Vorlesungs­verzeichnis

NdL: Apocalypse now? Szenarien atomarer Bedrohung in Literatur und Film

100097 SE-B 2022W

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Nächster Termin

Wednesday, 07.12.2022 18:30-20:00 Seminarraum 4 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 5

 

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

1945, zur angeblichen ›Stunde Null‹ in Deutschland und Österreich, gelangte man in White Sands und Hiroshima auf ›Ground Zero‹. Mit dem ersten ›erfolgreichen‹ Test und Einsatz einer Atombombe galt nun tatsächlich eine neue Zeitrechnung. Denn erstmals galt die gesamte Menschheit als ›tötbar‹, und erstmals war der Mensch, wenn nicht zum ›Herrn der Schöpfung‹, so doch der Apokalypse geworden. Einerseits beklagten Denker wie Günther Anders eine allenthalben vorherrschende »Apokalypseblindheit«, andererseits erfasste ein neuer apokalyptischer Ton die öffentlichen Reden und politischen Debatten, die Philosophie und auch die Literatur. Jacques Derrida zufolge musste man von dieser Apokalypse immerzu reden und schreiben, schon um sie nicht geschehen zu lassen; zugleich jedoch erschien das ›atomar Erhabene‹, die Detonation der Bombe und ihre dauerhafte Strahlung, als das, was sich der einfachen Referenzialisierung und Darstellung unweigerlich entzieht.

Um von der atomaren Bedrohung überhaupt handeln, um die Wahrscheinlichkeit des Ernstfalls analysieren und sich dessen Folgen ausmalen zu können, entwickelte man deshalb unterschiedliche Szenarien: Antizipationen der Zukunft, Narrationen von möglichen Weltzuständen und spieltheoretische Modelle zum rationalen und deshalb erwartbaren Verhalten der beteiligten Parteien. Derlei Szenarien waren zunächst eine Sache des Militärs. Sie waren aber auch der Gegenstand öffentlicher Diskussion, eine Gelegenheit zur Indoktrination und nicht zuletzt ein Darstellungsmittel von Literatur und Film. Diese ihre Szenarien sollten nämlich als Schule der Einbildungskraft dienen, als Medium der Affektregie und als ein politisches Forum der Kritik, um so jener ›Apokalypseblindheit‹ entgegenzuwirken, die Anders als eigentliche Bedrohung des Zeitalters sah.

In geopolitischer Perspektive (aber mit besonderem Schwerpunkt auf die Grenzlage der deutschsprachigen Welt) widmet sich das Seminar unterschiedlichen Szenarien, die vor dem Hintergrund der atomaren Bedrohung entstanden sind: theoretischen Texten ebenso wie strategischen Planspielen, v.a. aber Erzählungen und Dramen, Hörspielen, Fernsehsendungen und Filmen, die etwa von der Eskalation zum Ernstfall im War Room oder Flugzeug handeln, vom ›postapokalyptischen‹ Day after im Bunker oder auch von ›traumatischen‹ Erinnerungen an den ersten Ground Zero. Besichtigt wird die atomare Epoche schlaglichtartig: von den ersten, teils bekannten, teils geheimen Entwicklungsprogrammen über die unmittelbare Nachkriegszeit und den Kalten Krieg bis hin zu dessen Ende und zur Lage im 21. Jahrhundert. Denn zuletzt wird nicht nur ›die Bombe‹ Thema sein, sondern mit Chernobyl und Fukushima auch das ›zivile‹ Hochrisikosystem des Kernkraftwerks.

 

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Erwartet wird – neben der aktiven und regelmäßigen Teilnahme – die Mitwirkung in einer Expertengruppe, die den Stoff einer Sitzung aufbereitet und präsentiert; mindestens eine Respondenz zur Präsentation einer anderen Expertengruppe; nach Semesterende ein Exposé für eine Bachelorarbeit und (nach dessen einvernehmlicher Besprechung) eine Arbeit im Umfang von 30 Seiten in elektronischer Form, Abgabe nach gemeinsamer Vereinbarung im Seminar.

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig.

Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').

 

Literatur

Nach Möglichkeit werden die Texte, Ton- und Filmdokumente über Moodle bereitgestellt.

 

Prüfungsstoff

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung

 

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

- im Seminar: aktive Teilnahme an den Sitzungen; sachlich pointiertes Impulsreferat mit kompetenter Diskussionsleitung; Respondenz zu einer Präsentation der anderen Expertengruppen
- Seminararbeit: originelle Themenwahl und klare Fragestellung; Erschließung des aktuellen Forschungsstands; Orthographie, sprachliche Form, Stil; Berücksichtigung wissenschaftlicher Konventionen; Methodenbewusstsein; theoretischer Hintergrund
- Umfang der Abschlussarbeiten: Bachelorarbeiten 30 Seiten Haupttext