Vorlesungs­verzeichnis

NdL: Geschwister in der Literatur

100084 PS 2024S

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Vortragende:

Nächster Termin

Mittwoch, 26.06.2024 15:00-16:30 Hörsaal 16 Hauptgebäude, Hochparterre, Stiege 5

 

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Geschwister begegnen uns – einmal den Blick auf sie gerichtet – überall, dennoch wurden sie in der Literaturwissenschaft bisher kaum wahrgenommen. Ob als handlungstragende Figuren in literarischen Texten (z.B. Gregor und Grete in Kafkas „Verwandlung“, Agathe und Ulrich in Musils „Mann ohne Eigenschaften“, Camilla und Maria in Stifters „Zwei Schwestern“) oder Akteur*innen der Textproduktion (z.B. „die Brontës“, „die Manns“, „die Grimms“, die „Schwestern Ramm“): Mit den Geschwistern rückt das Ähnliche, das Gemeinsame, das Verbindenden, aber auch das Trennende in den Vordergrund. Die Beschäftigung mit Geschwistern verlagert den Fokus vom einzelnen, schaffenden Individuum auf ein Netz an Beziehungen und Verbindungen, in die das schreibende und lesende Ich immer schon eingebunden ist. Über die Eruierung von Geschwisterkonstellationen lässt sich somit eine neuartige „Philogenese“ des Subjekts ablesen, die über soziale, ökonomische, politische – und vielleicht auch ästhetische – Entwicklungen in der Literaturgeschichte Aufschluss zu geben vermag. Unter Geschwistern, die einander helfen und verhindern, unterstützen und blockieren, geraten im Gegensatz zur elterlichen (bzw. väterlichen) Perspektive des Patriarchats, die sich durch eine besondere Vertikalität auszeichnet, auch horizontal gelagerte Beziehungsmuster in den Fokus: Man verhält sich z u e i n a n d e r, agiert u n t e r e i n a n d e r – schreibt miteinander? Fragen nach Erbe, Nachkommen, Auskommen, Erhalt, Kontinuitäten und der familiären Gestaltung von Geschlechterrollen werden virulent und miteinander ausverhandelt.

Anhand ausgewählter literarischer Texte soll ein Überblick über Geschwisterkonstellationen in der Literatur erarbeitet werden.

 

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').

Voraussetzungen für die positive Absolvierung der LV sind:

- Referate. Präsentationen in Form von Gruppenreferaten (bei Ausarbeitung einzelner Thesen)
- Regelmäßige Teilnahme und Mitarbeit. Gemeinsame Diskussion von Fragen und Thesen im Seminar
- Proseminararbeit (im Umfang von zirka 15 Seiten Haupttext)

 

Literatur

Die Primärtexte, eine Bibliographie und das Semesterprogramm werden in der ersten Einheit bekanntgegeben/besprochen.

Barthes, Roland: Wie zusammen leben. Simulationen einiger alltäglicher Räume im Roman. Vorlesung am Collège de France 1976–1977. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2007.
Fritz, Nicole (Hg.): Sisters and Brothers. 500 Jahre Geschwister in der Kunst. Eine Ausstellung der Kunsthalle Tübingen in Kooperation mit dem Lentos Kunstmuseum Linz. Köln: Walther und Franz König 2023.
Pusch, Luise F.: Schwestern berühmter Männer. Zwölf biographische Portraits. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1994.
Frei Gerlach, Franziska: Geschwister. Ein Dispositiv bei Jean Paul und um 1800. Berlin: De Gruyter 2012. (Online vollständig via u:search/u:access verfügbar)
Schneider, Ulrike, Daniel Vorpahl und Helga Völkening (Hg.): Zwischen Ideal und Ambivalenz. Geschwisterbeziehungen in ihren soziokulturellen Kontexten. Bern: Peter Lang 2015. (Online vollständig via u:search/u:access verfügbar).

 

Prüfungsstoff

Alle im Seminar erarbeiteten Texte und Inhalte.

 

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig. Maximal zweimaliges Fehlen ist erlaubt. Eine konsequenzlose Abmeldung ist bei wöchentlichen Lehrveranstaltungen bis vor der dritten LV-Einheit möglich, bei 14-tägigen Lehrveranstaltungen und Blöcken bis vor dem zweiten Termin.

Um das Seminar zu absolvieren, muss jede einzelne Teilleistung (Referat, Mitarbeit, Seminararbeit) erbracht werden.

20% Referat
20% Mitarbeit
60% Proseminararbeit (zirka 15 Seiten Haupttext)

Die Seminararbeit ist spätestens bis 30. September 2024 abzugeben.