Vorlesungs­verzeichnis

NdL: Kindheit und Literatur

100237 SE-B 2019W

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Vortragende:

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Das Seminar fragt nach dem Verhältnis des modernen Kindheitsdiskurses und der deutschsprachigen Literatur mit einem Fokus auf die Epochenschwellen 1800/1900. Die anthropologische Frage nach dem ‚Ursprung‘ des Menschen wird seit dem 18. Jahrhundert nicht nur in den sich neu formierenden humanwissenschaftlichen Disziplinen – Pädagogik, Psychologie, Biologie– und den Geisteswissenschaften, sondern auch in der Literatur verstärkt an der Figur des Kindes verhandelt. Am Kind gilt es den Übergang von Natur zur Kultur und die (gelingende oder scheiternde) Entwicklung zum Individuum zu beobachten, deren Gesetze in der Literatur – sei es im Roman, in der ‚Fallgeschichte’ oder der Erzählung– mit dem modernen Konzept von ‚Bildung‘ eng verbunden sind.
Das Seminar widmet sich zunächst der ‚Entdeckung’ der Kindheit im „pädagogischen“ 18. Jahrhundert, die sich maßgeblich an den Namen Rousseau knüpft, und in den literarischen Projekten bei Karl Philipp Moritz, Goethe, Schiller, der Gebrüder Grimm und E.T.A. Hoffmann eine eigene ästhetische Ausformung findet. Anschließend soll der Blick auf die Jahrhundertschwelle um 1900 gelegt werden. Im Vordergrund steht die Frage, wie sich die Konfiguration der Kindheit bei Autoren wie Adalbert Stifter, Wilhelm Raabe, Rainer Maria Rilke, Robert Walser, Robert Musil und Walter Benjamin zu einem Wissen vom Kind verhält, das sich im anbrechenden Jahrhundert des Kindes (Ellen Key) zwischen einer zunehmend experimentellen und empirischen Erforschung der „Seele des Kindes“ einerseits und den emphatischen reformpädagogischen Bewegungen andererseits entfaltet, wie die Literatur diesem Wissen ein eigenes entgegengesetzt, und den neuen Blick auf das Kind erzähltechnisch und ästhetisch wirksam werden lässt.
Das Seminar verfolgt eine kulturwissenschaftliche Perspektive, in der die historische und diskursanalytische Kontextualisierung der Literatur durch narratologische und gattungshistorischen Reflexionen ergänzt werden soll.

 

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Kontinuierliche Lektüre literarischer und theoretischer Texte
Regelmäßige Teilnahme/Mitarbeit/Diskussion im Plenum
Übernehmen einer Expertenrolle (mündlich) und Protokoll (schriftlich)
Kurzes Exposé mit Bibliographie
Bachelor-Arbeit (ca. 30–35 Seiten), Abgabe bis spätestens 29.2. in ausgedruckter Form
Eine Fristverlängerung kann nur in begründeten Ausnahmefällen gewährt werden.

 

Literatur

Philippe Ariès: Geschichte der Kindheit [1960]. München 1992; Dieter Richter: Das fremde Kind. Zur Entstehung der Kindheitsbilder des bürgerlichen Zeitalters. Frankfurt a.M. 1987; Nicolas Pethes: Zöglinge der Natur. Der literarische Menschenversuch des 18. Jahrhunderts. Göttingen 2007; Gwendolyn Whittaker: Überbürdung–Subversion–Ermächtigung. Die Schule und die literarische Moderne 1880–1918. Göttingen 2013; David Giuriato/Philipp Hubmann/Mareike Schildmann (Hg.): Kindheit und Literatur. Konzepte – Poetik – Wissen. Freiburg i.Br. 2018.

 

Prüfungsstoff

Alle im Seminar behandelten Texte; andere Texte nur nach persönlicher Absprache.

 

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Übernehmen einer Expertenrolle (mündlich) und eines Protokolls (schriftlich)
Exposé mit Bibliographie
Bachelor-Arbeit (ca. 30–35 Seiten), Abgabe bis spätestens 29.2. in ausgedruckter Form.