Vorlesungs­verzeichnis

NdL: Postkoloniale Erzähltheorie. Perspektiven einer Critical Race Narratology in der KJL

100107 PS 2024S

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Moodle

Vortragende:

Anwesenheit in der ersten Einheit ODER eine Nachricht per E-Mail bis 12:00 Uhr am Tag der ersten Einheit sind Voraussetzung für den Besuch der LV.

EINE Exkursionsteilnahme außerhalb der LV-Zeit ist vorgesehen (= Veranstaltungsteilnahme, ca. 2h).
Die Termine zur Auswahl werden in der ersten LV-Einheit bekanntgegeben.
Die Exkursion zählt als Einheit und Nicht-Teilnahme entspricht einer Fehleinheit.

Max. 2 Fehleinheiten sind möglich.
Kompensationsaufgaben für eine weitere Fehleinheit können etwa die Ausarbeitungen der Lektüreleitfragen zur Pflichtlektüre der Einheit umfassen.

 

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Während die Narratologie bisher zumeist davon ausgegangen ist, dass Kategorien wie ‚Rasse‘ und Prozesse der Rassifizierung für sie keine Rolle spielen, haben die mittlerweile unter dem gemeinsamen Rahmen einer sogenannten Critical Race Narratology versammelten Forscher*innen herausgearbeitet, wie die (vermeintlich universalen) Annahmen und Analysekategorien der klassischen Erzähltheorie mehrheitlich auf der Untersuchung europäischer, weißer, kanonischer Literatur aus dem 19. und beginnenden 20. Jahrhundert basieren – und wie dies zur Herausbildung einer unmarkierten, unsichtbaren Norm des Weißseins, die nicht nur die textimmanente Verfasstheit, sondern auch Produktion und Rezeption von Literatur prägt, geführt hat. Vor diesem Hintergrund ist die Critical Race Narratology bestrebt, eine postkoloniale, rassismuskritische Perspektive auch auf jene Werkzeuge zu übertragen, die in der erzähltheoretischen Analyse Anwendung finden, neue narratologische Analysewerkzeuge zu entwerfen oder bestehende zu nachzuschärfen und so neue Einsichten in die Verfahrensweisen literarischer Texte zu liefern.

Anhand von ausgewählten kinder- und jugendliterarischen (sowie nach Bedarf auch allgemeinliterarischen) Beispielen sollen im PS mögliche Perspektiven und Potenziale einer Critical Race Narratology in der literaturwissenschaftlichen Analyse exemplarisch aufgezeigt werden. In der kritischen Auseinandersetzung mit Begrifflichkeiten, Werkzeugen, Modellen und Grundannahmen der klassischen sowie postklassischen Narratologie soll unser Verständnis von Erzähltheorie (und literarischem Erzählen) hinterfragt und erweitert werden.

Ziel der LV ist es …
– grundlegende Überlegungen, Fragestellungen und Methoden der Critical Race Narratology zu vermitteln. Nach Absolvierung der LV können Studierende diese korrekt wiedergeben, erläutern und selbstständig anwenden.
– einen differenzierten Blick auf die Grundannahmen von klassischen und postklassischen Erzähltheorien zu schärfen. Studierende können diese beschreiben, zueinander in Beziehung setzen und in ihrer Untersuchung (kinder- und jugend-)literarischer Texte berücksichtigen.
– Perspektiven der Postkolonialen Studien, Rassismuskritik und Kritischen Weißseinsforschung auf die Erzähltextanalyse und deren Werkzeuge zu übertragen. Studierende können diese im Rahmen einer schriftlichen Arbeit mithilfe der in der LV vermittelten Methoden auf kinder- und jugendliterarische Texte anwenden.

Methoden:
Auf der Basis von Primär- & Sekundärliteratur erfolgt eine gemeinsame Erarbeitung der Semesterinhalte. Vorausgesetzt wird die aufmerksame Lektüre der Pflichtlektüre, sowie die Erledigung regelmäßiger kleiner Aufgabenstellungen (teils mündlich, teils schriftlich). Darüber hinaus wird von jeder*jedem Teilnehmenden ein kurzes Impulsreferat (10-15 Min.) zu einem der gelesenen Texte gehalten und ein Abstract verfasst, das das eigene Vorhaben für die PS-Arbeit zusammenfasst. Die LV wird durch eine schriftliche Arbeit (Proseminararbeit) abgeschlossen, die im Zuge der LV erarbeitet und anhand von (Peer-)Feedback vorbereitet wird.

Wichtig:
Grundlage für die LV ist ein respektvoller, diskriminierungs- und insbesondere rassismuskritischer Umgang miteinander, in dem die eigene (Sprech-)Position reflektiert und kritisch betrachtet wird und verschiedene Wissensformen miteinander in wechselseitigen Dialog treten können, ohne dabei die Kritik an strukturellen Machtungleichheiten aus dem Blick zu verlieren. Voraussetzung dafür ist nicht zuletzt das Commitment aller Beteiligten, einen solchen Raum mitzugestalten: mithilfe einer diskriminierungssensiblen und anti- bzw. contra-rassistischen Sprachpraxis sowie einer wertschätzenden und solidarischen Äußerung von Kritik.

 

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').

 

Literatur

Die Pflichtlektüre wird in der ersten LV-Einheit bekanntgegeben.
Achtung: Es werden mehrere Sekundärtexte in englischer Sprache darunter sein!

Weitere Literaturhinweise werden während des Semesters in den Einheiten und auf Moodle laufend ergänzt.

Auswahl Sekundärliteratur:
Alber, Jan u. Monika Fludernik (Hgg.): Postclassical Narratology. Approaches and Analyses. Columbus: Ohio State UP 2010.
Birk, Hanne u. Birgit Neumann: Go-between. Postkoloniale Erzähltheorie. In: Ansgar Nünning u. Vera Nünning (Hgg.): Neue Ansätze in der Erzähltheorie. Trier: WVT 2002, S. 115-152.
Donahue, James, Jennifer Ann Ho u. Shaun Morgan (Hgg.): Narrative, Race, and Ethnicity in the United States. Columbus: Ohio State UP2017, S. 1-12.
Kim, Sue J.: Introduction. Decolonizing Narrative Theory. In: Journal of Narrative Theory 42.3/2012, S. 233-247.
Kißling, Magdalena: Weiße Normalität. Perspektiven einer postkolonialen Literaturdidaktik. Bielefeld: Aisthesis 2020.
Moya, Paula: The Social Imperative. Race, Close Reading, and Contemporary Literary Criticism. Redwood City: Stanford UP 2016.
Nduka-Agwu, Adibeli u. AntjeLann Hornscheidt: Der Zusammenhang zwischen Rassismus und Sprache. In: Adibeli Nduka-Agwu u. AntjeLann Hornscheidt (Hgg.): Rassismus auf gut deutsch. Ein kritisches Nachschlagewerk zu rassistischen Sprachhandlungen. Frankfurt/M.: Brandes & Apsel 2013, S. 11-33.
Nünning, Vera u. Ansgar Nünning (Hgg.): Erzähltextanalyse und Gender Studies. Stuttgart: Metzler 2004.
Weik von Mossner, Alexa, Marijana Mikić u. Mario Grill (Hgg.): Ethnic American Literatures and Critical Race Narratology. New York/London: Routledge 2023.
Wyatt, Jean u. Sheldon George (Hgg.): Reading Contemporary Black British and African American Women Writers. Race, Ethics, Narrative Form. New York/London: Routledge 2020.

 

Prüfungsstoff

Vgl. Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

 

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Achtung: Bereitschaft zur Lektüre von Sekundärtexten in englischer Sprache ist für die Teilnahme an der LV absolut notwendig!!

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig. Maximal zweimaliges Fehlen ist erlaubt. Eine konsequenzlose Abmeldung ist bei wöchentlichen Lehrveranstaltungen bis vor der dritten LV-Einheit möglich, bei 14-tägigen Lehrveranstaltungen und Blöcken bis vor dem zweiten Termin.

Umfang der Abschlussarbeiten: Proseminararbeiten 15 Seiten Haupttext

Ohne eine vorangegangene Kontaktaufnahme durch die Lehrpersonen wird keine negative Note eingetragen. Feedbackmöglichkeit wird angeboten.

Beurteilungsmaßstab für Teilleistungen:
- aktive Mitarbeit (inkl. kleine schriftliche & mündliche Arbeitsaufgaben): 20%
- Impulsreferat: 15%
- Abstract (inkl. Peer-Feedback): 15%
- schriftliche Abschlussarbeit (15 S.): 50%