Proseminar ÄdL: Von Zwergen, Riesen und Helden: 'Eckenlied' und 'Laurin'
100069 PS 2025W
Vortragende:
Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung
Dietrich von Bern ist ein vielseitiger Sagenheld, der sich im 13. Jahrhundert in ganz verschiedenen Texten literarisch realisiert. Im Zentrum des Proseminars stehen zwei Texte aus der sogenannten ‚aventiurehaften‘ Dietrichepik – eine Erzähltradition, die sich implizit oder explizit um einen eher jungen und manchmal auch unerfahrenen Dietrich dreht, und in denen es nicht um die Verarbeitung historischen Wissens, sondern eher um ein Erzählen aus einer eigenen Storyworld geht. In beiden Texten wird aber auch die Herkunft eines Namens erklärt: Hinter dem ‚Laurin‘ steht die Erklärung für einen häufigen alpinen Ortsnamen, den Rosengarten, das ‚Eckenlied‘ erklärt auf fantasievolle Weise den Namen von Dietrichs Schwert, Eckesachs. Laurin ist ein etwas zwielichtiger Zwergenkönig, Besitzer des Rosengartens, Frauen-Entführer und, je nach Text – es gibt verschiedene Versionen – Dietrich feindlich oder doch eher freundlich gesonnen. Ecke ist ein Riese mit einem Ego-Problem: Er hält sich für besser als Dietrich und fragt sich, warum dieser so berühmt ist. Sein Ziel ist der Kampf gegen Dietrich – der für ihn tödlich endet. Damit ist der Text nicht beendet, denn Dietrich muss mit weiteren Mitgliedern von Eckes Familie kämpfen. Die älteste erhaltene Textversion bleibt ein Fragment, später sind unterschiedliche Schlussvarianten überliefert.
Die Texte sind formal unterschiedlich – im ‚Laurin‘ Reimpaarvers, die ‚Normalform‘ höfischer Literatur, im ‚Eckenlied‘ eine recht komplizierte Strophenform, Strophik ist für Heldenepik der Normalfall. Die Texte haben an beiden literarischen Traditionen – höfischer Roman und Heldenepik – teil, sie greifen tief in den Topf der Erzähl- und Motivtraditionen. Im Seminar werden die Texte gemeinsam gelesen und analysiert, dabei wird auf unterschiedliche Methoden zurückgegriffen, so dass nicht nur ein Einblick in eine wichtige Erzähltradition, die Jahrhunderte überdauert hat, sondern auch der Umgang mit verschiedenen Methoden der Literaturwissenschaft vermittelt wird. Im Zentrum stehen dabei material philology, Oralität und Überlieferung(sgeschichte), Intertextualität, Möglichkeiten und Grenzen von Gattungstheorie.
Neben der gemeinsamen Diskussion der Primärtexte wird es im Seminar thesengeleitete Themensitzungen zu methodischen Problemen geben.
Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel
Der Leistungsnachweis erfolgt durch die aktive und kontinuierliche Mitarbeit im Seminar, durch Lektüreprotokolle sowie durch die Mitarbeit in einer Vorbereitungsgruppe und durch eine schriftliche Hausarbeit. Die Verwendung von KI zur Seminarvorbereitung kann ich nicht verhindern. In den schriftlichen Arbeiten unterliegt sie den Regeln guter wissenschaftlicher Praxis, d.h., jeglicher Einsatz MUSS wie jede andere Sekundärquelle nachgewiesen werden.
Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').
Literatur
Laurin, hg. von Hendrikje Hartung, Jan Hon, Florian Kragl. Stuttgart 2016. online über die Webeite der UB abrufbar (https://ubdata.univie.ac.at/AC17621294).
Das Eckenlied – sämtliche Fassungen, hg. von Francis Brévart, Berlin/Boston 2016 (auch online über die Webseite der UB). Eine zweisprachige Ausgabe (Reclam) ist momentan nicht mehr in print, kann aber möglicherweise antiquarisch gefunden werden..
Prüfungsstoff
Der Seminargegenstand. Individuelle Themenabsprache für die schriftlichen Hausarbeiten.
Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab
Lektüreprotokolle; Mitarbeit an einer Vorbereitungsgruppe, Seminararbeit mit eigenständiger ausführlicher Auseinandersetzung mit Primärtext(en) und der relevanten Forschung. ACHTUNG, ÄNDERUNG:
Die Seminararbeit muss bis zum 15.02.2026 über Moodle eingereicht werden.Die LV-Leitung hat 4 Wochen (15.03.2026), um die Seminararbeit zu beurteilen.
Wenn diese Seminararbeit negativ beurteilt wird und damit die Beurteilung der gesamten Lehrveranstaltung negativ ist, wird den Studierenden eine Verbesserungsmöglichkeit eingeräumt.
Die Studierenden erhalten ein Feedback mit Kriterien, die sie erfüllen müssen, damit die Teilleistung noch positiv beurteilt werden kann. Diese Kriterien müssen bis spätestens 15.04.2026 erfüllt werden, in dem die verbesserte Teilleistung über Moodle erneut eingereicht werden.
Danach hat die LV-Leitung wieder 4 Wochen für die Beurteilung Zeit.
Sollte die Frist versäumt oder die Kriterien nicht erfüllt werden, wird die gesamte LV negativ beurteilt.Beachten Sie die Hinweise zu schriftlichen Arbeiten in der Älteren deutschen Literatur auf den Seiten der SPL 10. Sprachliche Form und Richtigkeit fließen in die Bewertung ein.Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig.
Studierende, die der ersten Einheit unentschuldigt fern bleiben, verlieren ihren Platz in der Lehrveranstaltung.
Maximal zweimaliges Fehlen ist erlaubt. Eine konsequenzlose Abmeldung ist bei wöchentlichen Lehrveranstaltungen bis vor der dritten LV-Einheit möglich, bei 14-tägigen Lehrveranstaltungen und Blöcken bis vor dem zweiten Termin.Umfang der Abschlussarbeiten: Proseminararbeiten 15 Seiten HaupttextDas Hauptgewicht der Beurteilung liegt auf der schriftlichen Proseminararbeit.
Abkürzungen: ÄdL: Ältere deutsche Sprache und Literatur – DaF/Z: Deutsch als Fremd- und Zweitsprache – FD: Fachdidaktik Deutsch – NdL: Neuere deutsche Literatur – SpraWi: Sprachwissenschaft
