Flankiert durch theoretische Entwürfe von Benjamin bis Latour und ausgehend von literarischen Texten, Filmen und TV-serials, widmet sich das Seminar unterschiedlichen Konstellationen der ‚Mediengeneration‘. Historisch reicht deren Bogen von der Geburt einer neuen Generation durch die reformpädagogische Alphabetisierung um 1800, wie sie in Entwicklungsromanen und Bildungssatiren etwa bei Moritz und Jean Paul geschildert wird, bis hin zu posthumanistischen Szenarien v.a. medialer Generationenkonflikte in der Science Fiction um 2000, etwa in James Camerons Filmsequel Terminator I & II. Weitere Schwerpunkte sind etwa Medien der Erinnerung, die das ‚kollektive Gedächtnis‘ oder die Nostalgie einer ganzen Generation tragen können (etwa die Fotos und Dias in der TV-Serie Mad Men, die ihrerseits als ein Musterbeispiel von generational seriality gilt); oder medial bedingte Generationenbrüche und -konflikte, einerseits ausgehend von der kulturpessimistischen Medienkritik ‚älterer‘ Generationen (prominent etwa bei Günther Anders), zum anderen mit Blick auf die emphatische Hinwendung ‚jüngerer‘ Generationen zu neuen Medien (exemplarisch in Pop-Romanen oder der Internet-Literatur).

Das Seminar ist forschungsorientiert angelegt. Doch bietet es den TeilnehmerInnen auch Gelegenheit zur Präsentation ihrer Dissertationsprojekte, ganz gleich, ob diese innerhalb oder auch abseits des skizzierten Themenhorizonts liegen.

 

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

- Impulsreferat und Teilnahme in Expertengruppe mit Diskussionsleitung

 

Literatur

vgl. Seminarprogramm

 

Prüfungsstoff

vgl. Seminarplan

 

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

- regelmäßige und aktive Teilnahme
- Lektüre und Vorbereitung entsprechend des Arbeitsplans