Proseminar Sprachwissenschaft
Lexik und Lexikographie
100120 PS 2025S
Vortragende:
Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung
Ein Blick auf die Verkaufstische in Buchhandlungen erweckt schnell den Eindruck, dass sprachwissenschaftliche Inhalte nicht gerade zu den populärsten Sachgebieten zählen – mit einer bemerkenswerten Ausnahme: Wörterbücher. Die Bedeutung eines Wortes, seine Herkunft und die richtige Aussprache sind nicht nur für ein Fachpublikum mit linguistischem Hintergrund von Interesse, sondern auch für Menschen ohne sprachwissenschaftliche Vorkenntnisse. Doch während es sich bei den Begriffen „Flexiv“ und „Feim“ in beiden Fällen um Wörter der deutschen Sprache handelt, wird man das erste am ehesten in einem linguistischen Fachlexikon nachschlagen, das zweite in einem Dialektwörterbuch. Was also prägt den Wortschatz einer Sprache, und wie lässt er sich erfassen und beschreiben?
In diesem Proseminar wollen wir uns zunächst mit den Grundlagen der Lexik und der Lexikologie beschäftigen, d.h. mit der systematischen Betrachtung der Wörter und des Wortschatzes einer Sprache. Dabei wird es um die Fragen gehen, was ein Wort ist, wie Wörter aufgebaut sind und wie sie sich zum Lexikon zusammenfügen. Im weiteren Verlauf setzen wir uns intensiv mit Fragen, Inhalten und Methoden der Lexikographie, d.h. dem Erstellen von Wörterbüchern, auseinander. Gemeinsam klären wir, was ein Wörterbuch von einer Enzyklopädie unterscheidet, und lernen verschiedene Typen einsprachiger Wörterbücher kennen, darunter standardsprachliche Wörterbücher, Dialektwörterbücher, historische Wörterbücher und Aussprachewörterbücher. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Analyse von Wörterbüchern, von ihrer Makrostruktur (Gesamtaufbau) bis hin zur Mikrostruktur einzelner Wörterbucheinträge.
Neben diesen theoretischen Grundlagen widmen wir uns auch praktischen Aspekten der Wörterbuchherstellung und -nutzung. Ein besonderer Fokus liegt auf aktuellen Herausforderungen der digitalen Lexikographie: Welche neuen Möglichkeiten eröffnet der Wechsel von Print- zu elektronischen Medien? Welche Chancen und Probleme bringt der Einsatz von KI bei der Erstellung und Pflege von Wörterbüchern mit sich? Diese Fragen werden wir gemeinsam anhand konkreter Beispiele und Projekte diskutieren.
Ziel des Seminars ist, dass die Studierenden nicht nur einen theoretischen Einblick in die Wortschatzforschung und die Wörterbucherstellung erhalten, sondern sich die Inhalte ebenfalls in der Auseinandersetzung mit konkreten Wörterbuchprojekten – die in den Referaten präsentiert werden – sowie durch das Verfassen eines eigenen Wörterbuchartikels in der Praxis erarbeiten.
Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel
Regelmäßige Anwesenheit und aktive Mitarbeit, Referat, Verfassen eines Wörterbuchartikels, schriftliche Seminararbeit mit 15 Seiten Haupttext.
Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').
Literatur
Engelberg, Stefan & Lemnitzer, Lothar (2009): Lexikographie und Wörterbuchbenutzung. 4., überarbeitete und erweiterte Auflage. Tübingen: Stauffenburg.
Harm, Volker (2015): Einführung in die Lexikologie. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft.Schlaefer, Michael (2009): Lexikologie und Lexikographie. Eine Einführung am Beispiel deutscher Wörterbücher. 2., durchgesehene Auflage. Berlin: Erich Schmidt.Weitere Literatur wird im Seminar bekanntgegeben.
Prüfungsstoff
Grundlegende Inhalte des Seminars (Grundlagenlektüre sowie auf Moodle bereitgestellte Materialien)
Absprache des Referats- und Seminararbeitsthemas mit dem LehrveranstaltungsleiterUnterstützendes Lernmaterial wird auf Moodle bereitgestellt.
Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig. Maximal zweimaliges Fehlen ist erlaubt. Eine konsequenzlose Abmeldung ist bei wöchentlichen Lehrveranstaltungen bis vor der dritten LV-Einheit möglich, bei 14-tägigen Lehrveranstaltungen und Blöcken bis vor dem zweiten Termin.
Umfang der Abschlussarbeiten: Proseminararbeiten 15 Seiten HaupttextZusammensetzung der Abschlussnote:• 60% Proseminararbeit (15 Seiten Haupttext)
• 25% Referat
• 15% aktive Mitarbeit und Wörterbuchartikel
Abkürzungen: ÄdL: Ältere deutsche Sprache und Literatur – DaF/Z: Deutsch als Fremd- und Zweitsprache – FD: Fachdidaktik Deutsch – NdL: Neuere deutsche Literatur – SpraWi: Sprachwissenschaft
