Vorlesungs­verzeichnis

Sprachgebrauch: Begriffsgeschichte

100075 PS 2010W

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Vortragende:

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

Während in der Germanistik die Wortgeschichte seit je unverzichtbar war für die Etymologie, war die Begriffsgeschichte traditionell eine Domäne von Philosophen und Historikern. Eingang in die Germanistik hat sie in breitem Umfang und mit Blick auf rezentem Sprachgebrauch v.a. durch die Diskursgeschichte gefunden, wofür als Beispiel die Kontroversen Begriffe von Stötzel / Wengeler genannt werden können. Am Beginn der modernen, philosophisch orientierten Begriffsgeschichte steht das 1955 von E. Rothacker begründete "Archiv für Begriffsgeschichte", in dem die Begriffsgeschichte sowohl theoretisch-methodologisch wie auch durch konkrete Fallstudien vorangetrieben wurde. Weiterentwickelt wurde sie durch das Historische Wörterbuch der Philosophie (begr. von J. Ritter) und die Geschichtlichen Grundbegriffe (hg. von Brunner / Conze / Kosellek), wobei die Arbeiten von Kosellek auf eine sozialhistorische Begriffsgeschichte als historische Semantik abzielen. Neueren Datums sind die Grundbegriffe der europäischen Geistesgeschichte (hg. von K. P. Liessmann).
Im Proseminar wollen wir uns nicht nur mit Begriffen auseinandersetzen, die seit der Antike Gegenstand philosophischer Reflexion sind (wie z.B. Demokratie, Gerechtigkeit u.a.), sondern vielmehr mit Begriffen jüngeren Ursprungs bzw. mit Begriffen, die in der jüngsten Vergangenheit eine neue Bedeutung erhalten haben und in der Gegenwart eine bedeutende Rolle spielen, z.B.
Europa
Fairness
Innovation
Islamismus
Migration
Mobilität
Multikulturalität
Postmoderne
Offenheit
Ökologie
Pluralität / Vielfalt
Regionalität
(öko-)soziale Marktwirtschaft
Terrorismus
Transparenz / Durchsichtigkeit
Wellness / Wohlfühlen
Dabei kommt es vor allem darauf an, anhand von Untersuchungen zum Gebrauch unter besonderer Berücksichtigung des Kontexts (z.B. in Form von Internet-Recherchen) die Bedeutung der einzelnen Begriffe herauszuarbeiten.
Zum Ablauf: In den ersten 3-4 Sitzungen werden grundsätzliche Fragen erörtert und Beispiele für gelungene Begriffsgeschichten vorgestellt. In den weiteren Sitzungen sollen von den Studierenden die Ergebnisse ihrer Arbeiten zu einem selbst gewählten Begriff präsentiert werden.
Wer sich vorbereiten und einstimmen möchte, dem sei die Lektüre der 5 Artikel "Etymologie und Wortgeschichte" aus dem zweiten Halbband des Handbuchs Lexikologie (hg. v. Cruse / Hundsnurscher / Job / Lutzeier; Art.Nr. 168-172 v. E. Seebold, D. Busse, A. Blank, H. Rix) empfohlen.

 

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Referat, Teilnahme an Diskussionen, PS-Arbeit (üblichen Umfangs)

 

Literatur

Auswahl:
Europäische Schlüsselwörter. Wortvergleichende und wortgeschichtliche Studien. 3 Bde. Hg. vom Sprachwissenschaftlichen Colloquium Bonn. München 1967
Brunner, Otto / Conze, Werner / Koselleck, Reinhart (Hg.): Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland. 8 Bde. Stuttgart 1972-1997.
Liessmann, Konrad Paul (Hg.): Grundbegriffe der europäischen Geistesgeschichte. Wien 2009.
Ritter, Joachim / Gründer, Karlfried (Hg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie. Basel 1971ff.
Stötzel, Gerhard / Wengeler, Martin: Kontroverse Begriffe. Geschichte des öffentlichen Sprachgebrauchs in der Bundesrepublik Deutschland. Berlin, New York 1995 (= Sprache Politik Öffentlichkeit, Bd. 4)

 

Prüfungsstoff

Vorträge, Gespräche, Referate.

 

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Ziel der LV ist es, Methoden und Arbeitsweisen der Begriffgeschichte kennenzulernen und eigenständige Recherchen zum Gebrauch einzelner Begriffe durchzuführen.