Vorlesungs­verzeichnis

NdL: Der Österreichische Staatspreis für Literatur in den 1960er-Jahren

inhaltlicher und formaler Aufbruch des literarischen Kanons

100116 PS 2024S

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Nächster Termin

Dienstag, 25.06.2024 09:45-11:15 Seminarraum 2 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3

 

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Literaturpreise sind wichtige kulturpolitische Maßnahmen im Literaturbetrieb. Nicht nur internationale Preise wie der Nobelpreis für Literatur, sondern auch Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum wie der Deutsche Buchpreis oder der Österreichische Buchpreis lenken die Aufmerksamkeit auf bestimmte Texte. Literaturpreise bieten eine wichtige Orientierung, nicht nur für Leser*innen, sondern auch für Verlage, Literaturkritik und Bildungsinstitutionen, die wiederum alle an der Kanonisierung von Literatur beteiligt sind.

Ausgehend von der Frage nach dem Zusammenhang von Preisvergaben und Kanonisierungsprozessen beschäftigen wir uns in der Lehrveranstaltung mit den Österreichischen Staatspreisen für Literatur, die seit 1950 vergeben werden und als wichtigste Literaturpreise der Republik gelten. Zuletzt erhielt die Autorin Anna Baar den Preis im Jahr 2022. Es gibt zwar öffentliche Listen der Preisträger*innen, die Hintergründe der Preisvergabe sind in der Öffentlichkeit jedoch weitgehend unbekannt. Im Proseminar erhalten Sie Einblick in die Vergabe dieses Literaturpreises!

Auf welcher Grundlage wurde die jeweilige Entscheidung zur Vergabe der Staatspreise in den 1960ern getroffen? Wir gehen dieser Frage, die auch öffentlich zur Debatte stand, anhand von ausgewählten Quellen und Archivmaterialien nach: Dazu zählen Sitzungsprotokolle des Kunstsenats, Zeitungsberichte und schriftliche Gutachten, die die Jurymitglieder zu den Einreichungen für den Förderungspreis erstellten und die wir im Hinblick auf ihre Bewertungskriterien analysieren.

Während die Großen Staatspreise der 1950er-Jahre noch an mehrere Autor*innen vergeben wurden, die nationalsozialistisch belastet waren (u.a. Franz Nabl, Max Mell, Franz Karl Ginzkey), setzte in den 1960ern langsam eine inhaltliche und formale Öffnung ein: Für sein Gesamtwerk wurde z.B. der der ins Exil gegangene Dramatiker Fritz Hochwälder (1966) prämiert, der ebenfalls emigrierte spätere Nobelpreisträger Elias Canetti (1967) sowie Ingeborg Bachmann (1968) als Lyrikerin, Hörspiel- und Romanautorin. Einige Texte, die den Förderungspreis des Staatspreises in jährlich abwechselnd ausgeschriebenen Gattungen erhalten haben, gelten heute als Klassiker der österreichischen Literatur, darunter Hans Leberts Roman Die Wolfshaut (1962), Thomas Bernhards Frost (1967) oder Lyrik von Christine Lavant (1961). Unter den Auszeichnungen sind außerdem Werke der jungen Generation von Autor*innen zu entdecken, die in den 1960ern den österreichischen Literaturbetrieb eroberten, darunter Andreas Okopenko, Jeannie Ebner und Milo Dor.

Wir widmen uns in diesem Proseminar der Lektüre ausgewählter Texte der Staatspreisträgerinnen (gemeinsame Pflichtlektüre, Schwerpunkte durch Referate) und untersuchen exemplarisch die Kanonisierung der Autor*innen. Mechanismen der Kanonisierung werden in ihren vielfältigen Aspekten in der Lehrveranstaltung erarbeitet und anhand von ausgewählten theoretischen Texten aus literaturgeschichtlicher und feministischer Perspektive kritisch diskutiert.

Ziele der Lehrveranstaltung
- Auseinandersetzung mit literarischer Wertung und Reflexion von literaturgeschichtlichen Kanonisierungsprozessen
- Lektüre und Analyse von „Klassikern“ der österreichischen Literatur
- Auseinandersetzung mit dem österreichischen Literaturbetrieb der 1960er Jahre (Autor*innen, Medien, Institutionen) und v.a. der Geschichte des Österreichischen Staatspreises
- Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens und Recherchierens

Methodische Vorgangsweise
- Inputs der LV-Leitung und Diskussionen/Arbeit in Kleingruppen/Plenum
- Lektüre und Diskussion literarischer und theoretischer Texte
- Arbeitsaufträge, Referate und Erstellung einer PS-Arbeit

 

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').

 

Literatur

Obligatorisch ist die Lektüre grundlegender theoretischer und literarischer Texte. Diese werden zu Beginn des Semesters bekannt gegeben. Die Auswahl der Referatsthemen erfolgt gemeinsam in den ersten Sitzungen.

Zur Einführung:
Christoph Jürgensen / Antonius Weixler: Literaturpreise. Geschichte und Kontext. Stuttgart: Metzler 2021.

 

Prüfungsstoff

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

 

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig. Maximal zweimaliges Fehlen ist erlaubt. Eine konsequenzlose Abmeldung ist bei wöchentlichen Lehrveranstaltungen bis vor der dritten LV-Einheit möglich.

- Hausübungen und Arbeitsaufträge während des Semesters
- Gruppenpräsentation (mit Thesenblatt und Vorbesprechung eine Woche vorher)
- Exposé zur PS-Arbeit inkl. vorläufiger Literaturliste
- Proseminar-Arbeit (15 Seiten Haupttext); (Abgabetermin 31.8.2024)

Durch die verpflichtenden Teilleistungen können insgesamt 100 Punkte erreicht werden;
- PS-Arbeit (50),
- Referat und Thesenblatt (30),
- Hausübungen und Arbeitsaufträge (20).
Für einen positiven Semesterabschluss sind 55 Punkte erforderlich, von denen mindestens 30 aus der PS-Arbeit stammen müssen.