Proseminar NdL: Nietzsche und die Wiener Moderne: Spuren, Wirkungen, Transformationen
100106 PS 2025W
Vortragende:
Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung
»Nietzsche zum Führer wählen, ist ungefähr gleichbedeutend, wie wenn man sein Leben nach dem Sprichwörterschatz des Volkes einrichten wollte« – mit dieser ironischen Distanz kritisierte Friedrich Michael Fels 1894 den aufkommenden Nietzsche-Kult seiner Zeitgenossen. Jenseits der kulturgeschichtlichen Spannung zwischen Verehrung und Ablehnung stellten Nietzsches Texte insbesondere für Literatur und Ästhetik am Ende des langen 19. Jahrhunderts einen zentralen philosophischen, ideologischen und poetologischen Bezugspunkt dar. Das gilt auch – so der Tenor der Forschung – für zentrale Repräsentanten der Wiener Moderne, wobei im Detail noch ungeklärt ist, welche Rolle welche Ideen Nietzsches in welchen Texten der Wiener Autoren spielten.
Das Proseminar möchte dieses Verhältnis eingehender untersuchen. Im ersten Teil des Seminars rekonstruieren wir zentrale Topoi in Nietzsches Werk, darunter sein Ästhetizismus, seine Sprach- und Subjektkritik sowie die Dekadenzproblematik. Im zweiten Teil wenden wir diese Erkenntnisse auf literarische Texte der Wiener Moderne an, um zu analysieren, wie Nietzsches Ideen und Darstellungsformen in der Literatur dieser Epoche transformiert und gestaltet wurden. Im Fokus stehen dabei Texte von Hermann Bahr, Hugo von Hofmannsthal oder Arthur Schnitzler.
Im Rahmen des Seminars arbeiten wir textnah, indem wir auf Basis von Close Readings Interpretationsprobleme der behandelten Texte markieren und im Zuge der Entwicklung von Interpretationshypothesen überprüfen, inwiefern der Rückgriff auf konkrete Denkfiguren Nietzsches angemessenere und reichhaltigere Hypothesen liefert als alternative Kontexte. Impulsreferate zu zentralen Kontexten und Interpretationsproblemen ergänzen die Close Readings und dienen als Grundlage für die Diskussion im Plenum.
Ziel des Seminars ist es, ein Verständnis für die intertextuellen und ideengeschichtlichen Verbindungen zwischen Philosophie und Literatur zu entwickeln und deren Verknüpfung methodologisch zu reflektieren, um so das Zusammenspiel von Lektüre und Kontextstaffelung bei der Interpretation explizit zu machen.
ACHTUNG: Aufgrund einer Tagungsteilnahme findet die erste Seminarsitzung am 15.10.2025 statt.
Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel
Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').
Literatur
Sämtliche Texte, die zur Pflichtlektüre vorgesehen sind, werden über Moodle bereitgestellt.
Prüfungsstoff
Folgende Teilbereiche werden beurteilt:
- regelmäßige Anwesenheit (maximal zweimaliges Fehlen) und aktive Beteiligung
- Impulsreferat
- Exposé mit Bibliographie
- Seminararbeit (15 Seiten Haupttext); Abgabe bis 30.03.2026
Der Einsatz von LLMs/KI ist nicht erlaubt.
Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig.
Studierende, die der ersten Einheit unentschuldigt fern bleiben, verlieren ihren Platz in der Lehrveranstaltung.
Maximal zweimaliges Fehlen ist erlaubt. Eine konsequenzlose Abmeldung ist bei wöchentlichen Lehrveranstaltungen bis vor der dritten LV-Einheit möglich, bei 14-tägigen Lehrveranstaltungen und Blöcken bis vor dem zweiten Termin.
Abkürzungen: ÄdL: Ältere deutsche Sprache und Literatur – DaF/Z: Deutsch als Fremd- und Zweitsprache – FD: Fachdidaktik Deutsch – NdL: Neuere deutsche Literatur – SpraWi: Sprachwissenschaft
