Vorlesungs­verzeichnis

DaF/Z: Anerkennung und Adressierung in diskriminierungskritischen Bildungsräumen

100108 SE-B 2024S

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Vortragende:

Nächster Termin

Donnerstag, 27.06.2024 16:45-20:00 Seminarraum 2 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 3

 

In dieser Lehrveranstaltung werden die Studierenden bei der Erstellung ihrer Bachelorarbeiten begleitet. Die Themen der Arbeiten werden aus dem Forschungsfeld "Diskriminierungskritik, Rassismuskritik, Migrationspädagogik" mit oder ohne Bezug zu Bildungsräumen (Soziale Arbeit, Erwachsenenbildung, Schule) gewählt.

Mit fortschreitender Semesterdauer identifizieren die Studierenden individuell forschungsspezifische Interessen und Fragestellungen, entlang derer die individuellen Arbeiten verfasst werden sollen. Nach der Identifikation von Themen und Fragestellungen in 'Laborbesprechungen' während den Einheiten liegt der Fokus auf der Entwicklung der individuellen Arbeiten, die in der Gruppe bzw. in Kleingruppen diskutiert und reflektiert werden. In Schreiblabors werden Sie in Gruppen an Ihren Texten arbeiten. Additiv finden während den Einheiten 'Lesezirkel' (4-6 Studierende haben alle einzeln 1 Werk gelesen) statt, bei dem Studierende exemplarisch einzelne Schlüsselwerke des Felds unter Moderation der LV-Leitung diskutieren.

 

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Die Einbettung institutioneller Bildung in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext ist unabdingbar. Als zentrale Voraussetzung für eine gleichberechtigte Teilnahme an der politischen Willensbildung gilt ein gutes öffentliches Bildungssystem und die damit verbundene Befähigung seiner Absolvent*innen. Schule als Institution findet nicht losgelöst von der Gesellschaft statt, sondern ist in sie eingebettet. Sie ist selbst Teil eines umkämpften Feldes von normativen Vorstellungen darüber, wie wir Menschen zu sein haben. In ihr werden die Schüler*innen permanent explizit wie implizit adressiert. Ihnen wird als Schüler*innen Anerkennung zugesprochen, verweigert oder vorenthalten. Dies geschieht ganz bewusst in einem Raum, der deutlich macht, dass wir in der Gesellschaft nicht alle gleich zu sein scheinen und dass wir nicht alle gleichberechtigt gemacht werden: Mit Begriffen wie Differenz, Heterogenität, Diversität, Pluralität, Vielfalt beschreiben wir seit Jahrzehnten die gesellschaftliche Gegenwart - doch was ist mit diesen Begriffen eigentlich gemeint und welche Konzepte verbergen sich hinter ihnen? Welche Ordnung hat die Gesellschaft und wie zeigt sich das? Wie werden wir in ihr angesprochen? Was bewirken diese Formen von Adressierung? Was ist die Ordnung des Diskurses? Wer gehört dazu und wer nicht, aber auch: Wer will dazu gehören?

Die Beschränkung pädagogischer Perspektive auf eine Kritik der Ordnung ist letztlich nicht überzeugend. Es geht darum, dass wir einen pädagogischen Beitrag dazu leisten, dass Schüler*innen unter den gegebenen institutionellen Rahmenbedingungen handlungsfähig werden: Wie kann ein pädagogischer Beitrag zur Handlungsfähigkeit aussehen, der nicht erniedrigend ist? Wie funktioniert das nicht-assimilierende Erlernen einer Sprache? Wie kann eine Praxis in Schulen besser gelingen? Was sind die Bedingungen unserer Praxis und was können wir an ihnen verändern, um - mit Beckett gesprochen - besser zu scheitern. Wie kann Handlungsfähigkeit aussehen, die nicht nur als eine Bestätigung des (kapitalistischen) Systems wirkt? Wie kann politischer Wille zur Partizipation für alle angeleitet werden, weil es uns allen ein Ansinnen ist, unseren Arbeitsmarkt so zu konstruieren, dass Zeit sinnstiftend genutzt wird, sich angesprochen zu fühlen und sich tatsächlich partizipativ zu verhalten?

Mit explizitem Bezug auf Deutsche Philologie und DaZ: Wie geschehen (in Bildungsräumen) Distinktionen durch Sprache(n)? Wie wird Deutsch als die institutionelle Zielsprache der Institution Schule als Differenzmerkmal eingesetzt?

Ausgehend von Einblicken in das Feld und diskursiven Erörterungen unter Einbezug der Studierenden mittels Plenumsübungen werden Forschungsansätze und -methoden erörtert und diskutiert. Die Studierenden identifizieren in den ersten Einheiten anhand von exemplarischen wissenschaftlichen Arbeiten jeweils im Nachgang schriftlich auf Moodle Forschungsfragen, forschungstechnische Zugänge, Methoden quantitativ- und qualitativ-empirischer Forschung [z.B. Grounded Theory, Kritische Diskurs- und Dispositivanalyse, Qualitative Inhaltsanalyse, Methoden zur Gewinnung verbaler Daten, quantitativ-empirischer Ansatz bei Fragebogenerhebung (Interferenzstatistik...)] der in den Einheiten vorgestellten wissenschaftlichen Arbeiten, die Sie für Ihre eigenen Bachelorarbeiten forschungsmethodisch inspirieren sollen. Andere empirische (!) Forschungsmethoden als die vorgestellten sind selbstverständlich bei der Umsetzung der Bachelorarbeit erlaubt.

 

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Mitarbeit, Vorstellung eines Werks im Rahmen des Lesezirkels; pünktliche Abgabe von Moodle-Teilaufgaben; Exposé samt Kurzvorstellung der (geplanten) Bachelorarbeit gegen Mitte/Ende des Semesters und die Bachelorarbeit selbst sind Gegenstand der Leistungskontrolle.

Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').

Verwendung von Künstlicher Intelligenz (KI) ist nicht erlaubt.

 

Literatur

Für einen generelle Orientierung zur Methodenfindung für die eigene BA-Arbeit sind folgende Werke ratsam:

Strübing, J. (2018). Qualitative Sozialforschung. Oldenburg: De Gruyter

Settinieri, J et al. (2014) Empirische Forschungsmethoden für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Köln: UTB

Zierer, K. et al (2013) Methoden erziehungswissenschaftlicher Forschung. München: UTB

Hug, T und Poscheschnik, G. (2010) Empirisch Forschen. Konstanz: UTB

Für den Lesezirkel (4-6 Studierende haben alle einzeln 1 Buch gelesen und diskutieren und debattieren live am Round Table während der Einheit, Moderation durch LV-Leiter)
Zur Auswahl stehen (Vorschlag):

Lesezirkel: Le Maître Michel Foucault
Foucault, M. (1974/1991). Die Ordnung des Diskurses. München: Hanser

Lesezirkel: El-Mafaalani und/oder Ogette
El-Mafaalani, A. (2020). Mythos Bildung. Köln: Kiwi, El-Mafaalani, A. (2021). Wozu Rassismus? Köln: Kiwi und/oder Ogette, T. (2017). Exit racism. Münster: Unrast

Lesezirkel: Das Projekt Migrationspädagogik
Mecheril, P., Castro Varela, M. d. M., Dirim, İ. Kalpaka, A. & Melter, C. (2010), Migrationspädagogik. Weinheim: Beltz und/oder umfangreiche Bücher andere Autor*innen, die diesem Projekt zugeordnet werden: https://www.mpzweitsprachdidaktik.at/de/members

Ferner denkbar:

Lesezirkel: La Distinction
Bourdieu, P. (1979/1987). Die feinen Unterschiede. Frankfurt am Main: Suhrkamp und/oder El-Mafaalani, A. (2020). Mythos Bildung. Köln: Kiwi und/oder Willis, P (1979). Spaß am Widerstand. Frankfurt: Syndikat

Lesezirkel: Was heißt hier Integration?!
Czollek, M. (2018). Desintegriert euch! München: Hanser und/oder Mecheril, P., Castro Varela, M. d. M., Dirim, İ. Kalpaka, A. & Melter, C. (2010), Migrationspädagogik. Weinheim: Beltz

> Eigene Literaturvorschläge umfangreicher und komplexer Fachliteratur sind in vorheriger Absprache mit LV-Leiter willkommen.

Generelle Literatur: Weitere spezifische Literatur wird auf der Moodleplattform bekannt gegeben oder zur Verfügung gestellt bzw. während des Semesters eigenständig recherchiert.

 

Prüfungsstoff

Es findet keine "klassische" Prüfung statt. Die Studierenden erarbeiten ihre Bachelorarbeit und im Zuge dessen werden verschiedene kleinere Teilleistungen erbracht (s.o.).

Abgabetermine für Teilaufgaben in Moodle: siehe Moodle
Abgabetermine für Bachelorarbeiten: 09.06.2024, 20.07.2024, 01.09.2024

Alle Teilleistungen müssen positiv und zeitgerecht erbracht sein.

 

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Anwesenheit (es darf 1 Mal gefehlt werden)
Alle Teilleistungen müssen positiv und zeitgerecht erbracht sein.

Leszirkel zu einem Schlüsselwerk des Felds mit anderen Kolleg*innen
(10% der Gesamtnote)

Mitarbeit (10% der Gesamtnote)

Teilaufgaben in Moodle (10 % der Gesamtnote)

Termingerechte Abgabe des Exposés im Umfang von 1000 bis 2000 Wörtern plus Kurzvorstellung der BA-Arbeit (10 % der Gesamtnote)

BA-Arbeit (60 % der Gesamtnote)

Notenvergabe: 51-59 Punkte: 4; 60-79 Punkte: 3, 80-89 Punkte: 2; 90-100 Punkte: 1

INFORMATIONEN DER Studienprogrammleitung der Germanistik:
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig.

Maximal einmaliges Fehlen ist erlaubt. Eine konsequenzlose Abmeldung ist bei wöchentlichen Lehrveranstaltungen bis vor der dritten LV-Einheit möglich, bei 14-tägigen Lehrveranstaltungen und Blöcken bis vor dem zweiten Termin.

Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').

Umfang der Abschlussarbeiten:

Bachelorarbeiten 30 Seiten Haupttext