Vorlesungs­verzeichnis

Praxisfelder des Storytelling: Barbie, Bob & Banksy

Storytelling in Literatur, Film, Musik, Kunst und Sozialen Medien

100232 UE 2026S

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Vortragende:

Nächster Termin

Donnerstag, 05.03.2026 16:45-20:00 Hörsaal 3 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 5 Hof 3

 

Da die Lehrveranstaltung geblockt durchgeführt wird, ist eine vollständige Anwesenheit wesentlich. Bitte beachten Sie die konkreten Termine, die insbesondere aufgrund von Feiertagen unregelmäßig stattfinden.

 

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Das Erzählen von Geschichten ist, und war es in allen Epochen und kulturellen Kontexten, ein unentbehrliches Medium gesellschaftlicher Sinnstiftung, das dazu dient, Erfahrungen zu ordnen, Bedeutungen zu kommunizieren und auf soziale wie individuelle Wahrnehmungen einzuwirken. Narrativität wird vielfach als interdisziplinäre Schlüsselkategorie begriffen und es verwundert daher nicht, dass sich beinahe alle wissenschaftlichen Disziplinen auf unterschiedlichste Weise mit der Konstruktion, Bedeutung und Funktion von Erzählungen auseinandersetzen. Gegenwärtig ist auch von einem „Storytelling-Boom“ die Rede, da zunehmend professionelle Business-Storyteller und Selbsthilfe-Coaches in Sozialen Medien Einzelpersonen, Gruppen, Institutionen und Unternehmen gleichermaßen dazu auffordern, ihre eigene Geschichte zu finden und zu erzählen (Mäkelä & Meretoja, 2022). Zugleich wird vor den Gefahren des Storytellings gewarnt und gefordert, diesen durch eine angewandte Narratologie zu begegnen, die nicht nur Werkzeuge zur Verbesserung von Narrativen, sondern auch Instrumente zu ihrem Widerstand bereitzustellen vermag (Moenandar & O’Connor, 2024).
Im Zuge dieser Übung verstehen wir die klassische Narratologie (Erzähltheorie) als Handwerkszeug und erarbeiten uns anhand grundlegender Theorietexte Kriterien zur Analyse unterschiedlichster Narrative in den verschiedensten Medien sowie hinsichtlich ihrer unterschiedlichen Funktionen und Auswirkungen. Im Zentrum der Lehrveranstaltung steht daher die praktische Anwendung narratologischer Kriterien auf verschiedene Medien des Erzählens – von Literatur, Film, Musik und Kunst über Performance bis hin zu individuellen und unternehmerischen Darstellungsformen in sozialen Netzwerken.

Die zu analysierenden Beispiele reichen von literarischen Texten (Ilse Aichinger: Spiegelgeschichte) über historisch heikle Memoiren der Selbstrechtfertigung eines NS-Kriegsministers (Albert Speer: Erinnerungen) bis hin zu filmischen Adaptionen eines Spielzeugs und einer Unternehmensgeschichte (Greta Gerwigs Barbie) sowie zu von literarischen Erzähltechniken inspirierten Filmen (Wes Andersons Grand Budapest Hotel). Sie umfassen Erzählstrategien in Songs (Bob Dylan) ebenso wie narrative Strukturen in der Gesamtdarstellung einer Künstlerin (Taylor Swift), ferner Storytelling in der Performance-Kunst (Marina Abramović) und in der Street Art (Banksy) bis hin zu Social-Media-Inszenierungen öffentlicher Personen, Unternehmen und Institutionen.

Ausgehend von gemeinsam erarbeiteten Analysen werden weitere Anwendungsfelder des Storytellings erschlossen sowie eigenständige exemplarische Untersuchungen durchgeführt.

 

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

In der Übung werden verschiedene Anwendungsfelder des „Storytelling“ vorgeführt, gemeinsam diskutiert und Analysekriterien erarbeitet, woraus eigenständige exemplarische Analysen entstehen, die in der Lehrveranstaltung mündlich präsentiert und am Ende auch schriftlich ausformuliert werden. Darüber hinaus sind von Einheit zu Einheit Texte zu lesen sowie Aufgaben zur Analyse von Storytelling-Mechanismen zu bearbeiten, die in der Lehrveranstaltung besprochen und diskutiert werden. Die Leistungsbeurteilung erfolgt somit in mehreren Teilleistungen.

Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').

 

Literatur

Theorie (Auswahl)
• Genette, Gérard: Die Erzählung. Paderborn: Wilhelm Fink 32010.
• Heinen, Sandra & Sommer, Roy (Eds.): Narratology in the Age of Cross-Disciplinary Narrative Research. Berlin, New York: Walter de Gruyter 2009.
• Herbst, Dieter Georg: Storytelling. Konstanz: UVK-Verl.-Ges., 2008.
• Herman, David (Ed.): The Cambridge companion to narrative. Cambridge: Cambridge University Press 2007.
• Karakuyu, Esim, Glanzl, Christopher & Reicher, Fabian: Die alternative Held:innenreise. Digital Storytelling von Unten. Wien: Mandelbaum, 2025.
• Mäkelä, Maria & Meretoja, Hanna: Critical Approaches to the Storytelling Boom. In: Poetics Today 43/2 (2022), pp. 191–218.
• Martínez, Matías (Hg.): Erzählen: Ein interdisziplinäres Handbuch. Stuttgart: J.B. Metzler 2017.
• Martínez, Matías & Scheffel, Michael: Einführung in die Erzähltheorie. München: C.H. Beck 102016.
• Moenandar, Sjoerd-Jeroen & O’Connor, Emma Frances: Beating Illness Into Shape: Applied Narratology and the Dangers of Storytelling. In: Sjoerd-Jeroen Moenandar & Barend van Heusden (Eds.): Narrative Values, the Value of Narratives. Berlin, Boston: De Gruyter 2024, pp. 181–204.
• Schach, Annika (Hg.): Storytelling. Geschichten in Text, Bild und Film. Wiesbaden: Springer Fachmedien, 2017.

 

Prüfungsstoff

Der Prüfungsstoff umfasst die in der Lehrveranstaltung behandelten theoretischen Grundlagentexte, die gemeinsam entwickelten narratologischen Analyse- und Interpretationskriterien sowie die im Seminar diskutierten und erarbeiteten Beispielanalysen.

 

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Für den positiven Abschluss der Lehrveranstaltung sind eine regelmäßige und aktive Teilnahme, die vollständige und fristgerechte Erledigung von (Haus-)Aufgaben, mündliche und schriftliche Arbeitsleistungen (Präsentationen & schriftliche Reflexionen) sowie eine positiv beurteilte Abschlussarbeit im Umfang von circa 6000 Wörter (Essay/Journal-Artikel) zu einem Themengebiet im Zusammenhang mit der Lehrveranstaltung erforderlich.

Da die Lehrveranstaltung geblockt durchgeführt wird, ist eine vollständige Anwesenheit wesentlich. Bitte beachten Sie die konkreten Termine, die insbesondere aufgrund von Feiertagen unregelmäßig stattfinden.

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig.
Studierende, die der ersten Einheit unentschuldigt fern bleiben, verlieren ihren Platz in der Lehrveranstaltung.
Maximal zweimaliges Fehlen ist erlaubt. Eine konsequenzlose Abmeldung ist bei wöchentlichen Lehrveranstaltungen bis vor der dritten LV-Einheit möglich, bei 14-tägigen Lehrveranstaltungen und Blöcken bis vor dem zweiten Termin.