Vorlesungs­verzeichnis

Sprachwissenschaft: Sprachliche Deontik

100225 MA 2010S

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Vortragende:

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Der Begriff „Deontik“ (bzw. „deontisch“) – ursprünglich in Philosophie und Theologie gebräuchlich – ist mittlerweile ein in der Linguistik etablierter Begriff, insbesondere in Grammatik und Lexikologie. So z.B. liest man von deontischer (im Gegensatz zu epistemischer) Modalität, von deontischen Verwendungsweisen von Modalverben, von deontischen Infinitivkonstruktionen (z.B. Imperative wie „Alles aussteigen!“, „Türen schließen!“ etc.) oder von der deontischen Bedeutung von Wörtern.
Der Begriff kommt aus dem Altgriechischen (altgriech. deón „das Nötige, Angemessene“). Gemeint sind in unserem Kontext sprachliche Formen, in denen ein Dürfen, Nicht-Dürfen oder Sollen zum Ausdruck kommt. En Wort hat eine deontische Bedeutung dann, wenn wir in Bezug auf einen Gegenstand etwas nicht dürfen, dürfen oder sollen.
Wir wollen uns im SE vorwiegend mit der Lexik beschäftigen und dabei bes. der Geschichte und Verwendung von wichtigen deontischen Wörtern nachgehen, z.B. Demokratie (im 19. Jh. eine Staatsform, die – je nach Perspektive bzw. Standpunkt – angestrebt oder verhindert werden soll), Umwelt (die geschützt werden soll), Arbeit (die getan werden soll), Freiheit (die angestrebt werden soll) u. a. m.
Auch ein Brückenschlag zur Varietätenlinguistik soll gewagt werden, z.B.: Gibt es deontische Idiotismen? Wie sieht es diesbezüglich bei den Austriazismen aus? etc.

 

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Referat, Teilnahme an Diskussionen, SE-Arbeit (üblichen Umfangs)

 

Literatur

Hermanns, Fritz: Dimensionen der Bedeutung I: Ein Überblick. In: Lexikologie. Ein internationales Handbuch zur Natur und Struktur von Wörtern und Wortschätzen. Hg. v. D. Alan Cruse, Franz Hundsnurscher, Michael Job u. Peter Rolf Lutzeier. Halbbd. 1. Berlin, New York 2002 (= Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft, Bd. 21.1.), S. 343-350.
Deppermann, Arnulf: Deontische Infnitivkonstruktionen. Syntax, Semantik, Pragmatik und interaktionale Verwendung. In: Günthner, Susanne / Imo, Wolfgang (Hg.): Konstruktionen in der Interaktion. Berlin, New York 2006 (= Linguistik – Impulse & Tendenzen, Bd. 20), S. 239-262.
Weitere Literatur wird in der LV genannt.

 

Prüfungsstoff

Vorträge, Gespräche, Referate.

 

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Ziel der LV ist es, mit Grundbegriffen der Semantik, Lexikologie und Pragmatik souverän umzugehen.