Proseminar ÄdL: Eneasroman
100082 PS 2025W
Vortragende:
Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung
Der zwischen 1170 und 1180 verfasste 'Eneasroman' Heinrichs von Veldeke erzählt die Geschichte des Trojaflüchtlings Eneas: Geleitet durch die göttliche Bestimmung reist er von Troja über Karthago bis nach Latium, wo er sich seinen Platz als zukünftiger Landesherrscher sichern muss. Im Mittelpunkt des Romans stehen neben der göttlich geleiteten Reise besonders die Liebesgeschichten um Dido und Lavinia – Während Didos Liebe zu Eneas tragisch endet, wird Lavinia bei Heinrich von Veldeke zur Idealfigur höfischer Minne. Auf Grundlage von Vergils 'Aeneis' und dem französischen 'Roman d’Eneas' entsteht ein Werk, das nicht nur antike Stoffe adaptiert, sondern sie zugleich mediävalisiert und insbesondere in der Minnehandlung weit über die Vorlagen hinausgeht.
Das Seminar widmet sich in textnaher Analyse den Gattungsspezifika der Antikenromane sowie der literarischen Transformation antiker Motive im Mittelalter: Thematisiert werden unter anderem der Umgang mit der heidnischen Götterwelt und antiken Jenseitsvorstellungen (Eneas' Unterweltsfahrt), der Themenkomplex Liebe/Minne (Frauenfiguren) sowie die Gewaltdarstellungen im 'Eneasroman' (Kriege und Schlachten). Durch die Arbeit am Text und den Vergleich mit den Vorlagen sollen die Teilnehmer:innen im Laufe des Seminars – in Gruppenarbeiten sowie durch Präsentationen und Diskussionen – zentrale Aspekte mittelalterlicher Literatur und Kultur erschließen. Ergänzend soll ein Blick auf Heinrich von Veldeke als Autor, seine (möglichen) Gönner:innen sowie den (potentiellen?) Diebstahl des unfertigen Manuskripts einen Einblick in die literarische Praxis des 12. Jhs. eröffnen.
Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel
- Wöchentliche Vor- und Nachbereitung (Lesen der angegebenen Sekundärliteratur)
- Hausübungen, Textkenntnistest
- Übernahme eines Referates (Impulsvortrag und schriftliche Ausarbeitung) mit vorausgehendem Besuch der Sprechstunde
- Ein Exposé zur Proseminararbeit (ca. 2 Seiten inkl. Literaturverzeichnis)
- Proseminararbeit (Abgabe 15.03.2026)
Literatur
Heinrich von Veldeke: Eneasroman. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch. Nach dem Text von Ludwig Ettmüller ins Deutsche übersetzt, mit einem Stellenkommentar und einem Nachwort von Dieter Kartschoke, Stuttgart 2010; Elisabeth Lienert: Deutsche Antikenromane des Mittelalters, Stuttgart 2001 (Grundlagen der Germanistik 39); Zur Vorbereitung außerdem empfohlen: L. Wolff und W. Schröder: Heinrich von Veldeke. In: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon, hrsg. von Kurt Ruh u.a., Band 3, Berlin/New York 1981, Sp. 899-918.
Weitere Literatur ab der ersten Semesterwoche auf dem Seminarplan.
Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab
Der Inhalt des Eneasromans sollte bereits vor Seminarbeginn zumindest in groben Teilen bekannt sein (idealerweise Lektüre bis zur zweiten oder dritten Semesterwoche).
Gewichtung der Einzelleistungen: Hausübungen (20%), Referat (20%), Proseminararbeit inkl. Exposé (60%)
Zur Sicherung der guten wissenschaftlichen Praxis kann die Lehrveranstaltungsleitung eine mündliche Reflexion der abgegebenen Seminararbeit vorsehen, die erfolgreich zu absolvieren ist.Diese Lehrveranstaltung erfordert die regelmäßige Anwesenheit der Teilnehmer*innen zur Diskussion der Referate und Inputs der LV-Leitung
Ein zweimaliges unentschuldigtes Fehlen ist zulässig. Ein mehrmaliges Fehlen ohne wichtigen Grund führt zu einer negativen Beurteilung.Studierende, die der ersten Einheit unentschuldigt fern bleiben, verlieren ihren Platz in der Lehrveranstaltung.
Eine konsequenzlose Abmeldung ist bei wöchentlichen Lehrveranstaltungen bis vor der dritten LV-Einheit möglich, bei 14-tägigen Lehrveranstaltungen und Blöcken bis vor dem zweiten Termin.Umfang der Abschlussarbeiten: Proseminararbeit: 15 Seiten Haupttext.Das Hauptgewicht der Beurteilung liegt auf der schriftlichen Proseminararbeit.
Abkürzungen: ÄdL: Ältere deutsche Sprache und Literatur – DaF/Z: Deutsch als Fremd- und Zweitsprache – FD: Fachdidaktik Deutsch – NdL: Neuere deutsche Literatur – SpraWi: Sprachwissenschaft
