Proseminar ÄdL: Die Nachtigall, nicht die Lerche: Das mittelalterliche Tagelied
100088 PS 2025W
Vortragende:
Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung
Mittelalterliche Tagelieder poetisieren im Gegensatz zu den Liedern der hohen Minne das erotische Erleben eines Liebespaares. Die Texte spielen am Übergang von Tag und Nacht und im Moment der Trennung zweier Liebenden nach einer gemeinsamen Liebesnacht. Dieser als äußerst beglückend empfundene intime Moment bricht aufgrund seiner Heimlichkeit gesellschaftliche Normen und gelangt an die Grenze der Sagbarkeit. Trotz des festen Settings gibt es eine erstaunliche Variationsbreite an Ausgestaltungsformen. Die Produktivität dieses Liedtyps zeigt sich nicht nur an zahlreichen Tageliedern vom frühen Minnesang bis zur spätmittelalterlichen Lyrik, sondern auch an vielen neuzeitlichen Bearbeitungen bis in die Gegenwart (von Shakespeare, Rilke, Brecht, Celan, Enzensberger, …). Neben gattungsspezifischen Darstellungsstrategien werden wir insbesondere nach der Versprachlichung von Emotion und Sexualität und nach der poetischen Konstruktion von Geschlechterrollen fragen. Wir beschäftigen uns zudem mit Rezeptionen und Subversionen der höfischen Liedform: mit geistlichen Umdichtungen und mit mittelalterlichen Tagelied-Parodien ebenso wie mit Tagelied-Rezeptionen in der modernen Lyrik.
Im Proseminar lesen wir Tagelieder von u.a. Dietmar von Aist, Heinrich von Morungen, Wolfram von Eschenbach, Walther von der Vogelweide, Konrad von Würzburg, Steinmar, Hadlaub, dem Mönch von Salzburg, Oswald von Wolkenstein und beschäftigen uns auch mit neuzeitlichen Rezeptionen.
Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel
Aktive Mitarbeit (Vorbereitung auf die LV, Hausübungen), Präsentationen, Protokolle. Die Abgabe einer schriftlichen Proseminararbeit im Ausmaß von 15 Seiten ist für den positiven Abschluss der Lehrveranstaltung verpflichtend. Das Hauptgewicht der Beurteilung liegt auf dieser schriftlichen Arbeit; weitere Teilleistungen (Mitarbeit, Referat, Hausübung, Leseprotokolle, Dossiers etc.) werden entsprechend mit einbezogen.
Werden technische Hilfsmittel wie KI-Chatbots für Leistungsnachweise in dieser LV verwendet, so müssen die Quellen, die Prompts, die Outputs und die Modifikationen jeweils im Anhang angeführt bzw. gekennzeichnet werden - Plagiate sind in keinem Fall erlaubt.Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').
Literatur
Bitte rechtzeitig besorgen:
Tagelieder des deutschen Mittelalters. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch. Hg. v. Martina Backes.Stuttgart: Reclam 1999. (= RUB 8831)
Prüfungsstoff
s. o. Art der Leistungskontrolle. Die Themen für die PS-Arbeit sind vom Inhalt der LV vorgegeben und werden mittels eines Exposés vorbereitet und besprochen. Das Hauptgewicht der Beurteilung liegt auf der Proseminararbeit. Das Abgabedatum für die Arbeit ist der 15. Februar. Die Arbeiten werde n bis zum 28 Februar beurteilt. Sollte die Arbeit negativ sein, gibt es die Möglichkeit einer Verbesserung im Zeitrahmen von 14 Tagen (bis zum 15. März). Danach wird die Lehrveranstaltung geschlossen.
Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig.
Studierende, die der ersten Einheit unentschuldigt fern bleiben, verlieren ihren Platz in der Lehrveranstaltung.
Maximal zweimaliges Fehlen ist erlaubt. Eine konsequenzlose Abmeldung ist bei wöchentlichen Lehrveranstaltungen bis vor der dritten LV-Einheit möglich, bei 14-tägigen Lehrveranstaltungen und Blöcken bis vor dem zweiten Termin.
Abkürzungen: ÄdL: Ältere deutsche Sprache und Literatur – DaF/Z: Deutsch als Fremd- und Zweitsprache – FD: Fachdidaktik Deutsch – NdL: Neuere deutsche Literatur – SpraWi: Sprachwissenschaft
