Ältere deutsche Literatur: Die Liebe im literarischen System des hohen und späten Mittelalters
100231 VO 2014W
Vortragende:
Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung
Saget mir ieman, waz ist minne?, fragt Walther von der Vogelweide in einem seiner Lieder und stellt damit die Frage, der sich die Vorlesung auch zuwenden will. Die Liebe ist eine der zentralen formenden Kräfte literarischer Texte, seit es Literatur gibt. Die Vorlesung thematisiert die verschiedenen Ausprägungen der Vorstellungen von der Liebe im Mittelalter und versucht näher zu bestimmen, welchen Einfluss diese Vorstellungen auf die Literatur und umgekehrt die Literatur auf die Vorstellungen von der Liebe hatte. Besonderes Augenmerk soll dabei sowohl den geistlichen wie auch den deutschsprachigen höfischen Werken des hohen und späten Mittelalters geschenkt werden. Diese sind jeweils einzuordnen in verschiedene Diskurstraditionen, welche ihre je eigene Geschichte haben, sich jedoch vielfältig gegenseitig beeinflussen. So soll es beispielsweise um die folgenden Fragen gehen: Inwiefern ist das Konzept der mittelhochdeutschen Minne einzuordnen in andere, geistliche und weltliche Vorstellungen von Liebe und Freundschaft? Inwiefern unterscheidet sich die Liebeskonzeption des höfischen Romans von jener der hochhöfischen Lyrik und diese wiederum von der des spätmittelalterlichen Liebesliedes? Daneben gilt es etwa das methodische Problem zu thematisieren, dass mittelalterliche Vorstellungen von der Liebe stets nur durch schriftlich aufgezeichnete und damit literarisch geformte Texte vermittelt werden.
Die Vorlesung ist für ein breites Publikum konzipiert und könnte gegebenenfalls auch für Gasthörer anderer Fachbereiche geöffnet werden.
Literatur
Literatur: Rüdiger Schnell, Causa amoris. Liebeskonzeption und Liebesdarstellung in der mittelalterlichen Literatur (Bibliotheca Germanica 27), Bern/München 1985; Walter Haug, Die höfische Liebe im Horizont der erotischen Diskurse des Mittelalters und der Frühen Neuzeit (Wolfgang Stammler Gastprofessur 10), Berlin 2004.
Abkürzungen: ÄdL: Ältere deutsche Sprache und Literatur – DaF/Z: Deutsch als Fremd- und Zweitsprache – FD: Fachdidaktik Deutsch – NdL: Neuere deutsche Literatur – SpraWi: Sprachwissenschaft
