Vorlesungs­verzeichnis

NdL: Die Poetik des Algorithmus

Künstliche Intelligenz und die digitale Transformation der Literaturproduktion

100110 PS 2024S

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Vortragende:

Nächster Termin

Freitag, 28.06.2024 16:45-20:00 Seminarraum 5 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 5

 

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Aktuelle Diskussionen über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in Literatur, bildender Kunst, Design, Architektur, Film, Musik und anderen Künsten beruhen häufig auf weithin akzeptierten Definitionen von Kunst, Kultur und Kreativität und sorgen für heftig geführte Debatten. Diese werden von Kulturakteur:innen zumeist zwischen zwei Extremen geführt: Die, die teils oder gänzlich durch KI generierte Werke als spannende, neue Entdeckung von kreativer Ausdruckskraft und KI als Dialogpartner im kreativen Prozess betrachten bis hin zu jenen, die in textbasierten KI-Tools wie ChatGPT oder Text zu Bild-Generatoren wie Dall-E 2, Midjourney und Stable Diffusion den baldigen Niedergang der zeitgenössischen Kulturindustrie sehen. Beide Seiten eint die Frage nach der zukünftigen Rolle des Menschen unter dem Einfluss technologischer Entwicklung und wie jene ethisch, verantwortungsvoll und mensch-zentriert aussehen kann.

Obwohl KI-Anwendungen bereits seit vielen Jahren mithilfe unterschiedlicher technologischer Felder (von Algorithmen, Machine Learning, generativen Medien bis hin zu künstlichen neuronalen Netzwerken) Teil unseres Alltags sind (z.B. bei Suchmaschinen, Chatbots, Deepfakes sowie Optimierungsmechanismen bei der Produktion von Medien), rückt das Thema seit einigen Monaten immer mehr in den Fokus der breiten Öffentlichkeit, da ihre Zugänglichkeit insbesondere für kreative Vorgänge durch eine Vielzahl von Angeboten vereinfacht wird. Mit Anfang 2024 gibt es über tausend verschiedene KI-Tools, die etwa zur Generierung von Texten genutzt werden oder in bisher etablierte Design-Techniken eingreifen. Die Literaturproduktion scheint besonders von den Entwicklungen betroffen zu sein, da sowohl Autor:innen, Verlage, Medienunternehmen, aber auch Leser:innen oft nur unzureichend digitale Kompetenzen aufweisen, um der Weiterentwicklung digitaler Literaturproduktion mit reflektierten Ansätzen zu begegnen (u.a. bei Fragen des Urheberrechts).

In dieser Lehrveranstaltung werden Studierende daher die Verbindung zwischen digitaler Kommunikation, Literatur und KI diskutieren und dabei speziell auf ChatGPT und weitere generative KI-Tools Bezug nehmen. Sie werden die historische Entwicklung von KI im Bezug auf literarische Produktion und die wesentlichsten Themengebiete bei technologischer Disruption kennenlernen. Dabei werden sie verschiedene literarische Werke, die in Zusammenhang mit digitaler Kommunikation und KI stehen, analysieren und eigene kreative Schreibprojekte entwickeln, die diese Themen bearbeiten. Ein besonderer Fokus wird dabei immer auf das Spannungsfeld von Kreativität, Innovation, Industrie und Gesellschaft gelegt.

 

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

In diesem Proseminar wird eine schriftliche (Proseminar-Arbeit) sowie mündliche Leistung (Impuls-Präsentation in der Gruppe zu einem Themengebiet des Proseminars) gefordert.

WICHTIG: Die Nutzung von KI-basierten Tools - wie etwa ChatGPT - wird in dieser Lehrveranstaltung ausdrücklich unterstützt, allerdings unter der Voraussetzung, dass diese a) mit Kennzeichnung und b) reflektiertem Kommentar (Nutzungsweise, Einfluss auf weiteres Vorgehen bzw. damit verbundene Restriktionen) erfolgt.

 

Literatur

Coeckelbergh, M. (2020): AI Ethics. Cambridge, Mass.: MIT Press.

Harrasser, K. (2003): Roboter, Cyborg, Ghost in the Machine. Maschinenszenarios und Digitale Kulturen, in: Zeitschrift für Germanistik 13,1, S.113-130.

Irsigler, I. & Orth, D. (Hg.) (2021): Roboter, Künstliche Intelligenz und Transhumanismus in Literatur, Film und anderen Medien, Heidelberg: Universitätsverlag Winter (= Wissenschaft und Kunst; 36).

Miller, A. (2020): The Artist in the Machine. The World of AI-powered Creativity. Cambridge, Mass.: MIT Press.

Passig, K. (2021): Wenn man nicht alles selber schreibt. Sieben Gründe für das Generieren von Texten, in: Bajohr, H. & Gilbert, A. (Hg.): Digitale Literatur II, München: edition text + kritik, S. 120-133 (= Text+Kritik; Sonderband 2021).

Roose, K. (2022): A.I.-Generated Art Is Already Transforming Creative Work. The New York Times, 21. Oktober 2022. Abgerufen von: https://www.nytimes.com/2022/10/21/technology/ai-generated-art-jobs-dall-e-2.html (Zugriff: 14.01.2024)

Stiegler, C. (2021): The 360° Gaze: Immersions in Media, Society, and Culture. Cambridge, Mass.: MIT Press ("Texts as Worlds", S. 103-114; "Posthuman Hybridity and Artificial Intelligence", S. 202-218).

 

Prüfungsstoff

Die Bearbeitung der schriftlichen Arbeit und der Präsentation soll mehrheitlich mit aktuellen wissenschaftlichen Publikationen erfolgen, um dem aktuellen Charakter des Themas gerecht zu werden.

 

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig. Maximal zweimaliges Fehlen ist erlaubt. Eine konsequenzlose Abmeldung ist aufgrund der 14-tätigen Termine bis vor dem zweiten Termin möglich.

Dauer der Impuls-Präsentationen: max. 20 Minuten
Umfang der Abschlussarbeiten: 15 Seiten Haupttext