Vorlesungs­verzeichnis

Einführung in Theorie und Methode der Gender Studies

240112 VO 2024S

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Moodle

Nächster Termin

Montag, 24.06.2024 00:00-00:00

 

Die Vorlesung ist teilgeblockt - zweiwöchig und je dreistündig - und besteht je aus einem Input (Handout und Impulsvortrag) und einem interaktiven Teil (studentische Selbstorganisation, Lesegruppen, Diskussionsrunden zu Theorien und Methoden und deren Anwendungsfelder). Die Lv ist nicht prüfungsimmanent, das heisst, dass Sie auch ohne Teilnahme im Lehrsaal durch das selbstgesteuerte Eigenstudium (siehe alle Themenblöcke und Unterlagen sowie Arbeitsaufgaben auf Moodle) zur Prüfung angemeldet und benotet werden können. Die Teilnahme im Hörsaal ist dennoch mit hohem Mehrwert verbunden, da Sie untereinander debattieren, mit mir vertiefende oder kritische Aspekte aktueller Art jederzeit einbringen, und weil es m.E. zentral ist, kollektive Verfahren und kommunikative Räume an der Uni verstärkt anzubieten, insbesondere bei den Gender Studies. Bitte lesen Sie daher die Informationen zur Lv durch bevor Sie an mich Emails schreiben (siehe unten zu Inhalte, Ziele, Methoden etc.). Zu Ihrer Info vorab: ich bin zwischen 14.2. und 5.3. offline und kann meine Emails nicht abrufen. Für studienbezogene organisatorische Fragen ist dorith.weber@univie.ac.at Ihre Ansprechperson, ich bin als externe Lektorin für den Inhalt der Lehre und die Prüfung/Benotung verantwortlich. Weiters empfehle ich allen potentiell Interessierten am ersten Termin f2f teilzunehmen, da die meisten Fragen viele im Raum interessieren, die dadurch für viele vor Ort zu klären sind und nicht via Einzelsetting in Dauerwiederholungsschleife....

 

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Einführend werden wissenschaftstheoretische Diskurse und ihre damit verbundenen Problemfokussierungen in feministischen und genderspezifischen Kontexten erläutert. Die zentrale Frage dabei ist, welche theoretischen Ansätze welche Annahmen und Phänomene ein- oder ausschließen. Dabei werden feministische Theorietraditionen, deren VertreterInnen und klassische Texte des Gleichheits-, Differenz- und Dekonstruktions-Feminismus vorgestellt und gemeinsam diskutiert. Die Entstehung der Gender Studies soll dabei in ihrer historischen Perspektive erläutert, aber auch kritisch kontextualisiert werden.
Die Lv stellt neben dem Theoriediskurs auch anhand von ausgewählten Studien die Vielfalt genderspezifischer Methodologie vor, die sich vor allem an qualitativen Forschungsparadigmen orientiert: die Methoden Erinnerungsarbeit sowie qualitative Interviewarten (narrative sowie problemfokussierte und Tiefen-Interviews) und Gruppendiskussionsverfahren werden von den Studierenden selbst ausprobiert und deren Anwendungsbereiche diskutiert. Nicht eine Methode und eine "Theorieschule" als Selbstzweck oder "Trend", der sich in einer wissenschaftlichen Community als intellektueller 'Geschmack' (Bourideu) entwickelt, soll hier beworben werden, sondern die strukturelle Bezogenheit von Thema, Blickwinkel, Problemdefinition und forschungsleitenden Annahmen bzw. Standortgebundenheit der Forschenden steht im Zentrum der LV. Damit ist eine historische Dynamik wie auch eine interdisziplinäre Betrachtung von Makrotheorien, Theorien mittlerer Reichweite und methodischer Implementierung eingeschlossen.
Folgende Themenfelder werden erarbeitet: Von der feministischen zur Geschlechterforschung und deren historischen Implikationen (Vorwissen und Verschränkung von Rechts-Geschichte und Theorieparadigmen, Philosophie als Kanonbildung bzw. Widerstandspraktik/en) für den politischen, ökonomischen, gesellschaftlichen, kulturellen, symbolischen sowie alltagsrelevanten bzw. subjektivistischen Diskurs. Von der Frauenforschung zur feministischen Wissenschaft hin zur Ausdifferenzierung des Geschlechterdiskurses: Genese der Männerforschung, Ansätze der Queer Theory und der Kritik an der Heteronormativität, aktuelle Konzepte der Postcolonial Studies, sowie die Komplexität des Gender-Diskurses im Rahmen der Intersektionalität. Dabei werden die Zusammenhänge von Theorieansätzen, Wissensfeldern, 'Modeströmungen' und forschungs-ökonomischen Bedingungen erläutert (Stichworte: Mainstream/Malestream, Subkultur in den Wissenschaften).

Informationen zu den öffentlichen Vorträgen: https://gender.univie.ac.at/veranstaltungen/ringvorlesung-gender-studies/kulturelle-pluralitaet-in-feminismus-sichtbar-machen-sose-2024/abstracts-der-vortraege/

 

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Lesen von und Arbeit mit Schlüsseltexten, Erstellung eines Forschungstagebuches (optional) zur eigenen Wissens- und Reflexionsvertiefung, Teilnahme an Gruppendiskussionen, schriftliche Klausur am letzten Blocktermin sowie weitere drei Termine zur Auswahl. Wenn Sie lieber eine mündliche Prüfung machen wollen, mailen Sie mir Bitte 1 Woche vor den jeweiligen Prüfungsterminen, damit ich planen kann.

 

Literatur

Auszug (siehe Handout 1 ff auf Moodle):
Adichie Ngozi, Chimamanda (2014): We Should All Be Feminists. Random House, New York.
Althoff, Martina/Bereswill, Mechthild, Riegraf, Birgit (Hg.) (2001): Feministische Methodologien und Methoden. Traditionen, Konzepte, Erörterungen, Leske + Budrich, Opladen.
Ayaß, Ruth: Gender Studies, in: Ayaß, Ruth/Bergmann, Jörg (Hg.) (2006): Qualitative Methoden der Medienforschung, Rowohlts Enzyklopädie, Hamburg, S.406-422.
Bayes, Jane/Tohidi, Nayereh (eds.) (2001): Globalization, Gender and Religion. The Politics of Women’s Rights in Catholic and Muslim Contexts, Palgrave, New York.
Becker-Schmidt, Regina/Knapp, Gudrun-Axeli (2000): Feministische Theorien zur Einführung. Junius, Hamburg.
Beauvoir, Simone de , (1994 [1949]): Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau. Rowohlt. Hamburg.
Bednarz-Braun, Iris/Heß-Meining, Ulrike (Hg.) (2004): Migration, Ethnie und Geschlecht. Theorieansätze – Forschungsstand – Forschungsperspektiven. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden.
Benhabib, Seyla (2007): Zwielicht der Souveränität oder kosmopolitische Normen?, in: Beck, Ulrich (Hg.): Generation Global, ein Crashkurs, Suhrkamp, Frankfurt am Main, S 167-186.
Benjamin, Jessica (1993): Die Fesseln der Liebe. Psychoanalyse, Feminismus und das Problem der Macht. Fischer Verlag, Frankfurt am Main.
Biron, Bettina et al. (Hg.) (2019): Frauen. Medien. Krieg. Lit Verlag, Wien/Zürich.
Bourdieu, Pierre (2005 [1998 Paris]): Die männliche Herrschaft. Suhrkamp, Frankfurt am Main.
Braun, Christina von/Stephan, Inge (Hg.)(2000): Gender Studies, eine Einführung. Verlag J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar.
Brunner, Claudia (2020): Epistemische Gewalt. Wissen und Herrschaft in der kolonialen Moderne. Transcript, Bielefeld.
Butler, Judith (1991): Das Unbehagen der Geschlechter. Edition Suhrkamp, Frankfurt am Main.
Connell, Robert (1987): Gender and Power. Society, the Person and Sexual Politics, Oxford.
Connell, Robert (1999): Der gemachte Mann. Konstruktion und Krise von Männlichkeiten, Westdeutscher Verlag, Opladen.
Connell, Raewyn W. (2005): Masculinities. Polity Press, Cambridge.
Czollek, Leah Carola/Perko, Gudrun/Weinbach, Heike (Hg.) (2009): Lehrbuch Gender und Queer. Grundlagen, Methoden und Praxisfelder, Juventa Verlag, Weinheim und München.
Davis, Angela Y. (1983): Women, Race & Class. Vintage Books/Random House, New York.
Degele, Nina (2008): Gender / Queer Studies. Eine Einführung, UTB, Weinheim.
de Gouges, Olympe (1791): Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin:
http://olympe-de-gouges.info/frauenrechte/#rechte (Frysak 2014)
do Mar Castro Varela, Maria/Dhawan, Nikita (2003): Postkolonialer Feminismus und die Kunst der Selbstkritik, in: Steyerl, Hito/Gutierrez Rodriguez, Encarnacion (Hg.): Spricht die Subalterne deutsch? Migration und postkoloniale Kritik. Verlag Unrast, München, S 270-290
Eder, Franz X. (2009): Kultur der Begierde. Eine Geschichte der Sexualität. C.H. Beck, München.
Federici, Silvia (2020): Caliban und die Hexe. Frauen, Körper und die ursprüngliche Akkumulation. 8. Auflage, Mandelbaum Verlag/Kritik & Utopie, Wien und Berlin.
Fraser, Nancy (Hg.) (1994): Widerspenstige Praktiken. Macht, Diskus, Geschlecht. Gender Studies, Edition Suhrkamp, Frankfurt am Main.
Flick, Uwe/Kardorff, Ernst von/Steinke, Ines (Hg.) (2000): Qualitative Forschung. Ein Handbuch, Rowohlt, Hamburg.
Gildemeister, Regine (2000): Geschlechterforschung (Gender Studies), in: Flick, Uwe/Kardorff, Ernst von/Steinke, Ines (Hg.): Qualitative Forschung. Ein Handbuch. Rowohlts Enzyklopädie, Hamburg, S 213-223.
Graneß, Anke/Kopf, Martina/Kraus, Magdalena (Hg.) (2019): Feministische Theorie aus Afrika, Asien und Lateinamerika, UTB, Wien.
Grzinic, Marina/Reitsamer, Rosa (Hg.) (2011: New Feminism. Worlds of Feminism, Queer and Networking Conditions, Löcker Verlag, Wien.
Gruber, Andrea (2018): Intergeschlechtlichkeit und Gewalt, in: Arzt, Silvia/Brunnauer, Dornelia/Schartner, Bianca (Hg.): Sexualität, Macht und Gewalt.

 

Prüfungsstoff

Der Prüfungsstoff umfasst sämtliche Inhalte der paradigmatischen Strömungen, die in der Lv durchgenommen wurden. Bildung von Lesegruppen zu Schlüsseltexten (Listen A bis D), Verfassen eines Textes zur Erinnerungsarbeit (F.Haug); Teilnahme an Kleingruppendiskussionen zu Methodenfragen (M.Mies, U.Müller), zu historischen Aspekten des Gleichheitsdiskurses (Olympe de Goughes: Die Rechte der Frau und Bürgerin/1791);
Verfassen eines Lesetagesbuchs (optional) zur Vorbereitung der Klausur (am Ende des Semesters); Klausurstoff: sämtliche Handouts (Moodle) und Pflichtlektüre zu den einzelnen Paradigmen - Gleichheit, Differenz, Dekonstruktion, Critical Men Studies versus Maskulinismus; Queer Studies und Postcolonial Studies und intersektionale Feminismen, die in jeweiligen Mooodle Blocktermin aufgelistet sind. Das sind teilweise kurze leicht zu lesende Texte und teilweise aber auch Monographien, die exemplarisch gelesen werden sollen (Kapitelabschnitte), siehe Moodle Kurs.

 

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Selbständiges Denken, Zusammenhänge herstellen, inter- und transdisziplinäre Kontextualisierung von Genderperspektiven; Selbstreflexion und Gruppendiskussionen zu aktuellen und historischen Debatten; bei schriftlicher Klausur wird folgender Notenschlüssel bzw Punktesystem angewandt: Benotungssystematik: Gesamt: 34 Punkte
Sehr gut: 34-30 ֎ Gut: 29-25 ֎ Befriedigend: 24-20 ֎ Genügend:19-15 ֎ Nicht genügend: -14