Vorlesungs­verzeichnis

Masterseminar NdL: Literatur und Kollektivität

100187 SE 2022S

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Vortragende:

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Lange Zeit war der Begriff der modernen Literatur mit der Vorstellung der einsamen, stillen Lektüre ebenso einsam verfasster, stummer Texte verbunden. Dieses Bild wird durch die steigende Attraktivität von Poetry Slams, literarischen You-Tube-Performances, kooperativen Schreibprojekten und anderen Formen einer neuen, mit der Kunstform Literatur verbundenen ‚Gemeinschaftlichkeit‘ zunehmend obsolet. Diese mediengeschichtlich mitbedingte Entwicklung verlangt, die Beziehung zwischen Literatur und Kollektivität – wie auch das hiermit verknüpfte Verhältnis zwischen Politik und Ästhetik – analytisch wie auch historisch neu in den Blick zu nehmen. Ebendieser Zielsetzung widmet sich das Seminar, indem es dieser Frage einerseits kulturtheoretisch, andererseits mit einem Fokus auf die Literatur- und Theatergeschichte des 20. und frühen 21. Jahrhunderts nachgeht. Themen, die in diesem Zusammenhang behandelt werden, sind u.a. alltägliche, politische und literarische Praktiken des Wir-Sagens (einschließlich der Problematik von Inklusion und Exklusion), ästhetische und politische Strategien des ‚Aufführens‘ und ‚Demonstrierens‘ von Kollektivität (gemeinsames Skandieren politischer Forderungen, chorisches Beten und Deklamieren, Chorsprechen im postdramatischen Theater), Dimensionen und Techniken der Konstituierung von Kollektivität (soziale Gruppen, Klassen, Parteien, Geschlechter, Nationen; Zuschauerschaft/ Leserschaft/ Co-AkteurInnen usw.) und die Herausforderung der Repräsentation im Sinne des stellvertretenden, ‚im Namen‘ eines Kollektivs vollzogenen literarischen und/ oder politischen Sprechens, Schreibens und Handelns.

Die Lehrveranstaltung verfolgt zwei Ziele:

1) Zum einen zielt sie auf die Vermittlung und selbständige Erarbeitung von literatur- und kulturhistorischem Wissen bezüglich der im Zentrum stehenden Fragestellung, die – vom Gegenstand wie von der Herangehensweise – auf dem Zugang der kulturwissenschaftlichen Germanistik basiert.

2) Zum anderen zielt das Seminar auf das Erwerben praktischer Kompetenzen des selbständigen wissenschaftlichen Arbeitens, wobei die einzelnen Arbeitsschritte (unterstützte Themenfindung; Erstellung eines Exposés, inklusive klarer Fragestellung und Methodik sowie einer Bibliografie relevanter Forschungsliteratur) thematisiert, diskutiert und Schritt für Schritt mit Unterstützung durch die LV-Leiterin und in themenbezogenen Arbeitsgruppen umgesetzt werden.
Die Lehrveranstaltung beginnt mit mehreren Sitzungen, in denen auf der Basis selbständiger Vorbereitung wichtige theoretische und thematisch einführende Grundlagen gemeinsam erarbeitet werden. Im Anschluss folgen Termine, die der gemeinsamen Erarbeitung literarischer Schlüsseltexte gewidmet sind. Diese Termine werden – bei Bedarf – ergänzt durch Überblicke und Hilfestellungen zu den verschiedenen Bereichen wissenschaftlichen Arbeitens (literatur- und kulturwissenschaftliche Methodik, Bibliografieren, Themenspezifizierung, Strukturierung der schriftlichen Abschlussarbeit). Die letzten Termine sind der Präsentation und Diskussion der erarbeiteten Exposés gewidmet.

 

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

- Regelmäßige Anwesenheit (max. drei Fehlstunden); sollte der Umstieg auf digitale Lehre nötig sein, ist die Einschaltung von Kamera und Ton verpflichtend
- Vollständige und termingerechte Lektüre der Pflichtliteratur (Lektürenotizen), verpflichtend für alle TeilnehmerInnen für alle LV-Einheiten; wenn die Vorbereitung aus besonderen Gründen einmal nicht möglich ist, ist dies zu Beginn der Stunde eigeninitiativ bekanntzugeben
- Aktive mündliche Mitarbeit in Plenums- und Gruppendiskussionen
- Exposé inklusive Bibliografie, Abgabe während des Semesters
- Ein bis zwei Kurzpräsentationen bzw. Übernahme der ExpertInnen-Rolle für eine LV-Einheit
- Schriftliche Abschlussarbeit (25 Seiten Haupttext; Abgabe bis Semesterende)

Modul V Masterseminar mit Zusatzleistung aus dem Master Deutsche Philologie (12 ECTS): Für die Aufwertung des Seminars um 6 ECTS muss eine verpflichtende schriftliche Mehrleistung (10 Seiten Haupttext) erbracht werden, d.h. es muss eine Seminararbeit im Umfang von 35 Seiten Haupttext verfasst werden.

Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').

 

Literatur

Eine ausführliche Liste der Primär- und Sekundärliteratur wird in der ersten LV-Einheit ausgehändigt und ist – inklusive der wichtigsten Texte – ab dann auf moodle zugänglich.

 

Prüfungsstoff

siehe oben

 

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Die Gesamtnote wird aus den oben angeführten Teilleistungen (1. schriftliche Abschlussarbeit, 2. Exposé, 3. Kurzpräsentation/ ExpertInnen-Rolle, 4. mündliche Mitarbeit) errechnet, wobei die Punkte 1 bis 3 die Mindestanforderung (1. positive Abschlussarbeit, 2. Exposé, 3. Kurzpräsentationen) darstellen.

Da das Konzept des Seminars auf kontinuierlicher Vorbereitung und Mitarbeit basiert und auf den schrittweisen, dialogischen Aufbau von (für die SE-Arbeit) relevantem Wissen zielt, wird Interesse für das Thema und eine hohe Diskussionsbereitschaft sehr empfohlen!