Masterseminar Deutsch als Zweitsprache
Postmigrantische Sprach- und Literaturdidaktik
100219 SE 2025S
Vortragende:
Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung
Ausgangspunkt dieses Seminars ist die Frage, welche Veränderungen Migrationsprozesse für das sprachliche und literarische Lernen in der Schule zur Folge haben. Migration wird dabei als Motor der Veränderung verstanden: Angesichts (zunehmender) sprachlicher und kultureller Heterogenität, wie sie für Migrationsgesellschaften wie jener Österreichs kennzeichnend ist, gilt es auch den Deutschunterricht zu verändern, insbesondere mit Blick auf die Erhöhung von Bildungsgerechtigkeit und die Ermöglichung nachhaltigen Lernerfolgs aller Schüler*innen.
Die folgenden Fragestellungen stehen im Mittelpunkt des Seminars:* Was bedeutet es für die Auswahl der Texte und die Modellierung von Aufgaben, wenn wir migrationsbedingte Heterogenität als Normalfall erkennen und anerkennen?
* Wie gehen wir aus einer postmigrantischen Perspektive mit den vorhandenen Schulbüchern um?
* Wie können wir im Sinne einer postmigrantischen Deutschdidaktik die Textkompetenz der Schüler*innen auf unterschiedlichen Kompetenzniveaus fördern?
* Wie können wir durch unsere Unterrichtsgestaltung die Dichotomie zwischen einem „Wir“ und dem „Nicht-Wir“ der Migrationsandern überwinden?
* Wie können wir eine Pädagogik der Mehrfachzugehörigkeit gestalten und damit den Bedingungen einer Migrationsgesellschaft gerecht werden?
* Welchen Beitrag kann ein postmigrantisch ausgerichteter Deutschunterricht für eine rassismus- und diskriminierungskritische Bildung leisten?Ziel ist es,
a) die theoretischen Grundlagen einer postmigrantischen Sprach- und Literaturdidaktik zu diskutieren,
b) aus einer postmigrantischen Perspektive Fragestellungen für die unterschiedlichen Felder der Deutschdidaktik zu entwickeln,
c) eine Sammlung von literarischen Texten für sprachliches und literarisches Lernen im Sinne postmigrantischer Deutschdidaktik zu erstellen und
d) konkrete Unterrichtsszenarien für unterschiedliche Lernkontexte zu entwerfen.Methoden:
Diskussion von Grundlagentexten, Impulsvorträge, Analyse von literarischen Texten und Entwicklung von Kriterien der Textauswahl, Präsentation von Unterrichtsvorschlägen, Erproben von Aufgaben, Peer-Feedback.
Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel
Konzeption und Ausarbeitung eines Unterrichtsentwurfs, Präsentationen, kollegiales Feedback, schriftliche Abschlussarbeit.
Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').Hinweis: Das Verfassen der Arbeit muss eigenständig und transparent nach den Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis der Universität Wien ablaufen. Daher müssen am Ende des Schreibprozesses und vor der Beurteilung „alle genutzten Hilfsmittel dokumentiert [...], an der Stelle, an der sie zum Einsatz kamen und in der methodischen Beschreibung der Arbeit, geistiges Eigentum anderer Personen nach den Regelungen des Faches zitiert und im Literaturverzeichnis benannt [...], alle Texte und Bilder, die mittels (KI-)Tools generiert wurden, sowie deren Veränderung im Prozess der Erstellung der Arbeit transparent gemacht [...], jegliche inhaltliche Unterstützung durch Dritte (z.B. Datenaufbereitung, Analysen) explizit genannt und die Personen angemessen gewürdigt [...](z.B. in der Danksagung) [...] und allfällige inhaltliche Überschneidungen mit Leistungen aus Lehrveranstaltungen (z.B. Bachelor-, Seminararbeit) ausgewiesen [...]" werden.(Guidelines "Umgang mit KI in der Lehre" - Universität Wien, 2023)KI-Werkzeuge dürfen eingesetzt werden. Ihre Verwendung muss dokumentiert und nachvollziehbar gemacht werden. Die Details der Nutzung von KI werden im Seminar besprochen und entsprechen den Richtlinien der Universität Wien zum Umgang mit KI in der Lehre: https://phaidra.univie.ac.at/detail/o:1879857
Literatur
Auswahl:
Fereidooni, Karim; Simon, Nina (Hrsg., 2022). Rassismuskritische Fachdidaktiken. Theoretische Reflexionen und fachdidaktische Entwürfe rassismuskritischer Unterrichtsplanung, 2. Aufl. Wiesbaden: Springer. https://ubdata.univie.ac.at/AC16594779Foroutan, Naika (2019). Die postmigrantische Gesellschaft. Ein Versprechen der pluralen Demokratie. Bielefeld: transcript. Online verfügbar unter: https://ubdata.univie.ac.at/AC15478387Hodaie, Nazli (2022). Das Wir der Literaturdidaktik – Grundzüge und Ziele eines postmigrantischenLiteraturunterrichts, in: Swissfuture, Jg. 49 (2022), H. 1, S. 43-50 https://www.swissfuture.ch/wp-content/uploads/2022/08/swissfuture-01-2022.pdfMende, Jana-Katharina (2024). Mehrsprachigkeit, Übersetzung und Sprachreflexionen: Postmigrantische Spielformen von Mehrsprachigkeit in der Gegenwartsliteratur.In: Hodaie, Nazli & Hofmann, Michael (Hrsg.). Postmigrantische Literatur: Grundlagen, Analysen, Positionen. Stuttgart: Metzler, 75-92. Online verfügbar unter: https://ubdata.univie.ac.at/AC17399705Ohnmacht, Florian & Yıldız, Erol (2024). Soziale Teilhabe in der postmigrantischen Gesellschaft: zwischen kultureller Hegemonie und Widerstand. In: Meier, Jörg/Blaschitz, Verena/Dirim, İnci (Hrsg.): Handbuch Mehrsprachigkeit und soziale Teilhabe. Interdisziplinäre Perspektiven. Bad Heilbrunn: Klinkhardt, 30-41. https://elibrary.utb.de/doi/book/10.36198/9783838563060Riedner, Renate & Dobstadt, Michael (2023): Kreativ-poetische Mitgestaltung von Sprache und Gesellschaft als Zielhorizont eines literarisch fundierten DaF/DaZ-Unterrichts. In: Dengscherz, Sabine; Schweiger, Hannes; Reitbrecht, Sandra; Sorger, Brigitte (Hrsg.). IDT 2022: *mit.sprache.teil.haben, Bd. 2, Kulturreflexiv, ästhetisch, diskursiv. Sprachenlernen und die Vielfalt von Teilhabe. Erich Schmidt Verlag, 65-78. https://www.esv.info/lp/daz/idtRösch, Heidi (2021): LitLA: Literature und Language Awareness. In: Titelbach, Ulrike (Hg.): Mehr Sprachigkeit. Unterrichtsvorschläge für die Arbeit mit mehrspraachiger Literatur in der Sekundarstufe. Wien: Praeses, 17-39.Yıldız, Erol (2015): Postmigrantische Perspektiven. Aufbruch in eine neue Geschichtlichkeit. In: Yıldız, Erol/Hill, Marc (Hrsg.): Nach der Migration. Postmigrantische Perspektiven jenseits der Parallelgesellschaft. Bielefeld: transcript, 10-36. Online verfügbar unter:
https://doi.org/10.1515/transcript.9783839425046
Prüfungsstoff
Prüfungsrelevant sind alle Inhalte, die in der und für die Lehrveranstaltung erarbeitet werden (Details siehe oben und Moodle).
Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab
Die abschließende Beurteilung setzt sich aus folgenden Leistungen zusammen:
* 25 % Ausarbeitung eines Unterrichtsentwurfs (Abgabe im Lauf des Semesters)
* 15 % Feedback zum Unterrichtsentwurf anderer Studierender (Abgabe im Lauf des Semesters)
* 60 % schriftliche Abschlussarbeit (Abgabe bis 31.08.2025)
Abkürzungen: ÄdL: Ältere deutsche Sprache und Literatur – DaF/Z: Deutsch als Fremd- und Zweitsprache – FD: Fachdidaktik Deutsch – NdL: Neuere deutsche Literatur – SpraWi: Sprachwissenschaft
