Vorlesungs­verzeichnis

DaF/Z: Sprache(n) & Zugehörigkeit(en)

100143 SE 2023W

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Vortragende:

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

INHALTE:
Migrationsgesellschaften wie Österreich sind in einem hohen Ausmaß durch Diversität und Mehrfachzugehörigkeiten ihrer Mitglieder geprägt. Sprachen sind darin als Komminikationsmittel ein wichtiges Element, um ebendiese Zugehörigkeiten zu schaffen. Sie werden aber auch zum Distinktionsmittel, das vermeintliche Nicht-Zugehörigkeiten 'begründet ' (etwa entlang von 'class' oder 'race') und Sprecher:innen auf eine singuläre (NIcht-)Zugehörigkeit fixiert. Dies ist insbesondere im Zusammenhang mit verschiedenen Formen von Mehrsprachigkeiten auch für Bildungsteilhabe und -erfolg von großer Bedeutung (nicht Deutsch Muttersprachler:in, Schüler:in mit einer anderen Erstsprache als Deutsch, Schüler:in mit Migrationshintergrund u.ä.).

In diesem forschungspraktischen Seminar befassen wir uns aus kritischen Perspektiven (Stichwort: Intersektionalität, Rassimuskritik, Linguizismuskritik, Migrationspädagogik) mit Fragen nach dem Zusammenhang zwischen Sprachen und ihren '(il-)legitimen' Sprecher:innen. Z.B.:
Wie werden über Sprachen Zugehörigkeitsgrenzen gezogen?
Mit welchen weiteren Differenzlinien wird sprachbezogene (Nicht-)Zugehörigkeit verbunden?
In welchem Zusammenhang stehen Sprachzugehörigkeiten mit Vorstellungen von Sprachkompetenzen?
Welche Bedeutung entfaltet eine sprachbezogene (Nicht-)Zugehörigkeit im Bildungsverlauf?
u.v.m.

METHODEN:
Für eine differenzierte und fundierte Auseinandesetzung nutzen wir neben Forschungsliteratur v.a. schriftliche Sprachbiographien von Lehramtsstudierenden in Deutschland (NRW), die im Rahmen des Projektes "DaZu/ Aushandlung von Zugehörigkeiten im Kontext des ‘DaZ-Moduls’” von 2017 bis 2019 an der Bergischen Universität Wuppertal erhoben und analysiert wurden (vgl. Hägi-Mead et al. 2021, Knappik et al. 2022). Von den insgesamt 287 Biographien (228 einsprachig, 59 mehrsprachig) wurden in dem aktuell laufenden Projekt "merrem" (Mehrsprachigkeitsbezogenes Reflektieren in der Migrationsgesellschaft”; Leitung Univ.Prof.in Sara Hägi-Mead, BUW, Wuppertal), 16 Biographien nach dem Prinzip größtmöglicher Varianz ausgewählt und didaktisch aufbereitet. Diese Biographien bilden im Seminar die Grundlage für unsere Auseinandersetzungen und für die zu verfassenden Seminararbeiten. Sie werden
- in den Einheiten diskutiert,
- in Auszügen gemeinsam interpretiert sowie schließlich
- in Einzelarbeit für die eigene schriftliche Arbeit (unter der individuell gewählten Perspektive) analysiert.

Methoden im Überblick:
- Lektürereflexionen und -diskussionen (Fachliteratur) in verschiedenen Konstellationen
- schriftliche Reflexionen und Weiterentwicklung eigener Gedanken in einem Journal
- Erarbeitung eines Seminararbeitsthemas auf Basis der schriftlichen Sprachbiographien
- Entwicklung einer Forschungsperspektive für die Auswertung der empirischen Daten mittels Qualitativer Inhaltsanalyse
- Analyse von schriftlichen Sprachbiographien in Einzel- und Gruppenarbeit
- Erstellung eines Miniexposées zur Seminararbeit (6-8 Seiten)
- Verfassen einer Seminararbeit (25 Seiten Haupttext)

Schreibphasen, Interpretationsphasen sowie Zeiten für Feedback werden in die Einheiten inkludiert.
In das Journal-Writing wird eingeführt, Umsetzungsmöglichkeiten werden gemeinsam besprochen.
Die Entwicklung der Seminararbeit wird von der LV-Leiterin in den einzelnen Schreibphasen unterstützt. Es stehen verschiedene Feedbackmodi zur Verfügung, die im Seminar vorgestellt werden.

ZIEL des Seminars ist es, dass alle Teilnehmer:innen zum Thema "Sprache(n) und Zugehörigkeite(n)", mittels aktueller Forschungsliteratur, eine kleine empirische Arbeit, auf Basis der genannten Daten, unter der Einhaltung einer kritischen Forschungsperspektive, konzipieren, als qualitative Inhaltsanalyse durchführen und ihre Forschung schließlich erfolgreich verschriftlichen und zeitgerecht abgeben.

 

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

engagierte Mitarbeit
kleine Lektüre- und Schreibaufgaben (ges. 5)
Abgabe eines Miniexposées für die Seminararbeit (6-8 Seiten; Abgabe bis 03.01.2024 auf Moodle)
Datenanalyse (1x Gruppenarbeit, 1x Einzelarbeit)
Seminararbeit (Abgabe bis: 25.02.2024 auf Moodle)

 

Literatur

Wird im Seminar besprochen und zur Verfügung gestellt.
Auswahl:

Akbaba, Y./Buchner, T./Heinemann, A.M.B./Pokitsch, D./Thoma, N. (Hrsg.) (2022): Lehren und Lernen in Differenzverhältnissen. Interdisziplinäre und intersektionale Betrachtungen. Wiesbaden: Springer VS.

Akbaba, Y./Heinemann, A.M.B. (Hrsg.) (2023). Erziehungswissenschaften dekolonisieren. Theoretische Debatten und praxisorientierte Impulse. Weinheim & Basel: Beltz Juventa,

Dirim, İ. (2010). „Wenn man mit Akzent spricht, denken die Leute, dass man auch mit Akzent denkt oder so.“ Zur Frage des (Neo-)Linguizismus in den Diskursen über die Sprache(n) der Migrationsgesellschaft. In: Mecheril, P. et al. (Hrsg.), Spannungsverhältnisse. Assimilationsdiskurse und interkulturell-pädagogische Forschung. Münster u. a.: Waxmann, 91-112.

Dirim, İ (2016). Sprachenverhältnisse. In: P. Mecheril (Hrsg.), Handbuch Migrationspädagogik. Weinheim & Basel: Beltz, 311-325.

Dirim, İ./Pokitsch, D. (2018). (Neo-)Linguizistische Praxen in der Migrationsgesellschaft und ihre Bedeutung für das Handlungsfeld ‚Deutsch als Zweitsprache‘.OBST (Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie)-Themenheft: Phänomen ‚Mehrsprachigkeit‘: Einstellungen, Ideologien, Positionierungspraktiken. Duisburg: Universitätsverlag Rhein-Ruhr, 13-32.

Döll, M., Guldenschuh, S. & Sonnberger, S. (2021). Studentische Perspektiven auf migrationsbedingt mehrsprachige Schüler_innen – Ergebnisse einer explorativen quantitativen Pilotstudie zu defizitperspektivischen Überzeugungen. ÖDaF-Mitteilungen. Fachzeitschrift für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache 37 (1/21), 7-24.

Fereidooni, K./ Simon, N (Hrsg.), Rassismuskritische Fachdidaktiken. Theoretische Reflexionen und fachdidaktische Entwürfe rassismuskritischer Unterrichtsplanung. Wiesbaden: Springer VS.

Gomolla, M./Radtke, F.-O. (2009). Institutionelle Diskriminierung. Die Herstellung eth-nischer Differenz in der Schule. Wiesbaden: Springer VS.

Karakaş, N.(2022). Migrationshintergrund – Problematisierung einer Differenzkonstruktion und ihrer Thematisierung in der Lehrer*innenbildung. In: Akbaba, Y./Bello, B./Fereidooni, K. (Hrsg.): Pädagogische Professionalität und Migrationsdiskurse. Wiesbaden: Springer, 9-28.

Hägi-Mead, S., Peschel, C., Atanasoska, T. Ayten, A. C., Knappik, M. (2021). Einstellungen zu Mehrsprachigkeit(en) bei angehenden Lehrkräften: Reflexionsprozesse im Schreiben sichtbar machen. In: ÖDaF-Mitteilungen 1/2021, 25-44.

Knappik, M, & Ayten, A. C. (2020). Was ist die beste Sprache? Zur Rassismusrelevanz der Ungleichmachung von Sprachen. In: Fereidooni, K & Simon, N (Hrsg.), Rassismuskritische Fachdidaktiken. Theoretische Reflexionen und fachdidaktische Entwürfe rassismuskritischer Unterrichtsplanung. Wiesbaden: VS

Knappik, M./Peschel, C../Hägi-Mead, S./Ayten, A. C./Atanasoska, T. (2022). Reflecting Lingualities and Positionalities for a Changing Ecuation System. In: Panagiotopoulou, J. A./Rosen, L./Strzykala, J. (Hrsg.). Inclusion, Education, and Translanguaging: How to Promote Social Justice in (Teacher) Education? Wiesbaden: Springer VS.

Mayring, P. (2015). Qualitative Inhaltsanalyse: Grundlagen und Techniken. Weinheim & Basel: Beltz Pädagogik.

Riegel, C. (2016a). Bildung – Intersektionalität – Othering. Pädagogisches Handeln in widersprüchlichen Verhältnissen. Bielefeld: transcript.

Pokitsch, D. (2022). Wer spricht? Sprachbezogene Subjektivierungsprozesse in der Schule der Migrationsgesellschaft. Wiesbaden: Springer VS.

Thoma, N (2022), Zur Verschränkung der Differenzkategorien Sprache, race und Religion. In: Akbaba, Y./Buchner, T./Heinemann, A.M.B./Pokitsch, D./Thoma, N. (Hrsg.) (2022): Lehren und Lernen in Differenzverhältnissen. Interdisziplinäre und intersektionale Betrachtungen. Wiesbaden: Springer VS, 67-8.

 

Prüfungsstoff

prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

 

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

- regelmäßige und engagierte Teilnahme an den einzelnen Sitzungen
- Interesse an der Thematik sowie Interesse daran sich mit diesen Themen lesend, schreibend und im gemeinsamen Austausch kritisch (!) zu befassen
- Interesse an qualitativer Sozialforschung (Es sind keine Vorkenntnisse nötig!)
- Offenheit, sich auf verschiedene Perspektiven einzulassen

Bitte beachten Sie:
1) Um die Erstellung der individuellen Seminararbeiten bestmöglich im Verlauf des Semesters zu unterstützen, ist geplant, dass bis zur letzten Einheit bereits 50%-75% der Inhalte für die schritlichen Arbeiten erarbeitet wurden. Dadurch ist der Arbeitsaufwand in dieser Lehrveranstaltung während des Semesters überdurchschnittlich hoch.
2) Wie üblich ist es möglich, drei Mal (à 90 Minuten) unbegründet zu fehlen. Da es sich um eine geblockte Lehrveanstaltung handelt, bedeutet dies allerdings, dass nur eine Einheit vollständig gefehlt werden kann.

Beurteilung:
Punkteverteilung für 6 ECTS (gesamt max. 200 Punkte)

- engagierte Teilnahme am Seminar: 25 Punkte
- kleine Lektüre- /Schreibaufgaben (ges. 5): 25 Punkte
- Mini-Exposé: 25 Punkte
- Datenanalyse 25 Punkte

- Seminararbeit 100 Punkte

Notenschlüssel (jeweils für 3 ECTS):
Sehr gut: 100-90 Punkte, Gut: 89-79 Punkte, Befriedigend 78-68 Punkte, Genügend: 67-56 Punkte, Nicht genügend: 55-0 Punkte

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig. Maximal zweimaliges Fehlen ist erlaubt. Eine konsequenzlose Abmeldung ist bei wöchentlichen Lehrveranstaltungen bis vor der dritten LV-Einheit möglich, bei 14-tägigen Lehrveranstaltungen und Blöcken bis vor dem zweiten Termin.

Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').

Umfang der Abschlussarbeiten: Seminararbeiten 25 Seiten Haupttext