Vorlesungs­verzeichnis

Masterseminar NdL: Literarische Avantgarden in Österreich

100161 SE 2026S

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Donnerstag, 23.04.2026 13:15-14:45 Seminarraum 5 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 5

 

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Avantgarde ist ein Leitbegriff für die Künste des 20. Jahrhunderts, besonders deutlich in einigen Ballungen von 1910 bis 1933 und von den 1950er bis in die 1970er Jahre. Mit dem Etikett Avantgarde kann dabei sowohl eine epochenhistorische Klassifizierung, vergleichbar vorangegangenen Groß-Epochen, gemeint sein als auch die systematische Bestimmung einer künstlerischen Einstellung und eines den Kunstwerken ablesbaren Prinzips. Beide Ausdifferenzierungen des Begriffs Avantgarde werden im Seminar „Literarische Avantgarden in Österreich“ in ihren Grundzügen reflektorisch entfaltet und in ihren zentralen Konzepten an signifikanten Beispielen beleuchtet, wobei auf die Nachkriegsavantgarden ein besonderer Akzent gelegt wird.
Avantgarde wird dabei nicht als eine definitorische Setzung verstanden, sondern als eine formative Kraft. Die im Seminar angebotenen und diskutierten Erklärungsmodelle umfassen folgende Bereiche:
- die Hinwendung der Literatur auf ihr Material und ihre Medialität (wobei die Begriffe "Material, Medium, Form" ihrerseits eine Klärung erfahren sollen);
- die intermedialen Bezüge zu anderen Künsten (Musik, Film, Performance, Architektur und Mode) und die konkrete Kooperation von Künstler:innen als konstituierende Faktoren von Avantgarde;
- eine Befragung des über die formalen Mittel der Avantgarden hinaus wirksamen Prinzips, das einer so bezeichneten Transmedialität zugrunde liegt;
- die Aufhebung eines (organischen) Werkbegriffs;
- das Verhältnis von Avantgarde zur (Literatur- und Kunst-)Geschichte, Moderne und Postavantgarde;
- die Auflösung der Kategorie Kunst in Richtung Wissenschaft (etwa bei Oswald Wiener) und in Richtung politischer Zerfallsformationen (Anarchismus);
- den Erkenntnisanspruch der Avantgarde, Kunst als Erklärungsform jenseits dessen zu setzen, was der Wissenschaften unzugänglich ist;
- die Rolle, die die Gruppenarbeit, das Manifest und andere genuine Ausdrucksformen für das Selbstverständnis der Avantgarde spielen;
- die genealogische Einschreibungen der Avantgarde, ablesbar auch an Archiven und Museen;
- die soziohistorischen und ökonomischen Voraussetzungen, die zur Ausbildung von Avantgarde führen und umgekehrt: die soziohistorischen Impacts von Avantgarde;
- die Frage nach der Aktualität oder dem Ende von Avantgarde.
Das Seminar lotet solche Fragen in erster Linie an Phänomenen der österreichischen literarischen Nachkriegs-Avantgarden aus. Die österreichische Avantgarde soll in ihren spezifischen Erscheinungsformen greifbar gemacht und dabei in einen internationalen Zusammenhang eingebettet werden.

 

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').

Gefordert sind:
- Anwesenheit, Teilnahme an den Diskussionen in Kleingruppen und im Plenum
- Impulsreferat incl. PPP, Verfassen eines Handouts, Formulierung von vier Leitfragen, Diskussionsleitung
- Seminararbeit im Umfang von 25 Seiten Haupttext, Abgabe bis spätesten 15. 11. 2026, 24h, in gedruckter und elektronischer Form.
- Erfolgt die Abgabe nicht bis zum 15. 11. 2026, 24h, wird die gesamte Lehrveranstaltung negativ beurteilt.
- Wenn die Seminararbeit zeitgerecht abgegeben und negativ beurteilt wird und damit die Beurteilung der gesamten Lehrveranstaltung negativ ist, wird den Studierenden eine Verbesserungsmöglichkeit eingeräumt. Die Studierenden erhalten in diesem Fall ein Feedback mit Kriterien, die sie erfüllen müssen, damit die Teilleistung noch positiv beurteilt werden kann. Diese Kriterien müssen bis spätestens 30.11.2026 erfüllt werden, indem die verbesserte Seminararbeit bis 30. 11. 2026, 24h, in gedruckter und elektronischer Form erneut eingereicht wird. Sollte die Frist versäumt oder sollten die Kriterien nicht erfüllt werden, wird die gesamte LV negativ beurteilt.

 

Literatur

• Asholt, Wolfgang; Fähnders, Walter (Hg.): "Die ganze Welt ist eine Manifestation". Die europäische Avantgarde und ihre Manifeste. Darmstadt 1997.
• Asholt, Wolfgang (Hg.): Avantgarde und Modernismus. Dezentrierung, Subversion und Transformation im literarisch-künstlerischen Feld. Berlin 2014.
• Beyme, Klaus von: Das Zeitalter der Avantgarden. Kunst und Gesellschaft 1905-1955. München 2005
• Buchloh, Benjamin H.D.: Neo-Avantgarde and Culture Industry. Essays on European and American Art from 1955 to 1975. Cambridge/Massachusetts 2000.
• Bürger, Peter: Avant-Garde and Neo-Avant-Garde. An Attempt to Answer Certain Critics of Theory of the Avant-Garde. In: New Literary History, 41, 2010, S. 695-715.
• Bürger, Peter: Theorie der Avantgarde. Frankfurt a.M. 1974.
• Bürger, Peter: Nach der Avantgarde. Weilerswist 2014.
• Eder, Thomas; Klaus Kastberger (Hg.): Schluß mit dem Abendland! Der lange Atem der österreichischen Avantgarde. Wien 2000, S. 27–40 (= Profile 5).
• Enzensberger, Hans Magnus: Die Aporien der Avantgarde. In: ders.: Einzelheiten II. Poesie und Politik. Frankfurt/M. 1970, S. 50-80.
• Erstic, Marijana; Gregor Schuhen, Tanja Schwan (Hg.): Avantgarde – Medien – Performativität: Inszenierungs- und Wahrnehmungsmuster zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Bielefeld 2015.
• Foster, Hal: The Return of the Real. The Avant-Garde at the End of the Century. Cambridge/Massachusetts 1996.
• Groys, Boris: Über das Neue. Versuch einer Kulturökonomie. München, Wien 1992.
• Ihrig, Wilfried: Literarische Avantgarde und Dandysmus. Eine Studie zur Prosa von Carl Einstein bis Oswald Wiener. Frankfurt/M. 1988.
• Innerhofer, Roland: Die Grazer Autorenversammlung (1973-1983). Zur Organisation einer “Avantgarde”. Wien/Köln/Graz 1985.
• Jäger, Georg: Avantgarde. In: Weimar, Klaus (Hg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Bd. 1. Berlin, New York 1997, S. 183-187.
• Kastberger, Klaus: Wien 1950/60. Eine österreichische Avantgarde – Vienna 1950/60. An Austrian Avant-Garde. In: Berthold Ecker u. Wolfgang Hilger (Hg.): Die fünfziger Jahre. Kunst und Kunstverständnis in Wien – The 1950s. Art and Art Appreciation in Vienna. Wien/New York 2009. 35–46.
• Kraus, Rosalind E.: Die Originalität der Avantgarde und andere Mythen der Moderne. Amsterdam, Dresden 2000.
• Kucher, Primus-Heinz (Hg.): Verdrängte Moderne – vergessene Avantgarde. Diskurskonstellationen zwischen Literatur, Theater, Kunst und Musik in Österreich 1918–1938. Göttingen 2016.
• Lüdke, Martin (Hg.): ‚Theorie der Avantgarde‘. Antworten auf Peter Bürgers Bestimmung von Kunst und bürgerlicher Gesellschaft. Frankfurt a.M. 1976.
• Magerski, Christine: Theorien der Avantgarde. Gehlen–Bürger–Bourdieu–Luhmann. Wiesbaden 2011.
• Magerski, Christine: Zu den Möglichkeiten literaturwissenschaftlicher Theoretisierung der Avantgarde. In: Zagreber Germanistische Beiträge, 2023-12, Vol. 32 (1), S. 19-36.
• Müller, Sabine; Roland Innerhofer: Humanversuche. Avantgarde, Experiment und Wissenschaft im Kon/Text der verbesserung von mitteleuropa. In: Elisabeth Großegger; Sabine Müller (Hg.): Teststrecke Kunst. Wiener Avantgarden nach 1945. Wien 2012. S. 201–232.
• Scherer, Ludger; Lohse, Rolf (Hg.): Avantgarde und Komik. Berlin 2016.
• Scheunemann, Dietrich (Hg.): Avant-Garde/ Neo-Avant-Garde. Amsterdam 2005.
• Seyfarth, Andrea: Selbstreflexive Avantgarde. Bazon Brock über Innovation und Tradition. Paderborn 2022.
• Van den Berg, Hubert; Fähnders, Walter (Hg.): Metzler Lexikon Avantgarde. Stuttgart/Weimar 2009.
• Vervaeck, Bart et. al.: Introduction. In : ders. (Hg.): Neo-Avant-Gardes. Post-War Literary Experiments Across Borders. Edinburgh 2021, S. 1-30.
• Weibel, Peter (Hg.): die wiener gruppe. ein moment der moderne 1954–1960. die visuellen arbeiten und die aktionen the visual works and the actions. Wien/New York 1997.
• Zupfer, Simone: Avantgarde als Netzwerk. In: Zagreber Germanistische Beiträge, 2023 (32), S. 5-18.

 

Prüfungsstoff

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

 

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig.

Studierende, die der ersten Einheit unentschuldigt fern bleiben, verlieren ihren Platz in der Lehrveranstaltung.

Maximal zweimaliges Fehlen ist erlaubt. Eine konsequenzlose Abmeldung ist bei wöchentlichen Lehrveranstaltungen bis vor der dritten LV-Einheit möglich, bei 14-tägigen Lehrveranstaltungen und Blöcken bis vor dem zweiten Termin.

Umfang der Abschlussarbeiten: Seminararbeiten 25 Seiten Haupttext

Das Hauptgewicht der Beurteilung liegt auf der schriftlichen Seminararbeit.

Modul V Masterseminar mit Zusatzleistung aus dem Master Deutsche Philologie (12 ECTS): Für die Aufwertung des Seminars um 6 ECTS muss eine verpflichtende schriftliche Mehrleistung (10 Seiten Haupttext) erbracht werden, d.h. es muss eine Seminararbeit im Umfang von 35 Seiten Haupttext verfasst werden.

Anforderungen und Beurteilungskriterien:
- Aktive Teilnahme an sämtlichen Sitzungen durch Fragen und Diskussionsbeiträge
- Klare Struktur und wirkungsvolle Technik des Impulsvortrags
- Handout: effizient und konzise aufbereitete Informationen, klare Struktur, Auswahl markanter, aussagekräftiger Zitate
- Leitfragen: Relevante, offene Fragen, Bevorzugung kontroverser Fragestellungen
- Umsichtige Diskussionsleitung, die Impulse setzt, ohne die Diskussion rigide zu steuern.

Beurteilungskriterien für die Seminararbeiten:

Forschungsstand
- Reflektierte Kenntnis des Forschungsstands
- Angemessenheit der Auswahl der zitierten Literatur
- Wissenschaftlichkeit der Quellen (Lexika, Monographien, Aufsätze etc.)
- Konsistente Einbettung in den aktuellen Forschungsstand

Theorie und Methode
- Präzisierung von Fragestellung(en), Ziel(en) und/oder Hypothese(n)
- Klarheit und Nachvollziehbarkeit der Formulierung und Begriffsverwendung
- Erklärung und Begründung des methodischen Vorgehens
- Gegenstandsangemessenheit des methodischen oder theoretischen Paradigmas
- Methodische und theoretische Problembewusstheit

Struktur und Aufbau
- Plausibilität der Gesamtstruktur der Arbeit
- Stimmigkeit der jeweiligen Abschnitte in sich
- Logische Abstimmung und Balance der Abschnitte untereinander (Textkohärenz und -kohäsion)
- Plausible Rahmung durch Einleitung und Schluss

________
100-90 P. = 1
89-80 P. = 2
79-70 P. = 3
69-60 P. = 4
59-0 P. = 5