Vorlesungs­verzeichnis

Proseminar NdL: Gegenwartsliteratur und ihre institutionellen Ko(n)texte

100102 PS 2025W

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Vortragende:

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

„Verdirbt der Literaturbetrieb die Literatur?“ Mit dieser Frage brachte der Literaturjournalist Jens Jessen 2007 eine Debatte (wieder) ins Rollen, die als Ausgangspunkt dieses Proseminars dienen soll: Schon seit der Herausbildung eines unabhängigen Buchmarkts stehen Institutionen literarischer Produktion – z.B. Verlage, Literaturpreise, Agenturen, Schreibschulen – im Verruf, durch ökonomische Kalküle die Autonomie der Literatur zu bedrohen und die Qualität der publizierten Texte zu mindern. Wie aber verhält es sich mit dieser Debatte in der Gegenwart(sliteratur)? Dieser Frage widmen wir uns im Seminar, indem wir das Verhältnis zwischen Literatur und Literaturbetrieb anhand von Fallbeispielen aus drei Perspektiven betrachten. (1) Kontext: Wie steht es um das Verhältnis zwischen Literatur und (Buch-)Markt, seit sich in den 1990ern neue literaturbetriebliche Instanzen etabliert haben (z.B. Schreibschulen, Agenturen)? (2) Kotext: Wie werden die Institutionen des Literaturbetriebs in den publizierten Kotexten (d.h. den Paratexten) sichtbar? (3) Text: Wie reflektiert die Literatur den Betrieb – in Form sog. ,Literaturbetriebsromane‘ (z.B. Martin Walsers „Tod eines Kritikers“, Marlene Streeruwitz’ „Nachkommen“)? Dabei geht es nicht um einen einfachen Abbildungsrealismus; vielmehr sind Literaturbetriebsromane als Spielarten des modernen Künstlerromans zu verstehen, deren literarische Formen und Ästhetiken (z.B. Autofiktion, Metafiktion, parodistische Formen) es zu untersuchen gilt.

 

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Die Leistungsbeurteilung erfolgt auf Basis mehrerer Teilleistungen:

1. Aktive Teilnahme an der Lehrveranstaltung: genaue Lektüre der Pflichtliteratur, regelmäßiges Erledigen von Hausübungen und Arbeitsaufträgen, Beteiligung an den Diskussionen
2. Kurzreferat bzw. Expertenrolle für ein Thema
3. Abschließende Proseminararbeit (15 Seiten Haupttext, Abgabefrist: 20. März 2026)

Wichtig: Dieses Proseminar ist als lektüreintensives Seminar geplant, d.h. ich setze voraus, dass Sie bereit sind, neben einigen kürzeren Erzählungen bzw. Textauszügen und ausgewählter Sekundärliteratur auch drei Romane (vollständig) zu lesen.

Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').

Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (u.a. ChatGBT) ist nicht erlaubt.

 

Literatur

Primärliteratur
(Die finale Auswahl der zu lesenden Romane wird in der ersten LV-Einheit bekanntgegeben bzw. gemeinsam getroffen.)
Bodo Kirchhoff: Schundroman (2002)
Martin Walser: Tod eines Kritikers (2002)
Thomas Glavinic: Das bin doch ich (2007)
Norbert Gstrein: Die ganze Wahrheit (2010)
Julie Zeh: Treideln. Frankfurter Poetikvorlesungen (2013)
Marlene Streeruwitz: Nachkommen (2014)

Sekundärliteratur (Auswahl)
Amlinger, Carolin: Schreiben. Eine Soziologie literarischer Arbeit. 2. Aufl. Suhrkamp 2021.
Ammon, Frieder von/Leonhard Herrmann (Hg.): Gegenwartsliteraturforschung. Positionen – Probleme – Perspektiven. In: Mitteilungen des Deutschen Germanistenverbandes 67 (2020), H. 3.
Assmann, David-Christopher: Poetologien des Literaturbetriebs. Szenen bei Kirchhoff, Maier, Gstrein und Händler. De Gruyter 2014.
Baßler, Moritz: Populärer Realismus. Vom International Style gegenwärtigen Erzählens. C.H. Beck 2022.
Göbler, Frank (Hg.): Das Künstlerdrama als Spiegel ästhetischer und gesellschaftlicher Tendenzen. Tübingen 2009 (= Mainzer Forschungen zu Drama und Theater 41).
John-Wenndorf, Carolin: Der öffentliche Autor. Über die Selbstinszenierung von Schriftstellern. Transcript 2014.
Krumrey, Brigitta: Der Autor in seinem Text. Autofiktion in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur als (post-)postmodernes Phänomen. V&R 2015.
Richter, Steffen: Der Literaturbetrieb. Eine Einführung. Texte– Märkte– Medien. Darmstadt 2011.
Weder, Christine/Philipp Theisohn (Hg.): Literaturbetrieb. Zur Poetik einer Produktionsgemeinschaft. Wilhelm Fink 2013, 7–18.

 

Prüfungsstoff

Kenntnis der besprochenen Primär- und Sekundärliteratur

 

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Siehe „Art der Leistungskontrolle/erlaubte Hilfsmittel“.
Das Hauptgewicht der Beurteilung liegt auf der schriftlichen Proseminararbeit. Für die erfolgreiche Absolvierung des Kurses muss diese positiv beurteilt werden. Genauere Informationen zur Beurteilung folgen in der ersten LV-Einheit.

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig.
Studierende, die der ersten Einheit unentschuldigt fern bleiben, verlieren ihren Platz in der Lehrveranstaltung.
Maximal zweimaliges Fehlen ist erlaubt. Eine konsequenzlose Abmeldung ist bei wöchentlichen Lehrveranstaltungen bis vor der dritten LV-Einheit möglich, bei 14-tägigen Lehrveranstaltungen und Blöcken bis vor dem zweiten Termin.

Umfang der Abschlussarbeiten: Proseminararbeiten 15 Seiten Haupttext

Das Hauptgewicht der Beurteilung liegt auf der schriftlichen Proseminararbeit.