Vorlesungs­verzeichnis

NdL: Die Literatur der Verwaltung. Schreibende Beamte im 18. und 19. Jahrhundert

100167 SE-B 2024S

Ansicht in u:find »

Moodle

Vortragende:

Nächster Termin

Donnerstag, 27.06.2024 15:00-16:30 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5

 

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Das josephinische Beamtentum steht im Zentrum dieses Seminars, da es im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert als die kulturtragende Schicht der österreichischen Monarchie gilt. Zahlreiche literarische Texte wurden von Beamten verfasst. Mit dem Regierungsantritt von Joseph II im Jahr 1780 wird die Beamtenschaft erweitert, aufgebaut und reformiert. Da der Josephinismus ein aufklärerisches Kommunikationsideal propagiert, überladene, verschachtelte Gesetzestexte und zeremoniell geprägte Anredeformen abschaffen und stattdessen an den Stilidealen von brevitas und perspicuitas orientierte Verordnungen, Verlautbarungen und Gesetze schaffen will, werden alle Beamte eines rhetorischen Trainings unterzogen. Joseph II verfügt, dass bereits im Dienst befindliche Beamte erneut an die Universität müssen, um das neue Kommunikationsideal einzuüben. Grundlegend für diese Ausbildung war das Buch "Über den Geschäftsstil" von Joseph von Sonnenfels, das erstmals 1784 erschien, mehrmals neu aufgelegt und, laut Leslie Bodi, bis 1848 im Einsatz war. Neben der historischen Abhandlung "Gehorsame Rebellen" von Waltraud Heindl, wird "Über den Geschäftsstil ein zentraler Ausgangspunkt des Seminars sein. Sonnenfels behandelt in diesem Buch nicht nur stilistische und grammatikalische Eigenheiten, er propagierte auch die aufgeklärte Zeit des Josephinismus durch unzählige progressive Beispiele, die auch in der Regierungszeit von Franz II gelehrt wurden und so einen starken Kontrast zum reaktionären Ruf der Epoche von 1792 bis 1835 bildeten. Zudem werden in "Über dem Geschäftsstil" auch argumentative und rhetorische Verfahren diskutiert, die die Beamtenschaft in Auseinandersetzungen mit dem Herrscher gebrauchen könnten. Schließlich begründet dieses Lehrbuch eine Reihe von Gattungen (Bericht, Verordnung, Verlautbarung, etc.), die ebenso literarisch aufgenommen wurden. Nach einigen orientierenden Sitzungen, die sich mit Sonnenfels und Haindl beschäftigen, werden literarische Texte diskutiert (Meisl, Grillparzer, Stifter, Paoli, Christen, ...), um der Frage nachzugehen, inwieweit die politischen Ideale und rhetorischen Verfahren des josephinischen Beamtentums diese Texte und damit auch das kulturelle Leben zwischen den 1780er Jahren und 1848 prägten.

 

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').
Die Verwendung von KI ist mit dem LV-Leiter abzusprechen.
70% Bachelorarbeit
30% laufenden Mitarbeit und Diskussionsbeiträge

Es sind jede Woche Lektürefragen zu beantworten.
Für eine Sitzung ist die Moderation anhand eines Thesenpapiers zu gestalten.

Die Texte sind online zugänglich oder werden im Handapparat zur Verfügung gestellt.

 

Literatur

Waltraud Heindl: Gehorsame Rebellen. Bürokratie und Beamte in Österreich 1780-1848. Böhlau 1990.
Joseph von Sonnenfels: Über den Geschäftsstil. Wien 1784.

Weitere Texte und Bücher werden in der ersten Sitzung bekanntgegeben.

 

Prüfungsstoff

Abgabe aller Lektürefragen und der Abschlussarbeit bis Ende August 2024.
Moderation einer Sitzung und Erstellung eines Thesenpapiers.
Abgabe eines Exposés gegen Ende des Semesters.

 

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig. Maximal zweimaliges Fehlen ist erlaubt. Eine konsequenzlose Abmeldung ist bei wöchentlichen Lehrveranstaltungen bis vor der dritten LV-Einheit möglich, bei 14-tägigen Lehrveranstaltungen und Blöcken bis vor dem zweiten Termin.

Umfang der Abschlussarbeiten: Bachelorarbeiten 30 Seiten Haupttext

70% Bachelorarbeit
30% laufenden Mitarbeit und Diskussionsbeiträge