Bachelorseminar NdL: Linguistische Analyse literarischer Sätze
100141 SE-B 2025W
Vortragende:
Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung
Die menschliche Sprache ist ein gemeinsamer Bezugspunkt der Literatur- und der Sprachwissenschaft, die Arbeitsweisen und Fragestellungen beider Disziplinen haben sich jedoch unterschiedlich entwickelt. Die Sprachwissenschaft ist im Laufe des 20. Jahrhunderts zu einer Disziplin geworden, die überwiegend an formalen und systembezogenen Aspekten von Sprache interessiert ist. Vom einzelnen Laut und seiner Funktion im Sprachsystem über das Wort zum Satz, vom Satz zum Text, vom Text zum Diskurs; die Sprachwissenschaft untersucht sprachliche Muster und Regelhaftigkeiten, ihre historische Entwicklung und Variation. Ihre Zugangsweise ist dabei vorwiegend empirisch ausgerichtet. Die Literaturwissenschaft hingegen richtet ihr Augenmerk auf die ästhetischen und historischen Aspekte literarischer Texte. Gattungen, Sujets und Motive sind ebenso wie Autor:innen, Epochen, Produktions- und Rezeptionsbedingungen relevant. Im Zentrum dieses Seminars steht dennoch die Frage, wie Linguistik und Literaturwissenschaft in einen produktiven Dialog treten können.
Die Lehrveranstaltung versucht, beide Disziplinen über grammatische Phänomene einander anzunähern. Nicht nur sollen mit linguistischen Mitteln literarische Texte analysiert, sondern auch diese Mittel mithilfe des literarischen Textes differenziert werden. Wie werden syntaktische Kategorien und Strukturen, Wortbildung und -wahl oder lautliche Muster in der Literatur eingesetzt? Wie und wozu nutzen literarische Texte die Ausdrucksmöglichkeiten, die die Sprache bietet, und wie unterlaufen oder erweitern sie diese? Viele literarische Text brechen bewusst mit den Normen der Schulgrammatik, sind sprachlich innovativ und entwickeln neue Möglichkeiten des Ausdrucks. Umgekehrt können linguistische Analysen durch eine Beschäftigung mit sprachlich avancierter Literatur das Verständnis grammatischer Kategorien erweitern. Die Lehrveranstaltung möchte also die Analyse literarischer Texte um eine linguistische Perspektive ergänzen und gleichzeitig das Verständnis für sprachsystembezogene Phänomene anhand literarischer Beispiele vergrößern.Den produktiven Verbindungen zwischen der Literaturwissenschaft und der Linguistik soll in folgender Weise nachgegangen werden: Nach einer einführenden Diskussion theoretischer Texte über die Funktion der Linguistik innerhalb der Literaturwissenschaft (Roman Jakobson u.a.) und über den Stellenwert der Literatur innerhalb der Linguistik (Vilmos Ágel u.a.), konzentriert sich das Seminar auf unterschiedliche Kategorien und Phänomene der Sprachwissenschaft mittels jeweils eines literarischen und eines sprachwissenschaftlichen Textes. Beispielsweise wird die Verwendung von Komposita und Wortarten anhand von Texten diskutiert, deren sprachliche Eigenheiten dem Bereich der Bürokratie oder Gesetzgebung entstammen.Die Analyse zur Informationshierarchie deutschsprachiger Sätze (Judith Macheiner) wird der Thema-Rhema-Struktur in Kurzprosatexten (Franz Kafka) gegenübergestellt. Eine Sitzung zur indirekten Rede kombiniert Auszüge von Thomas Bernhard mit der Theorie von Walentin Nikolajewitsch Woloschinow. Weitere Themen und Verbindungen (Metaphernfelder (Elfriede Jelinek), Modus (Robert Musil), komplexe Sätze (Heinrich von Kleist), …) werden in der ersten Sitzung vorgestellt und gemeinsam mit den Teilnehmer:innen abgestimmt.
Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel
Diskussionleitung, Protokoll, BA-Arbeit (siehe Beurteilungsmaßstab).
Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').
Literatur
Wird in der ersten Sitzung bekanntgegeben.
Prüfungsstoff
Wird in der ersten Sitzung bekanntgegeben.
Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab
Neben der aktiven Teilnahme und der genauen Lektüre der Texte werden den Teilnehmer:innen zwei Aufgaben gestellt. Erstens muss die Moderation einer Sitzung übernommen werden, indem produktive Fragestellungen für die gelesenen Texte erarbeitet werden, welche die Diskussion strukturieren. Um das Seminar insgesamt kohärent zu gestalten, ist auch für jede Sitzung ein Protokoll anzufertigen, das die Thesen und Kontroversen pointiert zusammen fasst.
Notenschlüssel:Protokoll: 15%
Diskussionsleitung: 15%
BA-Arbeit: 70%Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig.
Studierende, die der ersten Einheit unentschuldigt fern bleiben, verlieren ihren Platz in der Lehrveranstaltung.
Maximal zweimaliges Fehlen ist erlaubt. Eine konsequenzlose Abmeldung ist bei wöchentlichen Lehrveranstaltungen bis vor der dritten LV-Einheit möglich, bei 14-tägigen Lehrveranstaltungen und Blöcken bis vor dem zweiten Termin.Umfang der Abschlussarbeiten: Bachelorarbeiten 30 Seiten HaupttextDas Hauptgewicht der Beurteilung liegt auf der schriftlichen Bachelorarbeit.
Abkürzungen: ÄdL: Ältere deutsche Sprache und Literatur – DaF/Z: Deutsch als Fremd- und Zweitsprache – FD: Fachdidaktik Deutsch – NdL: Neuere deutsche Literatur – SpraWi: Sprachwissenschaft
