Vorlesungs­verzeichnis

ÄdL: Frühneuhochdeutsche Glossare

100142 SE-B 2021W

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Vortragende:

Eine halbtägige Exkursion in die Stiftsbibliothek Klosterneuburg (Termin nach Vereinbarung) ist Teil des Seminars.

 

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Glossare mit frühneuhochdeutschem Sprachanteil sind sowohl handschriftlich als auch gedruckt in unterschiedlichsten Formen erhalten. Wir werden sie mit gängigen philologischen – also sprach- und literaturwissenschaftliche Aspekte verbindenden – Methoden analysieren:
- Erschließung und Einordnung von noch unbekanntem Material, indem es transkribiert, analysiert und mit bekanntem vergleichbaren Material in Beziehung gesetzt wird;
- Untersuchung der Schreibsprache: Inwiefern wird schon ein Standarddeutsch bzw. überregionale Verständlichkeit angestrebt?
- lexikographische Auswertung: da handschriftliche frühneuhochdeutsche Glossare erst relativ spät ediert wurden, fanden sie nur wenig Berücksichtigung im seit 1989 erscheinenden Frühneuhochdeutschen Wörterbuch: hier könnte man untersuchen, ob sie zusätzlichen Wortschatz böten.
- Beleuchtung von bekanntem, gedruckten oder bereits edierten Material mit Hilfe gängiger Forschungsansätze (kulturelle Voraussetzungen als Grundlage des Verständnisses, z.B. der seit 1515 Einfluss übende Humanismus; inwiefern ist ein Glossar ein Text, was macht ihn kohärent? Wie strukturiert ein Glossar das vermittelte Wissen? etc.).

Die Glossare sind großteils lateinisch-deutsch bzw. deutsch-lateinisch, daher sind Lateinkenntnisse unerlässlich für den Besuch des Bachelorseminars, oder polyglott wie die ersten Sprachführer für den aufkommenden ‚Tourismus‘. Viele sind für den Schulunterricht konzipiert. Neben alphabetisch, morphologisch oder etymologisch angeordneten Wörterbüchern gibt es auch Sachwörterbücher, anhand derer wir einen Einblick in die Lebens- und Schulwelt der damaligen Zeit bekommen. Erste Fachwörterbücher geben eine Vorstellung vom Wissensstand und der Terminologie der frühneuzeitlichen Fachprosa, etwa zu Botanik, Zoologie, Mineralogie, Medizin und Alchemie. Wir finden auch viele Neologismen und Lehnübersetzungen, einiges davon wurde sprachüblich, z.B. ‚Bargeld‘, ‚Schirmherr‘, ‚Sonnenuhr‘ und ‚Verlobung‘, anderes wie ‚halbmeister‘ zu lat. ‚baccalaureus‘ hat sich nicht durchgesetzt.
Auf dem Gebiet der handschriftlichen Glossare ist noch vieles unerforscht. Es handelt sich überwiegend um Glossare zu einzelnen Sachbereichen (Bezeichnungen von Tieren, Vögeln, Fischen, Reptilien, Bäumen, Pflanzen, Krankheiten, Steinen, Artes-Wortschatz, juristische Terminologie), um grammatische Vokabulare (Verba simplicia, Verba composita, Adverbien, Präpositionen) und um Glossare zu speziellen Texten (Bibel, Liturgie, Legenden).

 

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

s.u.

 

Literatur

Klaus Grubmüller, Vocabularius Ex quo. Untersuchungen zu lateinisch-deutschen Vokabularen des Spätmittelalters. München 1967 (Münchener Texte und Untersuchungen zur deutschen Literatur des Mittelalters 17).
Klaus Grubmüller, Die deutsche Lexikographie von den Anfängen bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts, in: Wörterbücher. Ein internationales Handbuch zur Lexikographie, Zweiter Halbband, hg. von Franz Josef Hausmann u.a. Berlin/New York 1990 (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 5.2), S. 2037-2049.
Wilfried Kettler, Untersuchungen zur früneuhochdeutschen Lexikographie in der Schweiz und im Elsass: Strukturen, Typen, Quellen und Wirkungen von Wörterbüchern am Beginn der Neuzeit, Bern, Wien u.a. 2008.

 

Prüfungsstoff

-

 

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Ohne Lateinkenntnisse ist der Besuch des Seminars sinnlos!
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig.
Umfang der Bachelorarbeit: 30 Seiten Haupttext (also ohne Titel, Inhaltsverzeichnis und Bibliographie). Abgabe bis spätestens 31. März 2022 in ausgedruckter Form und als PDF. Exposé und Präsentation des Vorhabens im Plenum. Mitarbeit/Diskussion im Plenum