Masterseminar NdL: Empfindsame Autorschaft männlich/weiblich
100084 SE 2025W
Vortragende:
Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung
Die Empfindsamkeit, so lehren es die Literaturgeschichten, ist eine Jugendbewegung innerhalb der Aufklärung, die um 1750 eine neuartige Gefühlskultur etabliert und Sozialformen entwickelt, in denen sie literarische Praktiken von Freundschaft, Liebe und Geselligkeit erprobt. Dass dabei fast immer junge Männer und Frauen zusammenkommen, scheint auf den ersten Blick selbstverständlich.
Doch schon die feministische Literaturtheorie der 1970er Jahre hat darauf aufmerksam gemacht, dass die Strömung eine Zäsur für die Geschichte weiblicher Autorschaft markiert, indem sie Frauen mehr als zuvor zum Schreiben auffordert, dabei jedoch auf gefühlsbetonte, privat kodierte Gattungen wie Brief und Briefroman festlegt. Daraus ergeben sich Anschlussfragen zum systematischen und historischen Verhältnis von Autorschaft und Geschlecht in der Empfindsamkeit: Wie modelliert die Strömung im Gegenzug die Affekte schreibender Männer? Welche neuen Möglichkeiten und Grenzen ergeben sich für sie? Und welche Rolle spielen männliche und weibliche Anteile für die Neukonfiguration von Autorschaft im Sturm und Drang, der um 1770 ein auf den ersten Blick maskulines Genie entwirft?
Ausgehend von diesen Fragen setzt sich das Seminar auf die Spur empfindsamer Autorschaft. Neben systematischen Texten zur Autorschaftstheorie erschließt es ein Spektrum empfindsamen Schreibens, das von Freundschaftsdichtung (Johann Wilhelm Ludwig Gleim, Gotthold Ephraim Lessing, Friedrich Gottlieb Klopstock) über sapphische Liebeslyrik (Anna Louisa Karsch) bis zum Briefroman (Sophie von La Roche) reicht, oft von denselben Autor:innen aber auch durch patriotische Dichtung flankiert wird (Gleim, Klopstock, Karsch). Ziel ist es, daraus Geschlechts- und Autorschaftsdiskurse um 1750 in konzentrierten Lektüren zu erarbeiten und ihre Zusammenhänge zu erkunden.
Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel
Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').
Die Nutzung von KI (ChatGPT o.ä.) für die Konzeption und Ausformulierung aller Leistungen (Teilleistungen und Prüfungsleistung) ist untersagt.
Abgeschlossen wird die LV durch eine schriftliche Seminararbeit im Umfang von 25 Seiten, Abgabe bis 31.3.2026 in elektronischer Form.
Literatur
Die Texte, die zu den einzelnen Einheiten des Seminars zu lesen sind, werden größtenteils über Moodle digital zur Verfügung gestellt. Einzelne Texte sind nach Ankündigung in der ersten Einheit in günstigen Leseausgaben zu erwerben.
Prüfungsstoff
Die Prüfung erfolgt im Rahmen einer schriftlichen Seminararbeit zu einem selbst gewählten Thema (= Teil der Prüfungsleistung), das durch ein Kurzexposé vorbereitet und mit der Vortragenden abgestimmt wird. Gegenstand und Fragestellung der Arbeit müssen sich im Rahmen des Seminarthemas bewegen.
Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab
Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig.
Studierende, die der ersten Einheit unentschuldigt fern bleiben, verlieren ihren Platz in der Lehrveranstaltung.
Maximal zweimaliges Fehlen ist erlaubt. Eine konsequenzlose Abmeldung ist bei wöchentlichen Lehrveranstaltungen bis vor der dritten LV-Einheit möglich, bei 14-tägigen Lehrveranstaltungen und Blöcken bis vor dem zweiten Termin.
Abkürzungen: ÄdL: Ältere deutsche Sprache und Literatur – DaF/Z: Deutsch als Fremd- und Zweitsprache – FD: Fachdidaktik Deutsch – NdL: Neuere deutsche Literatur – SpraWi: Sprachwissenschaft
