Vorlesungs­verzeichnis

ÄdL: Oswald von Wolkenstein

100100 PS 2023W

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Vortragende:

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Oswald von Wolkenstein (ca. 1377–1445) gehört zu den unumstrittenen Protagonisten der spätmittelalterlichen deutschsprachigen Literatur. Sein umfangreiches Œuvre von über 130 Liedern zeichnet sich durch eine ungewöhnliche Formenvielfalt und inhaltliche Breite aus, die das klassische Themen- und Motivinventar der deutschsprachigen mittelalterlichen Lyrik ebenso virtuos wie experimentierfreudig aufgreift und weiterentwickelt. Dazu kommt seine für den deutschen Sprachraum völlig neue autobiographische Dichtung, in der er zeitgenössische historische Ereignisse ebenso eindrücklich schildert wie sein bewegtes Leben – seine politischen Beziehungen, seine Reisen durch Europa, seine privaten Streitigkeiten und seine Gefangenschaft und Folter. So ergibt sich ein freilich literarisch stilisiertes, aber dennoch außergewöhnlich plastisches Bild einer selbstbewussten und exzentrischen Autorpersönlichkeit.

Im Proseminar werden wir uns mit ausgewählten Liedern Oswalds in ihrer formalen, sprachlichen und inhaltlichen Dimension auseinandersetzen. Eine zentrale Rolle wird dabei der gemeinsamen kritischen Lektüre und Diskussion von wissenschaftlicher Sekundärliteratur zukommen. Ausblicksweise soll auch die moderne Rezeption von Oswalds Dichtung behandelt werden.

Die Lehrveranstaltung verfolgt drei Ziele:
1) Am Ende der Lehrveranstaltung kennen Sie zentrale Lieder aus dem Werk Oswalds von Wolkenstein, können Sie literarhistorisch verorten, analysieren und interpretieren.
2) Durch die Analyse und Diskussion von Primärtexten haben Sie Ihre Sprachkenntnisse des Mittelhochdeutschen vertieft und sind dazu in der Lage, Editions- und Übersetzungsentscheidungen-/probleme nachzuvollziehen und zu beschreiben.
3) Drittens können Sie wissenschaftliche Sekundärliteratur selbständig, kritisch und produktiv rezipieren, eigene Fragestellungen und Thesen erarbeiten und ihre Positionen in adäquatem Stil und unter Einhaltung der guten wissenschaftlichen Praxis vertreten.

 

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

- Wöchentliche Vor- und Nachbereitung: Lektüre von Primär- und Sekundärliteratur, kleinere Hausübungen
- Eine Liedanalyse und -übersetzung in einer Expert*innengruppe (Präsentation und schriftliche Ausarbeitung)
- Ein Exposé zur Proseminararbeit (ca. 2 Seiten inkl. Literaturverzeichnis; Abgabetermin jedenfalls noch vor Semesterende [!])
- Proseminararbeit (ca. 15 Seiten Haupttext)

 

Literatur

Wir arbeiten mit folgender Textausgabe:

Die Lieder Oswalds von Wolkenstein, hg. von Karl Kurt Klein, 4., grundlegend neu bearbeitete Ausgabe von Burghart Wachinger, Berlin/Boston: De Gruyter 2015 (ATB 55).

Sie finden die Ausgabe kostenlos online über die Universitätsbibliothek Wien (via u:access):
https://doi-org.uaccess.univie.ac.at/10.1515/9783110335187 (Falls Sie die Ausgabe dennoch anschaffen wollen, achten Sie bitte darauf, dass es sich um die 4. Auflage handelt; die älteren Auflagen weichen teilweise stark ab.)

Weitere Literatur stelle ich via Moodle zur Verfügung.

Zur ersten Annäherung an Oswald empfehle ich die Biographie von Dieter Kühn: Ich Wolkenstein. Die Biographie, 2. Aufl., Frankfurt a. M.: Fischer 2015.

 

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

- Gewichtung der Einzelleistungen: Vor-/Nachbereitung inkl. Diskussionsbeiträge und Hausübungen (20 % der Gesamtnote), Expert*innengruppe (20 % der Gesamtnote), Proseminararbeit inkl. Exposé (60 % der Gesamtnote)
- Alle Abgaben müssen fristgerecht erfolgen.
- Es wird dringend empfohlen, die Übung Mittelhochdeutsch bereits vor dem Besuch dieser LV erfolgreich absolviert zu haben.

Generell gilt:

- Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig. Maximal zweimaliges Fehlen ist erlaubt. Eine konsequenzlose Abmeldung ist bei wöchentlichen Lehrveranstaltungen bis vor der dritten LV-Einheit möglich.
- Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden.
- Die Nutzung von KI-Tools wie ChatGPT ist nicht erlaubt.
- Zur Sicherung der guten wissenschaftlichen Praxis kann die Lehrveranstaltungsleitung eine mündliche Reflexion der abgegebenen Seminararbeit vorsehen, die erfolgreich zu absolvieren ist.