Vorlesungs­verzeichnis

Proseminar Sprachwissenschaft: Die Transe, die Tunte und die Kampflesbe

reduziert, pejorisiert und sexualisiert. Wo bleiben die wertneutralen und meliorisierenden Bezeichnungen queerer Mensch:innen in der Sprache bis heute?

100230 PS 2026S

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Vortragende:

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Ein Blick in die sozialen Medien genügt, um zu sehen, dass Hatespeech und Hasskriminalität non-binäre, aber auch weiblich gelesene Personen betrifft. Viele Selbstbezeichnungen queerer Mensch:innen sind inzwischen entstanden wie Interperson, Intergeschlechtliche oder Transgender, und werden in der Community auch seit längerem verwendet. Wie sieht dies aber in der Allgemeinsprache und in Folge in den maßgeblichen Wörterbüchern aus? Werden diese wertneutralen Eigenbezeichnungen auch in die Allgemeinsprache übernommen oder bleibt es bei den veralteten und pejorisierenden Begriffen? Handelt es sich um Qualitätsmedien, so werden selbstverständlich wertneutrale Bezeichnungen wie Transgender/trans* Gender verwendet.
Trifft dies auch für das Internet oder die sozialen Medien zu?

Werden die fehlenden wertneutralen Referenzbezeichnungen für eine unabhängige und selbstbestimmte gelesene Frau miteinbezogen, so lässt sich eine ähnliche Vorgangsweise wie bei non-binären Personen zeigen. Obwohl die Emanzipation der Frau bereits vor mehr als 50 Jahren begann, werden Frauen nicht aufgrund einer bestimmten allgemeinmenschlichen Verhaltensweise pejorisiert, sondern in der Regel aufgrund ihrer präfeministischen Position als Nur-Geschlechtswesen sexualisiert. Schlampe oder auch Nazi-Schlampe für Politikerinnen sind keine Seltenheit, da sie bis heute auch in der Kritik nicht als ganze Mensch:innen respektiert, sondern zur „Frau aller“ degradiert - und in der Regel nur in dieser Weise sexualisierend beschimpft werden.

Inwieweit wird diese klare Trennung zwischen non-binär und weiblich-binär einerseits, und andererseits männlich-binär plus allgemeinmenschlich in Form des sogenannten „generischen Maskulinums“ unterstützt? Denn von allen Medien wird nach wie vor das Maskulinum für alle Mensch:innen verwendet, was die Position „binär-männlich“ nach wie vor als das Allgemeinmenschliche „erhöht“.

Aus diesem Spannungsfeld ergeben sich folgende Ziele dieses Proseminars: Die feministische, genderkritische und queere Analyse und Dekonstruktion von Pejorativa und ihren Pendants, den Meliorativa, stehen im Mittelpunkt. Auch die Dekonstrukton des heteromänn:lich Allgemeinmensch:lichen innerhalb aller Personenbezeichnungen, die Nationen, Ethnien und bestimmte Gruppen, aber auch Geschlechter/Sexualitäten, Geschlechtsidentitäten oder sexuelle Präferenzen betreffen, werden genderkritischen untersucht. Auf konzeptioneller Ebene werden metasprachliche Katgeorien, Hierarchien inkl. heteromaskuliner Hegemonie wie belebt - unbelebt, mensch:lich - tierisch, männ:lich - weib:lich miteinbezogen. Konkret betrifft das die Analyse präfeministischer Personenreferenzen, die auf einer heteromaskulin bestimmten Binarität beruhen und sich bis heute in semantischen und grammatischen Regularitäten manifestieren.

 

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').

 

Literatur

Literatur wird noch bekanntgegeben.

 

Prüfungsstoff

- Feministische Theorie, Gendertheorie, Diversity, Queer Studies und Dekolonialismus
- Feministische Linguistik, Genderlinguistik und Queerlinguistik
- Lexikologie/-graphie, Semantik/Wortbildung und -motivation
- grammatische Strukturen, auch im Sprachenvergleich
- linguistische Argumentation auf Basis oben genannter Theorien und Bewegungen

 

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

- Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig, max. 2 unentschuldigte Absenzen
- Studierende, die der ersten Einheit unentschuldigt fern bleiben, verlieren ihren Platz in der Lehrveranstaltung.
- Maximal zweimaliges Fehlen ist erlaubt. Eine konsequenzlose Abmeldung ist bei wöchentlichen Lehrveranstaltungen bis vor der dritten LV-Einheit möglich, bei 14-tägigen Lehrveranstaltungen und Blöcken bis vor dem zweiten Termin.
- Mitarbeit/aktive Beteiligung an den Diskussionen
- Referat: freier Vortrag, Power-Point-Präsentation und/oder Handout
- Umfang der Abschlussarbeiten: Proseminararbeit 15 Seiten Haupttext, ohne Titelseite, Inhaltsverzeichnis, Register, Bibliographie,...
- Das Hauptgewicht der Beurteilung liegt auf der schriftlichen Proseminararbeit.
- Abgabe der schriftlichen PS-Arbeit: 25. September 2026