Vorlesungs­verzeichnis

Bachelorseminar NdL: Vermessungen der Seele. Psychologie und Poetik im 18. Jahrhundert

100097 SE-B 2025W

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Vortragende:

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Kanonisiert als Zeitalter der Vernunft, steht die Aufklärung im (nicht unbedingt aufregenden) Ruf, eine durchweg rationale Epoche zu sein. Tatsächlich macht der Wissensdrang des 18. Jahrhunderts aber nicht dort Halt, wo die Grenzen des Verstandes erreicht sind. Im Wunsch zu verstehen, wie die ganze Seele funktioniert, beginnen Dichter und Gelehrte gezielt die Grenzbereiche zu erkunden, an denen die rationale Erkenntnis der ‚oberen‘ Seelenkräfte laut der zeitgenössischen Philosophie in die sinnliche Erkenntnis am ‚Grund der Seele‘ (Baumgarten) übergeht. Die Faszination für die sogenannten dunklen Vorstellungen, die der Kontrolle des Verstandes entzogen sind, bringt um 1750 Projekte einer empirischen Psychologie hervor, in der Empfindungen ebenso zum Gegenstand der Reflexion werden wie Träume, unwillkürliche Fehlleistungen oder Verbrechen.
Das Seminar widmet sich diesen Vermessungen der Seele in konzentrierten Lektüren und fragt, welche Effekte daraus auf Literatur und Literaturtheorie der Aufklärung erwachsen. Um diese Konstellation auszuloten, richtet sich der gemeinsame Blick ebenso auf philosophische und ästhetische Schriften wie auf ein breites Spektrum literarischer Genres, die im 18. Jahrhundert einen Psychologisierungsschub erfahren: von der Ode (z. B. Klopstock) über das in immer grundlegendere Konflikte führende Trauerspiel (z. B. Lessing) bis zum autobiographischen Erzählen, zu dem Karl Philipp Moritz im „Magazin zur Erfahrungsseelenkunde“ (1783–1793) nicht nur andere animiert, sondern das er mit „Anton Reiser. Ein psychologischer Roman“ (1785–1790) auch selbst auf bahnbrechende Weise umgestaltet.

 

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').
Die Nutzung von KI (ChatGPT o.ä.) für die Konzeption und Ausformulierung aller Leistungen (Teilleistungen und Prüfungsleistung) ist untersagt.

Vorausgesetzt wird die regelmäßige und aktive, durch Lektüre vorbereitete Teilnahme am Seminar, die Mitarbeit in einer Expert:innengruppe und das Anfertigen eines Kurzexposés zur geplanten Bachelorarbeit.
Abgeschlossen wird die LV durch eine Bachelorarbeit im Umfang von 30 Seiten, Abgabe bis 31.3.2026 in elektronischer Form.

 

Literatur

Die Texte, die zu den einzelnen Einheiten des Seminars zu lesen sind, werden größtenteils über Moodle digital zur Verfügung gestellt. Einzelne Texte sind nach Ankündigung in der ersten Einheit in günstigen Leseausgaben zu erwerben.

 

Prüfungsstoff

Die Prüfung erfolgt im Rahmen einer schriftlichen Bachelorarbeit zu einem selbst gewählten Thema (= Teil der Prüfungsleistung), das durch ein Kurzexposé vorbereitet und mit der Vortragenden abgestimmt wird. Gegenstand und Fragestellung der Arbeit müssen sich im Rahmen des Seminarthemas bewegen.

 

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig.
Studierende, die der ersten Einheit unentschuldigt fern bleiben, verlieren ihren Platz in der Lehrveranstaltung.
Maximal zweimaliges Fehlen ist erlaubt. Eine konsequenzlose Abmeldung ist bei wöchentlichen Lehrveranstaltungen bis vor der dritten LV-Einheit möglich, bei 14-tägigen Lehrveranstaltungen und Blöcken bis vor dem zweiten Termin.

Umfang der Abschlussarbeiten: Bachelorarbeiten 30 Seiten Haupttext

Das Hauptgewicht der Beurteilung liegt auf der schriftlichen Bachelorarbeit.