Vorlesungs­verzeichnis

Masterseminar Neuere Deutsche Literatur: J. W. Goethe "Die Wahlverwandtschaften"

100172 SE 2017S

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Vortragende:

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Goethes 1809 erschienener Roman gehört bis heute zu den meistinterpretierten der deutschen Literaturgeschichte; als verrätselt und allzu realistisch gleichzeitig, als symbolisch überdeterminiert und formal maniriert, aber dennoch lebhaft ergreifend wurde er schon von den Zeitgenossen empfunden, späteren Interpreten galt er als „tragische[] Szene“ (Walter Benjamin) einer modernen Zeit, in der die numinosen Wirkkräfte einer antik gedachten Natur weiter die Figuren bestimmen, obwohl eine Fülle an Entdeckungen der Epoche explizit darin zur Darstellung kommt und das „Geschick“ der Protagonisten anhand eines wissenschaftlichen Experiments beschrieben wird. Parallel dazu geht es um die intellektuellen Waffen der neuen Zeit – aufklärerische Vernunftorientierung, Bildung und Reflexivität – nach Peter von Matt ist der Ehebruchsroman aber „aufs unheimlichste“ ohne Eifersucht. Ist also die Vielfalt der Deutungsmöglichkeiten der Schlüssel zur anhaltenden Beschäftigung mit dem Roman? „Die Wahlverwandtschaften“ eignet sich in besonderer Weise, um exemplarisch verschiedene Interpretationszugänge zu erkunden, die die sozio-historischen und politischen, philosophisch-naturwissenschaftlichen, ästhetischen und erzähltheoretischen Dimensionen des Textes freilegen. Diese werden in gemeinsamen Übungen und Textlektüren und im Referatsmodus erarbeitet, zur Präsentation des gewählten Themas ist ein Handout vorzubereiten. Das Ziel der Lehrveranstaltung ist die Fortführung und Erweiterung der Kompetenzen im selbständigen wissenschaftlichen Arbeiten und das Verfassen einer Seminararbeit.

 

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Die Leistungsbeurteilung erfolgt nach den Kriterien von Anwesenheit und Mitarbeit, Beteiligung an Diskussionen, Ausführung der Präsentation und der Seminararbeit.

 

Literatur

Folgende Aufsätze werden zur Orientierung besonders empfohlen und durch weitere Angaben zur Sekundärliteratur am Beginn der LV ergänzt: Christoph Hoffmann: „Zeitalter der Revolutionen“. Goethes „Wahlverwandtschaften“ im Fokus des chemischen Paradigmenwechsels, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 67 (1993), S. 417-450. Benedikt Jeßing: Nachwort zu „Die Wahlverwandtschaften“ in der Reclam-Ausgabe des Romans (Universal-Bibliothek Nr. 7835), S. 263-282. Peter von Matt: Versuch, den Himmel auf der Erde einzurichten – Der Absolutismus der Liebe in Goethes „Wahlverwandtschaften“, in: Heinrich Meier / Gerhard Neumann (Hgg.): Über die Liebe. Ein Symposion. München: Piper 2001, S. 263-304.

 

Prüfungsstoff

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

 

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Erwartet werden die Bereitschaft zur intensiven Textlektüre und Einarbeitung in die Sekundärliteratur und Basiskenntnisse zur Epoche der Goethezeit. Voraussetzungen zu positiver Beurteilung sind regelmäßige Anwesenheit und Mitarbeit, Referat, Seminararbeit im Umfang von 25 Seiten, abzugeben bis 31.7.2017. Zur Vorbereitung vor LV-Beginn dient die genaue Lektüre des Primärtextes, vorzugsweise in der Ausgabe: Johann Wolfgang von Goethe „Die Wahlverwandtschaften“ Roman Tübingen 1809, Hrsg. v. Joseph Kiermeier-Debre, dtv Bibliothek der Erstausgaben, München 21999 oder in der Reclam-Ausgabe (Universal-Bibliothek Nr. 7835, mit einem Nachwort von Benedikt Jeßing).