Konversatorium NdL: Poesie der Höhe. Literatur und Alpinismus
100134 KO 2026S
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Dienstag, 17.03.2026 18:30-20:00 Seminarraum 4 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 5
Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung
Innerhalb der kulturellen Geographie der Neuzeit erscheinen Berge in sehr unterschiedlicher Gestalt: Anfänglich noch ein unwirtlicher und menschenfeindlicher ›locus horribilis‹, gelten sie bald schon als Grenzregion erhabener Selbstbewährung oder auch als Hort einer schlechtweg idyllischen Natur, ehe sie zuletzt zum Schauplatz eines unaufhaltsamen ökologischen Niedergangs geworden scheinen. Diese Geschichte der ›Kulturlandschaft Alpen‹ nachzeichnen soll das Seminar mittels kunst- und kulturphilosophischer, vor allem aber literarischer Texte (von Albrecht Haller bis Christoph Ransmayr) und mittels dokumentarischer oder fiktionaler Filme (seit den 1920er Jahren).
Ausgangspunkt wird die literarhistorisch wohl erste Beschreibung des Hochgebirges durch Francesco Pertrarca sein. Der Bericht von seiner Ersteigung des Mont Ventoux im Jahre 1336 wurde als Allegorie spiritueller Erhebung verstanden, aber auch als poetologische Metapher des dichterischen Schreibprozesses, als literarische Entdeckung von »Landschaft« und nicht zuletzt als Markierung einer regelrechten Epochenschwelle, nämlich der zwischen Mittelalter und Renaissance. Von hier ausgehend lassen sich erste Leitfragen für das Seminar formulieren: etwa die nach den spezifischen Wahrnehmungsbedingungen, nach der besonderen ›aisthesis‹ des Hochgebirgs (die etwa bei Adalbert Stifter im Zentrum steht); oder die nach jenen Textformen (vom Reisebericht bis hin zu fiktionalen Erzählgattungen), mit denen man die alpine Erkundung von jeher begleitet und dokumentiert hat.Vor diesem Hintergrund sollen auch die ersten naturwissenschaftlichen Erforschungen des Gebirgs – wie sie bereits Hallers Gedicht Die Alpen (1729) zugrundeliegen – Thema sein, ebenso wie das proto-ethnologische Interesse, das Alpenreisende wie Goethe an Berg- und Talgemeinden nahmen; die pathologischen oder heilsamen Wirkungen des Hochgebirgs, wie sie im Erzählen von Georg Büchner bis Thomas Mann bedeutsam sind; die Rolle regionaler Erzähltraditionen etwa bei Peter Rosegger und Charles Ferdinand Ramuz; das formale Ausdrucksspektrum der alpinen Literatur und des ›Bergfilms‹ zwischen volkstümlichem Kitsch und avantgardistischem Experiment; schließlich das existentialistische Pathos oder auch die eskapistische Hoffnung, zu der Berge – nicht nur bei Ludwig Hohl und Annemarie Schwarzenbach – offenkundig immer wieder nötigen.
Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel
Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').
Die Bewertung gilt zum einen den während des Semesters zu erbringenden Leistungen. Zum anderen steht am Ende des Semesters eine mündliche Prüfung über die erarbeiteten Inhalte und die Semesterlektüre.
Literatur
Kathrin Geist, Berg-Sehn-Sucht. Der Alpenraum in der deutschsprachigen Literatur, Paderborn 2018.
Weitere Literaturhinweise erfolgen im Seminar.Forschungsliteratur und kürzere Texte werden über Moodle bereitgestellt; entsprechend der Absprache zu Semesterbeginn sind evt. einige der längeren Texte von den Teilnehmenden selbst anzuschaffen.
Prüfungsstoff
Einzelthemen des Konversatoriums
Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig.
Studierende, die der ersten Einheit unentschuldigt fern bleiben, verlieren ihren Platz in der Lehrveranstaltung.Maximal zweimaliges Fehlen ist erlaubt. Eine konsequenzlose Abmeldung ist bei wöchentlichen Lehrveranstaltungen bis vor der dritten LV-Einheit möglich, bei 14-tägigen Lehrveranstaltungen und Blöcken bis vor dem zweiten Termin.Erwartet wird – neben der aktiven und regelmäßigen Teilnahme – die Mitwirkung in einer Expertengruppe, die den Stoff einer Sitzung aufbereitet und präsentiert; mindestens eine Respondenz zur Präsentation einer anderen Expertengruppe; und das Erscheinen zur abschließenden mündlichen Prüfung.
Abkürzungen: ÄdL: Ältere deutsche Sprache und Literatur – DaF/Z: Deutsch als Fremd- und Zweitsprache – FD: Fachdidaktik Deutsch – NdL: Neuere deutsche Literatur – SpraWi: Sprachwissenschaft
