Bachelorseminar Sprachwissenschaft: Scherzkommunikation
100144 SE-B 2026S
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Dienstag, 17.03.2026 11:30-13:00 Seminarraum 4 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 5
Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung
Als man sich im Zuge der pragmatischen Öffnung der Linguistik in den 1970er und 1980er Jahren mehr praxisorientieren Themenstellungen zuwandte, war auch bald die Frage aufgeworfen, wie man Komik und Humor linguistisch erfassen und beschreiben könne. Besonders in diesen beiden Jahrzehnten erschienen bis heute bedeutende Untersuchungen, z.B. von Helga Kothoff. Zunächst bieten sich, wie bei vielen pragmatischen Themen, zwei generelle Zugangsweisen an: Die Betrachtung der metasprachlichen und der objektsprachlichen Ebene. Eine „Linguistik der Emotionen“ wurde ebenfalls in den 1970er Jahren geschaffen, allerdings zuerst im englischsprachigen Raum. In der deutschsprachigen Linguistik fand das Thema erst so um die Jahrtausendwende Eingang. Lachen kann dabei linguistisch zweifach betrachtet werden: Zum einen metasprachlich, indem man fragt, wie kann Lachen und damit Humor mit sprachlichen Mitteln beschrieben werden. Zum anderen geht es um Lachen als Emotion, als Ausdruck von Freude und damit Lachen als Objektsprache und objektsprachliches Mittel.
Man könnte als Grundlage für eine systemlinguistische Herangehensweise nach einer „Semiotik des Lachens“ fragen. Erlaubt die Semiotik als Lehre von den Zeichen, auch Äußerungen des Lachens (Lachgeräusche) als Zeichen aufzufassen? Heute erfolgt die linguistische Analyse von Scherzkommunikation aber primär pragmatisch. Man kann zwar auch systemlinguistische Merkmale ausmachen, etwa bei Wortspielen, aber gerade bei der Textsorte „Witz“ erweist sich die pragmatische Analyse als weitaus zielführender. Dies beginnt schon bei der Einbettung von Scherzkommunikation in die „Lebenswelten“, also das „Weltwissen“, der Hörer, das die Voraussetzungen bildet, damit ein Witz überhaupt verstanden wird.
Als pragmatische Elemente sind vor allem konversationelle Implikaturen, Verletzungen der Grice’schen Maximen, die Übertreibung und die Kommunikationsabsicht (Unterhaltung, Vergnügen). Die Prozesse der Produktion und Rezeption von Komik finden unter sozialer Beteiligung der Betroffenen statt, v.a. der Einbindung des Individuums in die Gesellschaft; dadurch produzieren Beteilige in gemeinsamer Kooperation „Sinn“ selbst. Man kann also Humor als „Sinnüberschneidung mit sprachlichen Mitteln“ bezeichnen, wobei der Untersuchung systemlinguistische, semantische, pragmatische Mittel zugrunde gelegt werden müssen. Ein Desiderat bleibt immer noch die (vollständige) Beschreibung von Scherzkommunkation nach Medien und Textsorten.
Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel
Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').
Abschlussarbeit von mind. 30 Seiten Haupttext. Abgabe bis 31.7.2026. Danach erfolgen in 4 Wochen Korrekturen und Notenvorschlag (also bis 31.8.2026). Alle Arbeiten können bei negativer Beurteilung, aber auch sonst in einer überarbeiteten Fassung noch einmal abgegeben werden. Spätester endgültiger Abgabetermin ist der 30.9.2026.Beurteilt werden: Referat, Mitarbeit, Übungen, Abschlussarbeit. Hauptgewicht liegt auf der schriftlichen Arbeit.Der Einsatz von KI ist in jeglicher Form verboten.
Literatur
Wird ab der 1. Einheit laufend bekannt gegeben; selbstständiges Bibliografieren notwendig.
Prüfungsstoff
Es werden keine Prüfungen abgehalten.
Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig.
Studierende, die der ersten Einheit unentschuldigt fern bleiben, verlieren ihren Platz in der Lehrveranstaltung.Maximal zweimaliges Fehlen ist erlaubt. Eine konsequenzlose Abmeldung ist bei wöchentlichen Lehrveranstaltungen bis vor der dritten LV-Einheit (= 17.3.2026) möglich, bei 14-tägigen Lehrveranstaltungen und Blöcken bis vor dem zweiten Termin.
Abkürzungen: ÄdL: Ältere deutsche Sprache und Literatur – DaF/Z: Deutsch als Fremd- und Zweitsprache – FD: Fachdidaktik Deutsch – NdL: Neuere deutsche Literatur – SpraWi: Sprachwissenschaft
