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NdL: "Die Wut, die bleibt" - Feminismus in der/als Literatur? I

100033 PS 2024S

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Nächster Termin

Mittwoch, 26.06.2024 11:30-13:00 Seminarraum 5 Hauptgebäude, Tiefparterre Stiege 9 Hof 5

 

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

In diesem anspruchsvollen Proseminar befassen uns mit feministischer Literatur in historischer und systematischer Perspektive, damit zugleich mit dem (feministisch informierten bzw. grundierten) Erzählen von Geschlecht‘ im literarischen Text. Das heißt, wir fokussieren darauf, ob und wie dieses Erzählen als feministisch lesbar wird (im Sinne einer feministischen Grundhaltung, also eines Feminismus, der sich für die Gleichstellung aller Menschen einsetzt und gegen Sexismus, Diskriminierung, Ausgrenzung, Ungleichheit auftritt) bzw die Texte selbst feministische Wissensbestände transportieren und performieren.
Als Beispiele für solche Texte gelten etwa Verena Stefans "Häutungen", Mareike Fallwickels "Die Wut, die bleibt" oder "Und alle so still", Mieze Medusas "Was über Frauen geredet wird", Svende Merians "Der Tod des Märchenprinzen", Gertraud Klemms "Aberland", Ulrike Haidachers "Die Party", Barbara Frischmuths "Über die Verhältnisse",Elfriede Jelineks "Die Liebhaberinnen", Maja Haderlaps "Nachtfrauen" etc.
Warum ist das interessant und wichtig für die germanistische Literaturwissenschaft? Geschlechterkonstruktionen in Kultur und Gesellschaft entstehen mittels vielfältiger Techniken des doing gender, eine dieser bedeutenden Techniken ist das (feministisch informierte bzw. grundierte) Erzählen, sei es im Rahmen der Literatur, des Film oder anderer künstlerischer Formen. Fokussieren wir auf Literatur so ist die erzählte Figur immer auch eine vergeschlechtlichte Figur. D.h, dass zwischen dem Erzählen von Geschichten und Geschlechterkonstruktionen ein enger Zusammenhang besteht, weil in Texten nicht nur Vorstellungen von ‚Weiblichkeit‘ oder ‚Männlichkeit repräsentiert oder inszeniert werden, sondern sie in eben diesen qua Zeichen aktiv hervorgebracht werden. (vgl. Nünning/Nünning S.1) Der Akt des (feministischen) Erzählens ist damit spezifischen medialen und institutionellen Rahmungen unterworfen, die verschiedenste literale Formen nutzen und dabei zugleich die Kategorie Geschlecht reflektieren, kritisieren und immer wieder aufs Neue konstituieren.
Im PS lesen und reflektieren wir einerseits Forschungsliteratur, die helfen soll, das Thema zu erschließen und andererseits versuchen wir uns selbst an Lektüren literarischer Texte entlang der erarbeiteten theoretisch-methodischen Vorannahmen.
Ziele

Lektüre paradigmatischer theoretischer Texte zum Thema, Klärung der Begrifflichkeiten, Grundlagen feministischer und gendertheoretischer Erzähltheorie. Lektüren literarischer Texte entlang theoretischer Reflexionen. Tieferes Verständnis der Begrifflichkeiten, Fähigkeit zur Erprobung und Evaluierung der theoretischen Ansätze und ihrer Anwendungsfelder für die germanistische Forschung.

Methoden
• Gruppen- und Partner_innenarbeit
• Input (von Lehrenden und Studierenden) mit Diskussion
• Lektüre und Diskussion theoretischer Texte, Übertragen der theoretischen Ansätze auf konkrete

 

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

Schriftliche Beiträge aller Lehrveranstaltungstypen der SPL 10 können einer automatischen Plagiatsprüfung unterzogen werden; dazu zählen insbesondere Arbeiten der Pro-, Bachelor- und Masterseminarstufe, aber auch Lehrveranstaltungsprüfungen (z.B. Vorlesungsprüfung) und Teilprüfungen (z.B. Zwischentest, 'Hausübungen').

Anwesenheit, vorbereitetes Mitarbeiten, (Gruppen)Referat, schriftliche Arbeit
Teilnahme. Ich erwarte, dass Sie regelmäßig und rechtzeitig ankommen ;-) und bereit sind, an der Diskussion teilzunehmen und mitzuarbeiten.

 

Literatur

Sekundärliteratur und theoretische Literatur:
• Babka, Anna / Knoll, Ursula: Geschlecht erzählen: zur Rhetorik der Unterbrechung in Herculine Abel Barbins autobigrafischen Aufzeichnungen, in: Broken Narratives / Narrative im BruchVienna University Press 2016, 195-222.
Bal, Mieke ([1985] 2009). Narratology. Introduction to the Theory of Narrative. Toronto: U of Toronto P.
Butler, Judith (1990). Das Unbehagen der Geschlechter.
• Lanser, Susan (1992). Fictions of Authority: Women Writers and Narrative Voice. Ithaca: Cornell UP.
• Lanser, Susan S. (2010). “Are We There Yet? The Intersectional Future of Feminist Narratology.” Foreign Literature Studies 32, 32–41.
• Martínez, Matías / Scheffel, Michael: Einführung in die Erzähltheorie, München: C.H. Beck 2019
• Müller-Funk, Wolfgang: DIE KULTUR UND IHRE NARRATIVE. Eine Einführung, Wien/News York: Springer 2002, S. 271-286.
• Nieberle, Sigrid: Narration und Geschlecht : Texte - Medien - Episteme, Köln Wien [u.a.]: Böhlau 2006.
• Nünning, Vera / Stritzke, Nadyne: Erzähltextanalyse und Gender Studies, Stuttgart [u.a.]: Metzler 2004,
• Nünning, Ansgar / Nünning, Vera (Hg.): Neue Ansätze in der Erzähltheorie. Trier: Wissenschaftlicher Verlag 2002.
• Nünning, Ansgar / Nünning, Vera: „Narration und Geschlecht. Texte – Medien – Episteme“, in: Making Gendered Selves. Analysekategorien und Forschungsperspektiven einer gender-orientierten Erzähltheorie und Erzähltextanalyse, hg. von Sigrid Nieberle und Elisabeth Strowick, Köln /Wien [u. a.] 2006, S. 23.
• Osinski, Jutta: Einführung in die feministische Literaturwissenschaft, Berlin: Erich Schmidt 1998, S. 174-177.
• Trinh T., Minh-ha: Trinh T. Minh-ha: Postkolonialität und Feminismus Schreiben. Herausgegeben und mit einem Vorwort von Anna Babka. Übersetzt von Kathrina Menke. Unter Mitarbeit von Matthias Schmidt [[Trinh, Minh-ha T. (1989): Women. Native. Other. Writing Postcoloniality and Feminism. Bloomington: Indiana UP]], Wien/Berlin: Turia & Kant 2010.
• Wagner, Birgit: Kultur, Geschlecht, Erzählen, in: Griesebner, Andrea / Lutter, Christina (Hg.): Geschlecht und Kultur, Beiträge zur historischen Sozialkunde. Sondernummer2000, 8-14.

Dies hier ist eine Auswahl- und auch Überblicksbibliographie zu Ihrer Information, aus dieser werden wir im Seminar nur einige Texten behandeln.

 

Prüfungsstoff

prüfungsimmanente LV, Mitarbeit, Gruppenreferat, schriftliche Arbeit im vorgegebenen Ausmaß

 

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltungen aus dem Angebot der SPL10 sind grundsätzlich anwesenheitspflichtig. Maximal zweimaliges Fehlen ist erlaubt. Eine konsequenzlose Abmeldung ist bei wöchentlichen Lehrveranstaltungen bis vor der dritten LV-Einheit möglich, bei 14-tägigen Lehrveranstaltungen und Blöcken bis vor dem zweiten Termin.

Umfang der Abschlussarbeiten: Proseminararbeiten 15 Seiten Haupttext

• Profunde Einarbeitung in die entsprechenden Texte
• Lesen, Verstehen und 'Anwenden' der theoretischen Texte und Konzepte
• Schärfung des eigenen begrifflichen Denkens, des Urteilsvermögens, des wissenschaftlichen Arbeitsstiles und Argumentierens
• Reflexionskompetenz und Einnehmen einer Metaperspektive