Masterseminar NdL: "Hoch der menschliche Trotz" (Peter Handke)
Traditionen der Widersetzlichkeit in der (österreichischen) Literatur
100159 SE 2025W
Vortragende:
Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung
Der Trotz als ambivalente menschliche Haltung bzw. Eigenschaft zeigt sich in der Literaturgeschichte als starkes Movens. Vor dem Hintergrund von Peter Sloterdijks Modell der "thymotischen" Affekte - im Kontrast zu den erotischen - beleuchtet das Seminar die vielfältigen literarischen Erscheinungsformen des Begriffs in ihren politischen und psychologischen Aspekten. Trotz bedeutet Aufmüpfigkeit und Widerstandskraft gegen eine Übermacht, bedeutet Aushalten und Ausharren in Bedrängnis, Trotz meint aber auch kindischen Eigensinn, Neinsagen aus Prinzip und Ressentiment. In der Literatur gelten trotzige Heldinnen und Helden als dankbarer Stoff - aber nicht erst seit Kleists "Michael Kohlhaas" sind wir beim Lesen nicht selten hin- und hergerissen zwischen Bewunderung und Befremden. Aktuelle politische Entwicklungen lenken den Blick auf den Wutbürger als das Zerrbild des Trotzigen. Gerade in der österreichischen Literatur sind Traditionen der mehr oder minder verhüllten Widersetzlichkeit und des trotzig-zornigen Rebellentums wirkmächtiger als jene der planmäßigen Revolution. Im Seminar werden ausgewählte Texte einer genauen Lektüre unterzogen und in historischen Kontext gestellt. Dabei geht es nicht zuletzt um die Frage der formalen Inszenierung von Trotz und Widerstandspathos.
Dies ist ein Seminar für alle, die gerne lesen (primär: Primärliteratur).LITERATUR (Auswahl)Sophokles: AntigoneHeinrich von Kleist: Michael KohlhaasFerdinand Raimund:Der Alpenkönig und der MenschenfeindJohann Nestroy: Freiheit in Krähwinkel
Der ZerrisseneAdalbert Stifter: Der HagestolzMarie von Ebner-Eschenbach: Mašlans Frau
Die Totenwacht
Die Unverstandene auf dem Dorfe
Er laßt die Hand küssen
HirzepinzchenPeter Rosegger: Jakob der LetzteGottfried Keller: Pankraz, der SchmollerArthur Schnitzler: Professor BernhardiTheodor Kramer: Die GaunerzinkeHugo Sonnenschein: Der Bruder Sonka und die allgemeine SacheJura Soyfer: Der Lechner Edi schaut ins ParadiesMarlen Haushofer: Himmel, der nirgendwo endetThomas Bernhard: Der Keller
Wittgensteins Neffe
Holzfällen
Meine PreiseMartin Walser: Finks KriegPeter Handke: Eine winterliche Reise ...
Der große Fall
Immer noch Sturm
Zwiegespräch
Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel
Erlaubte Hilfsmittel:
Computer
Papier und Stift
Natürliche IntelligenzKI-Tools werden ausdrücklich NICHT als erlaubte Hilfsmittel angeführt. Ihr Einsatz mag nicht nachweisbar sein, aber wenn Sie aus dem von ChatGPT Gelieferten nichts Brauchbares machen, fällt es auf Sie zurück.Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').
Literatur
HINWEISE zur SEKUNDÄRLITERATUR
Karl Abraham, Ergänzungen zur Lehre vom Analcharakter. In: Internationale Zeitschrift für Psychoanalyse, Band IX, Nr. 1, 1923, S. 27–47Ines Böker: Die Ethik der Widersetzlichkeit. Theoretische und literarische Transformationen der Antigone. Peter Lang: Berlin u.a.: 2019Franz M. Eybl: Kleist-Lektüren. Wien: Facultas 2007Sigmund Freud: Charakter und Analerotik. Gesammelte Werke, Band 7, 1908, S. 203–209Sigmund Freud: Über Triebumsetzungen insbesondere der Analerotik. In: Sigmund Freud (Hrsg.): Internationale Zeitschrift für Ärztliche Psychoanalyse. Band IV, Nr. 3. Wien 1917, S. 125–130Rupert Gaderer: Querulieren. Kulturtechniken, Medien und Literatur 1700-2000. Heidelberg: Metzler 2021Hans von Hentig: Der Desperado. Ein Beitrag zur Psychologie des regressiven Menschen. Berlin u.a.: Springer 1956Peter Sloterdijk: Zorn und Zeit. Politisch-psychologischer Versuch. Frankfurt/M.: Suhrkamp 2006Daniela Strigl: Zum Trotz. Erkundung einer zwiespältigen Eigenschaft. Salzburg: Residenz Verlag 2025
Prüfungsstoff
- Lektüre der im Seminar behandelten Werke
- Abgabe Seminararbeit (Umfang 25 Seiten Haupttext)
- Kurzreferat und Teilnahme an Podiumsgespräch
- Thesenpapier
- Lektüreberichte
- Mitarbeit
Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab
Bei prüfungsimmanenten Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 besteht grundsätzlich Anwesenheitspflicht.
Studierende, die der ersten Einheit unentschuldigt fern bleiben, verlieren ihren Platz in der Lehrveranstaltung.
Maximal dreimaliges entschuldigtes Fehlen ist erlaubt. Eine konsequenzlose Abmeldung ist bis zur dritten LV-Einheit möglich.
- Referat/PodiumsgesprächDas Hauptgewicht der Beurteilung liegt auf der schriftlichen Seminararbeit.Modul V Masterseminar mit Zusatzleistung aus dem Master Deutsche Philologie (12 ECTS): Für die Aufwertung des Seminars um 6 ECTS muss eine verpflichtende schriftliche Mehrleistung (10 Seiten Haupttext) erbracht werden, d.h. es muss eine Seminararbeit im Umfang von 35 Seiten Haupttext verfasst werden.
Abkürzungen: ÄdL: Ältere deutsche Sprache und Literatur – DaF/Z: Deutsch als Fremd- und Zweitsprache – FD: Fachdidaktik Deutsch – NdL: Neuere deutsche Literatur – SpraWi: Sprachwissenschaft
