Forschungsseminar Austrian Studies: Das literarische Feuilleton im Österreich der Zwischenkriegszeit
100222 FS 2025W
Vortragende:
Nächster Termin
Montag, 19.01.2026 13:15-14:45 Seminarraum 2 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3
Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung
Das Feuilleton erlebte in der Zwischenkriegszeit eine Blüte, die besonders an österreichischen Autor*innen sichtbar wird. Das Feuilleton, verstanden als eine Rubrik der Zeitung, umfasst ein großes Spektrum verschiedener Textsorten, von der kurzen, kritischen Betrachtung bis zu in Fortsetzungen erscheinenden Romanen, Erzählungen und Dramen. Im engeren Sinn bezeichnet Feuilleton eine Textsorte, die sich durch stilistische Eleganz und eine Vorliebe für die Einzelheiten, für das Marginale, das aber zugleich paradigmatisch für größere Zusammenhänge einsteht, auszeichnet. Die kleine Form des Feuilletons im engeren Sinn konnte so der Austragung weitreichender Debatten dienen. Dabei erweist sich das Feuilleton mit seinem geschärften Blick auf konkrete Phänomene als zentraler Ort für die Austauschprozesse zwischen ästhetischen, weltanschaulichen und wissenspolitischen Aspekten. Gerade der antisemitische Affekt gegen das „jüdische“ Feuilleton zeigt die Sprengkraft dieser Distribution.
Das Feuilleton als Textsorte zeichnet sich durch einen hohen Grad an Selbstreflexion aus. Mit dem Nachdenken über das eigene Schreiben verbindet sich eine stilistische Vorliebe für den Witz, für Digressionen, für Offenheit, Leichtigkeit, Flüchtigkeit und Unterhaltsamkeit. Eine scharfe Abgrenzung ist dabei zwar von den Großgattungen Roman und Drama, weniger aber von benachbarten ‚kleineren‘ Textsorten wie Essay, Glosse, Kritik, Rezension und Reportage möglich.
Zugleich verändern sich die Rezeptionsbedingungen nicht allein von Erzählungen, Romanen und Dramen durch ihre Veröffentlichung im Zeitungsfeuilleton. Denn zum einen bewirkt die Zeitung als Publikationsort eine Segmentierung längerer Texte. Zum anderen überlappt sich das Publikum der Zeitung nur teilweise mit dem der Bücher, in denen nicht nur Romane und Dramen, sondern auch Sammlungen von Erzählungen, Essays, Reportagen und Feuilletons erschienen. Besonders wichtig für die Wirkung der im Feuilletonteil publizierten Texte ist ihr textuelles Umfeld in der Zeitung. Im Verhältnis zu diesem diskursiven Kontext, zur politischen, ökonomischen und kulturellen Berichterstattung und Kommentierung, können die Texte des Feuilletons verschiedene Funktionen erhalten, deren Spektrum sich von der Affirmation über die Evasion und Reflexion bis zur Kritik spannt. Daher sollen nicht die Buchausgaben, sondern die Veröffentlichungen in den Zeitungen die Textgrundlage bilden.
Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel
Diese Lehrveranstaltung erfordert die regelmäßige Anwesenheit der Teilnehmer*innen zur Diskussion der Referate und Inputs der LV-Leitung. Ein zweimaliges Fehlen ist zulässig. Ein mehrmaliges Fehlen ohne wichtigen Grund führt zu einer negativen Beurteilung.
Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').Gefordert sind:- Anwesenheit, Teilnahme an den Diskussionen in Kleingruppen und im Plenum
- Impulsreferat incl. PPP, Verfassen eines Handouts, Formulierung von vier Leitfragen, Diskussionsleitung
- Seminararbeit im Umfang von 25 Seiten Haupttext, Abgabe bis spätesten 15. 4. 2026, 24h, in gedruckter und elektronischer Form.
- Erfolgt die Abgabe nicht bis zum 15. 4. 2026, 24h, wird die gesamte Lehrveranstaltung negativ beurteilt.
- Wenn die Seminararbeit zeitgerecht abgegeben und negativ beurteilt wird und damit die Beurteilung der gesamten Lehrveranstaltung negativ ist, wird den Studierenden eine Verbesserungsmöglichkeit eingeräumt. Die Studierenden erhalten in diesem Fall ein Feedback mit Kriterien, die sie erfüllen müssen, damit die Teilleistung noch positiv beurteilt werden kann. Diese Kriterien müssen bis spätestens 30.04.2026 erfüllt werden, indem die verbesserte Seminararbeit bis 30. 4. 2026, 24h, in gedruckter und elektronischer Form erneut eingereicht wird. Sollte die Frist versäumt oder sollten die Kriterien nicht erfüllt werden, wird die gesamte LV negativ beurteilt.
Literatur
Daniela Gretz, Marcus Krause, Nicolas Pethes (Hg.): Miszellanes Lesen. Interferenzen zwischen medialen Formaten, Romanstrukturen und Lektürepraktiken im 19. Jahrhundert. Hannover: Wehrhahn 2022.
Deborah Holmes: The Feuilleton of the Viennese Arbeiter-Zeitung 1918-1934: Production Parameters and Personality Problems. In: Austrian Studies 14, 2006, 99-117.Kai Kauffmann, Erhard Schütz (Hg.): Die lange Geschichte der Kleinen Form. Beiträge zur Feuilletonforschung. Berlin: Weidler 2000.Hildegard Kernmayer, Simone Jung (Hg.): Feuilleton. Schreiben an der Schnittstelle zwischen Journalismus und Literatur. Bielefeld: Transcript 2018.Ethel Matala de Mazza: Der populäre Pakt. Verhandlungen der Moderne zwischen Operette und Feuilleton. Frankfurt a. M.: Fischer 2018.Günther Petersen: Feuilleton und öffentliche Meinung. Zur Theorie einer Literaturgattung im Kontext mit ihrem Resonanzfeld. Wiesbaden: Verlag für Deutsche Wirtschaftsbiographien H. Flieger 1992.Erhard Schütz: "Ich zeichne das Gesicht der Zeit". Skizzen zu Feuilleton und Feuilletonforschung aus der und zu der Zeit von 1918-1945. In: Kai Kauffmann, Erhard Schütz (Hg.): Die lange Geschichte der Kleinen Form. Beiträge zur Feuilletonforschung. Berlin: Weidler 2000, 177-188.Erhard Schütz: Echte falsche Pracht. Kleine Schriften zur Literatur. Berlin: Verbrecher-Verlag 2011.Almut Todorov: Das Feuilleton der „Frankfurter Zeitung“ in der Weimarer Republik. Zur Grundlegung einer rhetorischen Medienforschung. Tübingen: Niemeyer 1996.
Prüfungsstoff
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung
Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig.
Studierende, die der ersten Einheit unentschuldigt fern bleiben, verlieren ihren Platz in der Lehrveranstaltung.
Maximal zweimaliges Fehlen ist erlaubt. Eine konsequenzlose Abmeldung ist bei wöchentlichen Lehrveranstaltungen bis vor der dritten LV-Einheit möglich, bei 14-tägigen Lehrveranstaltungen und Blöcken bis vor dem zweiten Termin.
- Aktive Teilnahme an sämtlichen Sitzungen durch Fragen und Diskussionsbeiträge
- Klare Struktur und wirkungsvolle Technik des Impulsvortrags
- Handout: effizient und konzise aufbereitete Informationen, klare Struktur, Auswahl markanter, aussagekräftiger Zitate
- Leitfragen: Relevante, offene Fragen, Bevorzugung kontroverser Fragestellungen
- Umsichtige Diskussionsleitung, die Impulse setzt, ohne die Diskussion rigide zu steuern.Beurteilungskriterien für die Seminararbeiten:Forschungsstand
- Reflektierte Kenntnis des Forschungsstands
- Angemessenheit der Auswahl der zitierten Literatur
- Wissenschaftlichkeit der Quellen (Lexika, Monographien, Aufsätze etc.)
- Konsistente Einbettung in den aktuellen ForschungsstandTheorie und Methode
- Präzisierung von Fragestellung(en), Ziel(en) und/oder Hypothese(n)
- Klarheit und Nachvollziehbarkeit der Formulierung und Begriffsverwendung
- Erklärung und Begründung des methodischen Vorgehens
- Gegenstandsangemessenheit des methodischen oder theoretischen Paradigmas
- Methodische und theoretische ProblembewusstheitStruktur und Aufbau
- Plausibilität der Gesamtstruktur der Arbeit
- Stimmigkeit der jeweiligen Abschnitte in sich
- Logische Abstimmung und Balance der Abschnitte untereinander (Textkohärenz und -kohäsion)
- Plausible Rahmung durch Einleitung und Schluss________
100-90 P. = 1
89-80 P. = 2
79-70 P. = 3
69-60 P. = 4
59-0 P. = 5
Abkürzungen: ÄdL: Ältere deutsche Sprache und Literatur – DaF/Z: Deutsch als Fremd- und Zweitsprache – FD: Fachdidaktik Deutsch – NdL: Neuere deutsche Literatur – SpraWi: Sprachwissenschaft
